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Der große Durchbruch mag noch ausstehen, doch es hat in letzter Zeit einige hoffnungsvolle Entwicklungen gegeben, die wesentlich dazu beitragen könnten, zukünftige Cholera-Epidemien schnell und effizient einzudämmen.
Bemerkenswert ist unter anderem eine Idee zweier Forscher der britischen Universitäten Brighton und Newcastle. Die Experten testeten zusammen mit Fachleuten der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) in Port-au-Prince, Haiti, eine neue, einfache und kostengünstige Methode zur Behandlung des Abwassers aus Cholera-Spitälern. Letztere sind stark mit Keimen verseucht und stellen ein großes Gesundheitsrisiko dar, auch wenn diese ins Grundwasser gelangen.
Cholera-Erreger setzen sich ab
Das Team behandelte den Inhalt von Abwassertanks mit Alaun oder Calciumhydroxid und ließ die Brühe anschließend zwölf Stunden lang ruhen. Das Ergebnis: In beiden Behältern hatten sich auf dem Boden erhebliche Mengen organischen Niederschlags abgesetzt, offenbar inklusive der Cholera-Erreger. Das verbleibende Wasser erfüllte sogar die WHO-Richtlinien für die Bewässerung von Feldfrüchten und konnte problemlos in Sickergruben eingeleitet werden. Blieb nur noch der Klärschlamm, aber dieser lässt sich verbrennen.
Ein weiteres häufiges Problem ist die hohe Fehlgeburtenrate bei schwangeren Cholera-Patientinnen. Viele verlieren ihre Föten lange vor dem eigentlichen Geburtstermin. In einigen Fällen löst die Krankheit zwar keine verfrühte Geburt aus, doch das Baby kommt dennoch tot zur Welt. Hauptursache für ein solch tragisches Schwangerschaftsende ist wahrscheinlich die Dehydration der Mutter. Dadurch kommt es zu einer mangelnden Durchblutung der Plazenta, das Kind bekommt nicht genug Sauerstoff.
Hohes Risiko für Schwangere
Um dem vorzubeugen, richteten MSF-Ärzte in Loganea, ebenfalls Haiti, eine spezialisierte Cholera-Krankenstation für Schwangere ein. Dort bekamen sie eine konsequente Behandlung gegen Dehydrierung. Man verabreichte ihnen intravenös Flüssigkeit mit Elektrolyten und Glucose, auch wenn die Patientinnen noch keine starken Symptome von Austrocknung zeigten.
Gleichzeitig bekämpfte man die Cholera-Erreger mit dem Antibiotikum Erythromycin. Es ging den Medizinern darum, schnellstens gegenzusteuern, um Gefahren für die Föten abzuwenden. Zur Not standen auch ein Kaiserschnitt-OP-Team sowie eine intensivmedizinische Einheit bereit. Der Erfolg war beeindruckend. Binnen zweier Monate wurden 102 Frauen in verschiedensten Schwangerschaftsstadien behandelt. Keine von ihnen starb, und 87 der cholerakranken werdenden Mütter behielten ihr Kind oder brachten es lebendig und gesund zur Welt.
MSF versucht auch, mit Massenimpfungen gegen Cholera-Epidemien vorzugehen. Die Organisation hat vergangenen Mai bei 117.000 Menschen im westafrikanischen Staat Guinea eine Schluckimpfung verabreicht. Zuvor waren in der Region verstärkt Cholera-Fälle aufgetreten. Man hofft, so ein akutes Umsichgreifen der Krankheit zu verhindern, auch wenn die Impfung keinen jahrelangen Komplettschutz gewährt. (deswa, DER STANDARD, 23.7.2012)
Daten und Fakten
Die WHO verzeichnete 2010 weltweit 317.534 Fälle von Cholera, knapp 200.000 davon traten in Haiti auf. Im besagten Jahr forderte die Seuche global 7543 registrierte Todesopfer - eine Steigerung von 52 Prozent gegenüber 2009, was eine indirekte Folge der haitianischen Erdbebenkatastrophe war. Die Dunkelziffer dürfte laut WHO sehr hoch sein. Sie schätzt, dass jährlich insgesamt drei bis fünf Millionen Menschen an Cholera erkranken und dass bis zu 120.000 dies nicht überleben.
Große Cholera-Herde gibt es in Afrika. Dort waren 2010 vor allem Nigeria, die Demokratische Republik Kongo und Kamerun betroffen. Eine schwere Epidemie mit zehntausenden Erkrankten suchte 2008/2009 Simbabwe und andere südafrikanische Staaten heim. Auch in Äthiopien und dem Sudan grassierte die Krankheit immer wieder. Im indopazifischen Raum traf es 2009/2010 Papua-Neuguinea, und sogar das relativ weit entwickelte Thailand meldete 2010 die ungewöhnlich hohe Zahl von 1974 Cholera-Fällen.
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