Stoltenberg auf Utöya: "Augen vor Hass im Internet nicht schließen"

23. Juli 2012, 08:10
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Norwegischer Premier plädiert zum ersten Jahrestag am Massaker-Ort für "Zusammenhalt und Wärme"

Der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg hat bei der Gedenkfeier für die Terroropfer auf der Insel Utöya zu mehr Einsatz gegen Hass-Stimmen im Internet aufgefordert. Ein Jahr nach der Tötung von 69 jungen Anhängern der Sozialdemokraten auf Utöya durch den rechtsradikalen Islamhasser Anders Behring Breivik sagte Stoltenberg am Sonntag auf der kleinen Fjordinsel: "Das Internet wird von schikanösen Angriffen überschwemmt. Wir haben diese hasserfüllten Äußerungen zu lange übersehen. Wir können und wollen die Augen nicht länger schließen."

Stoltenberg sagte in einer Rede vor Überlebenden und Hinterbliebenen des Massakers sowie einigen hundert jungen Sozialdemokraten: "Die Geschichte wird uns hart richten, wenn wir nichts dagegen tun. Bleiben wir passiv, wird der Hass zu Gewalt." Breivik hatte seinen Hass gegen islamische Zuwanderer und heimische Befürworter einer multikulturellen Gesellschaft auch über das Internet zu verbreiten versucht.

Reaktion

Wie vorher bei einer Kranzniederlegung für die Terroropfer im Osloer Regierungsviertel forderte der Regierungschef die Norweger von Utöya aus auf, dem Verbrechen vom 22. Juli 2011 mit "Zusammenhalt und Wärme" zu begegnen. Auf der Insel westlich von Oslo hat die sozialdemokratische Parteijugend AUF seit einem halben Jahrhundert ihr Sommerferienlager durchgeführt, an dem auch Stoltenberg oft teilnahm.

Zum Auftakt der im Fernsehen direkt übertragenen Gedenkfeier sang die 22-jährige Renate Tarnes, die das Massaker überlebt hatte. Sie musste mit ansehen, wie Breivik ihren Lebensgefährten tötete. Der Attentäter war nach der Explosion seiner Autobombe im Regierungsviertel in Oslo, die acht Menschen das Leben kostete, als Polizist verkleidet auf die Insel gekommen. Er machte bis zu seiner Festnahme gut 70 Minuten Jagd auf die Lagerteilnehmer mit zwei Handfeuerwaffen.

Der wegen "Terrorakten" angeklagte Breivik hatte die Taten vor Gericht gestanden, aber zugleich erklärt, aus "Notwehr" gehandelt zu haben, um gegen die vermeintliche Islamisierung des Landes und das angebliche "multikulturelle Experiment" der Regierung zu kämpfen. Das Urteil gegen den 33-Jährigen wird für den 24. August erwartet. Ihm drohen eine lange Haftstrafe oder eine Einweisung in die Psychiatrie - je nachdem ob ihn das Gericht für schuldfähig befindet oder nicht. (APA)

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    Der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg (Mitte) bei der Trauerfeier auf Utöya.

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