Betriebsdesaster: Anleitung zur Selbstzerstörung

Blog23. Juli 2012, 11:34
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Christian A. Pongratz verabschiedet sich mit einem letzten Eintrag: der Anleitung zur Selbstzerstörung

Das Betriebsdesaster wirkt erst, wenn jeder Beteiligte erkennt, dass er selbst Verantwortung übernehmen muss. Die für den Erfolg notwendige Grundeinstellung vermittelt die "Anleitung zur Selbstzerstörung". Vier Alternativen begleiten Sie gezielt in den Untergang:

Alternative eins nennt sich "FSR"

Diese Abkürzung steht für "Fressen", "Saufen" und "Rauchen". Insbesondere das Rauchen ist für die Selbstzerstörung nützlich. Raucher können durch das Phänomen des Passivrauchens auch noch andere "elegant mitnehmen", was man von Alkoholisierten ja erst behaupten kann, wenn sie in ein Auto steigen. Nahezu gänzlich ohne Auswirkung auf Dritte wirkt das In-Sich-Hineinstopfen von gezuckerten, gesalzenen und aufgefetteten Lebensmitteln.

Alternative zwei für Aktive

Alternative zwei ist für Naturen gedacht, die das Programm FSR aus persönlichen Gründen als zu passiv empfinden und sich lieber durch körperliche Betätigung vernichten wollen: Die Hinwendung zu überbordenden Ausdauersportarten wie Mehrfachtriathlons - und das unbedingt im untrainierten Zustand. Der Vorteil gegenüber anderen selbstverletzenden oder autoaggressiven Verhaltensweisen - das ja seitens der Medizin mitunter einer Persönlichkeitsstörung zugeschrieben wird - ist, dass Sie darauf vertrauen können, dass Ihnen im Zuge der Ausübung einer auf Sport basierenden Zerstörung uneingeschränkte öffentliche Bewunderung anstatt der Diskriminierung als "Psycho" zuteil wird.

Alternative drei für Hilfe beim Absturz

Alternative drei ist für jene gedacht, die sich gerne von dritter Seite beim Absturz helfen lassen. Nehmen Sie einen Privatkredit auf. Gehen Sie zum Bankberater Ihrer Wahl und sorgen Sie dafür, dass persönliche Haftungen Ihnen fortan den Schlaf rauben. Diese Art von Untergang lässt sich auch herrlich zu zweit gestalten, indem man seinen Partner davon überzeugt, ebenfalls "ein klein wenig" zu unterschreiben. Sollten Sie allein für Ihren Untergangsgefährten nicht ausreichend überzeugend sein, so hilft Ihnen der freundliche Herr vom Kreditinstitut sicherlich gerne weiter. Borgen Sie sich also Geld von denen aus, die selber nicht in der Lage sind, das ihnen überantwortete Vermögen ohne Staatshilfen zu verwalten und freuen Sie sich auf das, was passieren wird. Sollten Sie es tatsächlich nicht schaffen, die nächsten 20 Jahre der Kreditlaufzeit für einen wirtschaftlichen Absturz zu nutzen, empfehle ich, es nochmals mit Fremdwährungskrediten zu probieren. Diese Variante wird in Fachkreisen auch "Freispiel" oder "perpetuum mobile crediti" genannt.

Alternative vier: Sich etwas vormachen

Zu guter Letzt hilft immer Alternative vier: Machen Sie sich etwas vor. Leben Sie Ihr Leben keinesfalls wie es ist, sondern so, wie Sie es gerne hätten. Sie möchten Sportwagen fahren, können sich diesen aber nicht leisten? Kein Problem! Alternative drei hilft sofort. Sie hätten gerne ein grandioses Büro, eine schnittige Sekretärin und Unmengen an Geschäftsessen und Firmenpartys? Verhalten Sie sich ebenso. Sie würden gerne tausende von Mitarbeitern managen und schaffen es nicht, Ihrem eigenen Hund Gehorsam beizubringen? Verzweifeln Sie nicht, mit Mitarbeitern wird es garantiert leichter. Sie haben gegenüber einem Kunden einen Fehler gemacht? Vertrauen Sie darauf, dass er es nicht bemerken wird und wenn doch, streiten Sie alles ab und werden Sie aggressiv, denn Angriff ist in diesem Fall die beste Verteidigung. Ausgeschlossen, dass dieser den Lieferanten wechselt! Glauben Sie, dass es Sie niemals "erwischen" kann und vertrauen Sie darauf, dass es ewig so bleibt. (Christian A. Pongratz, derStandard.at, 23.7.2012)

Christian A. Pongratz, geboren 1973 in Klagenfurt, studierte Rechtswissenschaften und Betriebswirtschaftslehre und war Gastprofessor an der Università Commerciale Luigi Bocconi in Mailand. Er ist als Lektor an der Donau-Uni Krems tätig und unterrichtet an der FH Villach. Pongratz ist als Unternehmensberater (durchdacht.cc) und Wirtschaftskabarettist (betriebsdesaster.cc) in Österreich, Deutschland und Italien zugange.

Buchtipp

Christian Pongratz: Betriebsdesaster. Die Anleitung zum Untergang. Verlag durchdacht.cc, 159 Seiten, 24,50 Euro.

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    Für die Selbstzerstörung gibt es einige Möglichkeiten.

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