Timoschenko-Prozess erneut verschoben

23. Juli 2012, 11:54
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Auf kommende Woche - Oppositionsführerin muss sich nun auch wegen Steuerhinterziehung verantworten

Charkiw - Wegen des schlechten Gesundheitszustands der ukrainischen Oppositionsführerin Julia Timoschenko ist am heutigen Montag ein Gerichtstermin abgesagt worden. Das Gericht in Charkiw vertagte die Anhörung in einem Prozess wegen Steuerhinterziehung auf 31. Juli, weil Timoschenko nicht erscheinen konnte. Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten mehrere Hundert Anhänger wie auch Gegner der Politikerin. Es kam zu kleineren Handgemengen, wie örtliche Medien berichteten.

Timoschenko verbüßt eine siebenjährige Haftstrafe wegen angeblichen Machtmissbrauchs beim Abschluss eines Gasliefervertrags mit Russland während ihrer Amtszeit als Regierungschefin. Der Prozess war international als politischer Feldzug des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch kritisiert worden.

Mysteriöse Krankheit bei Timoschenko

Im Gefängnis hat sich der Gesundheitszustand der Oppositionsführerin massiv verschlechtert. Sie klagt über Rückenschmerzen, jüngst wurde auch eine mysteriöse Hautkrankheit bei ihr diagnostiziert. Wegen der Krankheit, die inzwischen die Hälfte ihrer Hautfläche betrifft, sei eine Weiterbehandlung ihres schweren Bandscheibenvorfalls unmöglich, berichtete Timoschenkos Anwalt Sergej Wlassenko vergangene Woche. Die Behörden wollten Timoschenko mit allen Mitteln daran hindern, an der Präsidentenwahl im Oktober teilzunehmen, kritisierte Wlassenko.

Das Schicksal Timoschenkos weckt Erinnerungen an jenes ihres früheren Mitstreiters Viktor Juschtschenko. Als er im Jahr 2004 für das ukrainische Präsidentenamt kandidierte, erkrankte er infolge eines Dioxin-Anschlags schwer. Seine Haut wurde entstellt, er musste mehrere Wochen lang in einem Wiener Privatspital behandelt werden. Bei der Präsidentenwahl Ende November 2004 kam es dann offenbar zu massiven Manipulationen seitens des Juschtschenko-Lagers. Nach Massendemonstrationen gewann Juschtschenko dann die Neuaustragung der Stichwahl gegen Janukowitsch Ende Dezember 2004. Nachdem sich Juschtschenko und Timoschenko überworfen hatten, gewann Janukowitsch die Präsidentenwahl Anfang 2010. (APA, 23.7.2012)

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