Abgesetzter PH-Rektor: Hochschulrat verweigert Neuausschreibung

23. Juli 2012, 14:35
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Tiroler Landesschulratspräsident hofft, dass sich "Missverständnis" aufklärt und die Ministerin die Abberufung rückgängig macht

Die Abberufung des designierten Rektors der Pädagogischen Hochschule (PH) Tirol, Elmar Märk, sorgt weiter für Aufregung. Märk hatte in einem Interview laut über die Lehrerausbildung an den Universitäten statt an den Pädagogischen Hochschulen nachgedacht, was Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) offensichtlich missfiel. Am Freitagnachmittag teilte sie via Aussendung mit, dass das Vertrauensverhältnis zu Märk nicht mehr gegeben sei und die Stelle neu ausgeschrieben werde.

Hochschulrat hält an Märk fest

Am Montagvormittag tagte der Hochschulrat in Innsbruck und nahm sich der Sache an. Da man noch keinen schriftlichen Abberufungsbescheid aus dem Ministerium erhalten habe, gehe man in der Zwischenzeit davon aus, dass Märk sein Amt mit 1. Oktober antreten werde, sagte Hans Lintner, Präsident des Tiroler Landesschulrats, nach der Sitzung im Gespräch mit derStandard.at.

Lintner hielt auch fest, dass Märk um seinen Posten kämpfen und der Hochschulrat eine Neuausschreibung nicht durchführen werde. "Wir hoffen, dass es zu einer Lösung kommt und die Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden." Märk selbst wollte am Montag kein Interview geben.

"Ideologisch motiviert"

Nachdem schon die Bundes-ÖVP am Wochenende harte Kritik geübt hatte, verurteilte auch die Tiroler Landespolitik am Montag das Vorgehen von Bildungsministerin Schmied massiv. Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) sagte zu derStandard.at: "Das ist ideologisch motiviert, ich verstehe die Haltung der Ministerin überhaupt nicht." Schmied würde den Ländern immer vorwerfen, parteipolitisch zu handeln, nun treffe dies aber viel mehr auf sie zu. Palfrader wirft Schmied vor, die Entscheidung des Hochschulrats nicht zu akzeptieren.

Lehrerausbildung an den Universitäten

Inhaltlich unterstützt die Tiroler Bildungslandesrätin den abgesetzten PH-Rektor. Auch sie plädiert langfristig für eine einheitliche Lehrerausbildung an den Universitäten, da dort die besseren Voraussetzungen gegeben seien.

Grüne kritisieren Parteibuch-Entscheidungen

Die Grünen sehen unterdessen die Schuld in der Causa Märk nicht alleine bei Schmied. Schon die Bestellung Märks zum Rektor der PH Tirol sei inakzeptabel gewesen, sagte Bildungssprecher Harald Walser zu derStandard.at. Der Grünen-Politiker kritisiert generell die parteipolitischen Besetzungen an den Pädagogischen Hochschulen. Das richtige Parteibuch zu besitzen sei mehr wert als die Qualifikation: "Es werden Leute zu Rektoren ernannt, die nicht die Anstellungserfordernisse haben." Die Posten sollten in seinen Augen nur von Personen besetzt werden, die auch die Kriterien für eine solche Stelle an einer bestehenden Universität erfüllen würden. "Das bedeutet konkret, dass eine Habilitation als Voraussetzung für das Amt eines Rektors zu gelten hat."

Bei Märk - bisher Direktor einer HTL - sei das nicht der Fall. Hier habe sich die ÖVP durchgesetzt und der besser qualifizierte Bewerber das Nachsehen gehabt. "Die Ministerin hat auf die erste Gelegenheit gewartet, die Entscheidung rückgängig zu machen", so Walser.

Pädagogische Hochschule reformieren

Walser kritisiert auch die späten Personalentscheidungen an den Pädagogischen Hochschulen in Graz und Wien. Auch dort seien es parteipolitische Konstellationen gewesen, die die Entscheidungen verzögert hätten. Der Bildungssprecher der Grünen fordert eine Strategie der Politik, wie man mit der Struktur der PHs umgeht. Die Frage, was in Zukunft mit ihnen passiere, ob sie in die Universitäten eingegliedert werden oder zu eigenen "Schools of Education" umgewandelt, gehöre geklärt. Doch derzeit gehe die Tendenz in eine andere Richtung: "Die Politik traut sich nicht, sich festzulegen." (rwh, derStandard.at, 23.7.2012)

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    Ist das richtige Parteibuch mehr wert als die Qualifikation? Bildungsministerin Claudia Schmied erntet für ihre jüngste Personalentscheidungen heftige Kritik.

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