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Ohne Vorwarnung stürmten hunderte Mitarbeiter des valencianischen Regionalsenders RTVV am vergangenen Dienstag das Studio von Canal 9 und unterbrachen die Mittagsnachrichten. Stundenlang harrten die Protestierenden in dem zum staatlichen Regionalfernsehen gehörenden Sender aus, bis schließlich die Polizei anrücken musste.
Zum ersten Mal in der spanischen Fernsehgeschichte unterbrachen protestierende Mitarbeiter eines Senders eine Nachrichtensendung. Doch ist es auch das erste Mal in der spanischen Fernsehgeschichte, dass Journalisten mit einer solchen Welle von Massenentlassungen konfrontiert werden.
Zwei Drittel der Mitarbeiter vor Kündigung
Die hoch verschuldete Regionalregierung will 76 Prozent der gesamten Belegschaft kündigen. Insgesamt 1.295 der 1.695 Angestellten sollen entlassen werden. Von den derzeit 170 Angestellten im valencianischen Radio müssen demnächst 103 Journalisten und Techniker stempeln gehen.
Nun hat die spanische Wirtschaftskrise endgültig auch die Medienbranche erreicht. Immer mehr hoch verschuldete Regionen nutzen derzeit das erst im März von Ministerpräsident Mariano Rajoy per Dekret reformierte Arbeitsmarktgesetz, welches Firmen nicht nur Entlassungen wesentlich einfacher macht, sondern den Unternehmen sogar erlaubt, Angestellten zu kündigen, wenn in Zukunft Gewinnverluste erwartet werden.
Neue Gesetze unterstützen Entlassungen
Ein neues Gesetz ermöglicht es zudem, Sendeanstalten zu privatisieren. Mehrere Regionen haben bereits angekündigt, dies auch umzusetzen. Nun befürchten vor allem Journalisten in öffentlichen Fernseh- und Radioanstalten, dass ihre zum Sparen verpflichteten Regionalregierungen den Rotstift ansetzen werden. Der Betriebsrat von Telemadrid rechnet bereits damit, dass die Hälfte der 1.200 Beschäftigen gehen muss.
Die Finanzlage des Madrider Regionalsenders ist ähnlich düster wie die des valencianischen RTVV. Erst am Donnerstag forderte der Sender von der Regionalregierung eine Finanzspritze von 88 Mio. Euro, um Produktionsfirmen und die Gehälter seiner Angestellten für Juli und August bezahlen zu können.
Sender kämpfen ums Überleben
Während auch die öffentlich-rechtliche Fernseh- und Radioanstalt RTVE empfindliche Budgetkürzungen von 40 Prozent (204 Mio. Euro) verkraften muss und viele der nur mit befristeten Zeitverträgen angestellten Journalisten um ihren Job bangen, kämpfen viele spanische Regionalsender gar ums Überleben. Alle Sender versuchen derzeit, den Gürtel enger zu schnallen.
Telemadrid verzichtete bereits auf seine Übertragungsrechte der Fußball Champions League, Aragon TV schließt seinen HD-Kanal, RTP Asturias überträgt in Zukunft weder die spanische Fußballliga noch Formel-1-Rennen. Doch es reicht nicht aus, Massenentlassung stehen kurz bevor.
Spiegelbild Print
Die spanische Wirtschaftskrise macht auch vor den Zeitungen nicht halt. Im Februar musste mit "El Publico" bereits Spaniens erste überregionale Zeitung aufgeben und erscheint nur noch als Internetausgabe. Spaniens auflagenstärksten Zeitschrift "Interviu" entließ Anfang des Jahres 442 seiner 2.300 Angestellten, da die Auflage und die Werbeeinnahmen ins Bodenlose gefallen sind. Spaniens größte Sportzeitung "Marca" sowie die überregionalen Zeitungen "El Mundo" und "ABC" haben sich bereits von mehreren Dutzend Journalisten und Fotografen verabschiedet und planen bis Jahresende weitere Entlassungen.
Einbruch der Werbeanzeigen
Der durch die Wirtschaftskrise in Spanien verursachte Einbruch der Werbeanzeigen macht jedoch vor allem kleineren Regionalzeitungen und Lokalblättern zu schaffen. Einige Regionen wie das zentralspanische Guadalajara hat es besonders hart getroffen. Von den drei Regionalzeitungen, die noch 2009 existierten, hat nicht eine einzige die Krise überlebt. Neben den Zeitungen mussten auch zahlreiche lokale Radiosender schließen. Selbst zuvor gutlaufende Gratiszeitungen wie "ADN" und "Metro" mussten eingestellt werden, weil nicht mehr ausreichend Werbeanzeigen geschaltet wurden.
Bis zu 7.000 Journalisten könnten durch Lohnkürzungen oder Entlassungen die aktuelle Wirtschaftskrise zu spüren bekommen, erklärte Fernando Gonzalez Urbaneja, Präsident des Madrider Presseverbandes APM, gegenüber der APA. Nach Schätzungen der spanischen Pressevereinigung FAPE dürfte die Krise sogar jeden vierten Journalisten in Spanien in irgendeiner Weise treffen. (red, APA, 23.7.2012)
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