Der Euro in der Schuldenkrise

23. Juli 2012, 12:51
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Berlin - Seit etwa drei Jahren bestimmt die Diskussion um die Zukunft der Euro-Zone die Finanzmärkte. Am Montag sorgten Spekulationen um eine mögliche Pleite Griechenlands und um eventuelle weitere Hilfen für Spanien für einen erneuten Kursrutsch des Euro. Im Folgenden die wichtigsten Stationen der Gemeinschaftswährung seit 2009:

21. Oktober 2009: Der Euro klettert erstmals seit mehr als einem Jahr wieder über die Marke von 1,50 Dollar. Am Tag zuvor hatte der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou das ganze Ausmaß der Schuldenmisere seines Landes offengelegt: Das Haushaltsdefizit ist doppelt so hoch wie gedacht.

Dezember 2009: Zunächst unbeeindruckt von der griechischen Schuldenkrise steigt der Euro über 1,51 Dollar. Nach dem Verlust der "A"-Bonitätsnote der Ratingagentur Fitch (und späteren Herabstufungen durch Standard & Poor's sowie Moody's) für Athen dreht die Stimmung: Der Euro beginnt seine Talfahrt.

Februar bis April 2010: Hilfszusagen der EU für Griechenland können die Talfahrt des Euro nicht stoppen. Er fällt unter 1,32 Dollar.

23. April 2010: Griechenland bittet offiziell um Finanzhilfen. Der Euro steigt zunächst knapp auf 1,34 Dollar.

Anfang Mai 2010: Die Furcht vor einer Ausbreitung der Schuldenkrise nimmt zu und drückt den Euro bis auf fast 1,25 Dollar. In einer Blitz-Aktion einigt sich die EU auf ein 750 Mrd. Euro schweres Rettungspaket für strauchelnde Mitgliedstaaten. Dazu gehört der Europäische Finanzstabilitätsfonds (EFSF), der über ein Volumen von 440 Mrd. Euro verfügt. Die anfängliche Erleichterung darüber verpufft binnen Stunden.

7. Juni 2010: Nachdem ein G-20-Treffen keine Einigkeit über den richtigen Weg aus der Euro-Krise erzielt hat, fällt der Euro auf ein Vier-Jahres-Tief von 1,1875 Dollar. In den folgenden Monaten setzt der Euro zu einer steilen Erholung an und notiert Anfang November wieder über 1,40 Dollar.

21.-23. November 2010: Irland bekommt die Schulden seiner Banken nicht in den Griff und bittet als erstes Euro-Land um internationale Finanzhilfen. Damit wird erstmals der EFSF angezapft. Die Ratingagentur S&P stuft daraufhin Irlands Kreditwürdigkeit auf "A" von bisher "AA-" herunter. Der Euro verliert binnen zwei Tagen drei US-Cent an Wert und notiert dann noch um 1,33 Dollar.

Anfang Jänner 2011: Die Schuldenprobleme Portugals beschäftigen Investoren zunehmend, der Euro fällt unter 1,30 Dollar.

April 2011: Eine im Vergleich zur Nullzinspolitik der US-Fed attraktive Zinspolitik der EZB verhilft dem Euro bis Ende April wieder bis auf 1,4939 Dollar.

04. Mai 2011: Portugal beantragt als zweites Euro-Land Hilfen des internationalen Rettungsschirms. Der Euro geht daraufhin auf Talfahrt und fällt bis auf 1,40 Dollar.

09. September 2011: Der Rücktritt von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Starck wegen Unstimmigkeiten innerhalb der Zentralbank über das Vorgehen in der Schuldenkrise schwächt das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung. Der Euro verliert in zwei Tagen viereinhalb US-Cent an Wert. Er notiert unter 1,37 Dollar.

27. Oktober 2011: Ein umfassendes Maßnahmepaket der Euroländer zur Bekämpfung der Schuldenkrise treibt den Euro an einem Tag um drei US-Cent bis auf 1,4247 Dollar. Unter anderem wurden ein Schuldenschnitt für Griechenland, Eckpunkte zur Stärkung der Banken und eine Hebelung der Mittel des EFSF beschlossen.

05. Dezember 2011: Eine drohende Herabstufung der Kreditwürdigkeit Deutschlands und aller anderen Eurozonen-Länder durch die Ratingagentur S&P drückt den Euro unter 1,28 Dollar.

Ende Dezember 2011: Unsicherheiten rund um das zweite Hilfspaket für Griechenland belasten den Euro. Vor allem die Beteiligung der privaten Gläubiger ist unklar. Der Euro fällt in Richtung 1,25 Dollar.

Ende Februar 2012: Eine zweite EZB-Geldspritze lässt den Euro wieder steigen. Er schafft es fast bis auf 1,35 Dollar. Banken können sich bei der EZB für drei Jahre zum historisch niedrigen Leitzins von einem Prozent Geld leihen. Zusammen mit der ersten derartigen Aktion vom Dezember greifen die europäischen Banken rund eine Billion Euro ab.

Seit Mai 2012: Die Angst der Investoren vor einer Eskalation der Staatsschuldenkrise ist größer denn je. Spanien ist wegen seines taumelnden Bankensektors angezählt und Griechenland gerät wegen mangelnder Reformfortschritte immer stärker in die Kritik. Am 23. Juli fällt der Euro bis auf 1,2080 Dollar, das ist der tiefste Stand seit Juni 2010. (APA/Reuters, 23.7.2012)

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