Bombe von Burgas vermutlich in Bulgarien gebaut

23. Juli 2012, 13:02
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Islamische Terroristen pflegen nicht Bermudas zu tragen wie der mutmaßliche Attentäter - Sofia dementiert zu wissen jemand habe die Verantwortung zum Anschlag übernommen

Sofia - Die Bombe von Burgas ist nach Ansicht eines bulgarischen Sicherheitsexperten ein einheimisches Fabrikat. Es sei wahrscheinlicher, dass der Sprengsatz in Bulgarien zusammengebaut worden sei, sagte der Sicherheitsexperte Alex Alexiew am Sonntag dem öffentlich-rechtlichen Radiosender BNR. Das bedeute, dass auch Helfer zu suchen seien. Bei einem Bombenanschlag im Ferienort Burgas waren am vergangenen Mittwoch sieben Menschen, darunter fünf Israelis getötet worden. Israel vermutet den Iran hinter der Bluttat.

In Sofia gibt es unterdessen eine Fülle an Spekulationen und Theorien zum Anschlag. Die Behörden halten sich indes mit Kommentaren zurück. So wurde ein Fernsehbericht, wonach der Attentäter zunächst einige Tage in der Küstenstadt Warna (Varna) verbracht habe, ehe er nach Burgas fuhr, nicht bestätigt. Allerdings dementierte das Außenministerium israelische Medienberichte, wonach die bisher unbekannte Gruppe "Qaedat al-Jihad" die Verantwortung für den Anschlag übernommen habe. Außenminister Nikolaj Mladenow betonte am Montag, dass Sofia vor Abschluss der Ermittlungen keine Anschuldigungen erheben wird.

Alexiew wies darauf hin, dass es in Bulgarien eine große Gruppe von Einwanderern aus arabischen Ländern gebe. Aus dieser Gruppe könnten die Helfer beim Anschlag stammen. Sie könnten dem Attentäter auch Sprengstoff zukommen haben lassen. Allerdings warnte Obermufti Mustafa Alisch Hadschi davor, den Islam in Bulgarien "grundlos" mit dem Terrorismus in Verbindung zu bringen.

Mithelfer sollen sich abgesetzt haben

Am Montag wurden russische Informationen veröffentlicht, wonach sich zwei Mithelfer des Attentäters mittlerweile über die Türkei aus Bulgarien abgesetzt haben sollen. Zuvor behauptete die bulgarische fahndende Journalistin Elena Jontschewa, die mit islamischen Gruppen im Kaukasus und Tschetschenien recherchiert hatte, es sei möglich, dass die Bombe zu früh detoniert sei. Der Terrorist hätte sie erst nach der Abfahrt sprengen sollen, um größeren Schaden anzurichten.

Die Tageszeitung "Sega" schreibt auch nach inoffiziellen Informationen von Überlebenden, dass in einem der Gepäckräume des Busses ein großer schwarzer Koffer lag und ihnen verboten wurde, ihr Gepäck daneben abzustellen. Dies nährt Spekulationen über eine mögliche zweite Bombe im Bus.

"Ungereimtheiten" bei Anschlag

Der Sicherheitsexperte Slawtscho Welkow machte im Fernsehsender bTV auch auf einige "Ungereimtheiten" beim Burgas-Anschlag aufmerksam. So sei es "sehr merkwürdig", dass immer noch niemand die Verantwortung für das Attentat übernommen habe. Auch sei es äußerst merkwürdig, dass der mutmaßliche Attentäter auf Bildern von Überwachungskameras kurze Bermudahosen trug. Dies entspreche keinesfalls der Vorgehensweise islamischer Gruppen, und noch weniger würden ihre Attentäter "stundenlang vor der Kamera herumtreten", so Welkow.

Am heutigen Montag kommt der israelische Tourismusminister Stas Misezhnikov zu einem Besuch nach Bulgarien. Er will damit nach eigenem Bekunden nach dem Anschlag die bulgarisch-israelischen Beziehungen stärken. Misezhnikov will auch Burgas und andere Ferienorte an der Schwarzmeerküste besuchen. Zeitgleich berichtet das Nationalfernsehen BNT1, dass am Flughafen vom Burgas mittlerweile die Busse für Israelis mit technischen Mitteln und Hunden durchsucht werden. Außerdem gibt es Polizeipatrouillen in den Hotels. (APA, 23.7.2012)

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