Arbeitsrecht: Olympia am Arbeitsplatz

26. Juli 2012, 16:42
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Mehrheit der Arbeitnehmer darf keine Livestreams sehen - Arbeitgeber entscheiden über private Internetnutzung am Arbeitsplatz

Bei den Olympischen Sommerspielen in London werden so viele Wettkämpfe wie nie zuvor im Internet übertragen. Doch nur vier Prozent der deutschen Angestellten wollen Olympia während der Arbeitszeit hin und wieder per Video-Live-Stream im Web schauen. Das ergab eine aktuelle Umfrage im Auftrag des deutschen Hightech-Verbands Bitkom.

95 Prozent der Arbeitnehmer werden online keine Wettkämpfe am Arbeitsplatz ansehen. Der Hauptgrund: Den meisten (57 Prozent) ist es verboten, Video-Livestreams per Web zu schauen. Jeder Fünfte (20 Prozent) hat im Job keinen mit dem Internet verbunden Computer zur Verfügung. 28 Prozent interessieren sich nicht für Olympia.  Für die Angaben zum Schauen der Olympischen Spiele per Internet-Livestream am Arbeitsplatz befragte das Forschungsinstitut Forsa im Auftrag des Bitkom 500 Berufstätige ab 14 Jahren.

Auf Vereinbarung mit Arbeitgeber kommt es an

"Arbeitnehmer sollten sich zuerst nach der Regelung in ihrem Unternehmen erkundigen, bevor sie einen Livestream starten", so Arbeitsrechtsexperte des Bitkom, Arne Gattermann in einer Aussendung. In Deutschland gibt es kein Gesetz, das die private Internetnutzung am Arbeitsplatz regelt. Allein der Arbeitgeber entscheidet darüber. Arbeitnehmer sollten sich zur Sicherheit in der Personalabteilung nach entsprechenden Regelungen erkundigen. 

Situation in Österreich

Auch in Österreich ist laut Rechtsexperten der Arbeiterkammer Livestream schauen nur erlaubt, wenn die private Internetnutzung im Betrieb gestattet ist. Das Fußballvergnügen online oder per Fernseher steht und fällt also auch hierzulande mit den Vereinbarungen mit dem Arbeitgeber. Toleranz und Vernunft auf beiden Seiten ist angesagt - zum Wohle eines guten Betriebsklimas.

Immer erreichbar

Der Hightech-Verband rät Arbeitgebern, klare Regeln für die private Internetnutzung am Arbeitsplatz aufzustellen - etwa im Arbeitsvertrag, als Richtlinie oder Vereinbarung mit dem Betriebsrat. "Berufs- und Privatleben verschmelzen zunehmend miteinander", so Gattermann. "88 Prozent der Arbeitnehmer sind auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten per E-Mail oder Handy erreichbar. Dies sollte auch umgekehrt bei der Frage der privaten Internetnutzung am Arbeitsplatz gewürdigt werden."  Die Daten zur Erreichbarkeit nach Feierabend wurden durch die Aris Umfrageforschung erhoben. Hierfür wurden 1.000 Personen ab 14 Jahren in Privathaushalten befragt. Beide Umfragen sind repräsentativ. (red, derStandard.at, 26.7.2012)

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    Olympia 2012: So viele Livestreams wie noch nie wird es im Internet geben.

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