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Jewgeni Nikitin
Wenn Opernsänger auf der Titelseite der "Bild"-Zeitung landen, ist es gemeinhin ein Beleg für ihre blühende Prominenz, die sich über das opernhafte Normalmaß hinauskatapultiert hat. Beim Russen Jewgeni Nikitin wurde die "Bild"-Präsenz allerdings nur zum Zeichen, dass seine Bayreuther Karriere zu Ende war, bevor sie überhaupt beginnen konnte.
Nikitin, 1973 in Murmansk geborener Sohn eines Chorleiters, hätte der erste Russe werden sollen, der in Bayreuth eine tragende Rolle (Titelpartie im Fliegenden Holländer) übernimmt. Nun aber wurden ihm Oberkörper-Tätowierungen zum Verhängnis - Überbleibsel aus jener Zeit, da sich Nikitin schlagzeugend im Heavy-Metal-Underground bewegte. Im Rahmen eines Porträts (in der Aspekte-Sendung des ZDF) wurden alte Aufnahmen ausgestrahlt, bei denen auf Nikitins Brust die übermalten Reste eines Hakenkreuzes im Metal-Rhythmus wippten - nebst einigen Runen, die Ähnlichkeit mit Symbolen aufwiesen, welche die SS einst in Verwendung hatte.
Reagierte der Russe, der im St. Petersburgs Mariinski-Theater seine künstlerische Heimat sieht, im Aspekte-Beitrag fast gelangweilt auf Fragen nach dem Körperschmuck und wandte ein, alle hätten doch eine Kindheit gehabt und dabei "gute, verrückte Sachen gemacht", so zog er am Samstag die Konsequenzen. Die gezeigten Bilder hatten in Bayreuth zu Irritationen geführt, und Nikitin gab die Rolle entschuldigend zurück, die nun der Südkoreaner Samuel Youn übernehmen wird: Die Tätowierungen wären ein großer Fehler seines Lebens gewesen, und er wünschte, "er hätte ihn nie begangen". Und: "Mir war die Tragweite der Irritationen und Verletzungen nicht bewusst, die diese Zeichen und Symbole besonders in Bayreuth und im Kontext der Festspielgeschichte auslösen", so der Russe, der unter anderem auch an der New Yorker Met und bei den Salzburger Festspiele gesungen hat.
Ruhig und unaufgeregt sei der Russe im Gespräch mit dem überraschten Bayreuther Leitungsduo (Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier) gewesen, allerdings auch etwas unwissend und naiv bezüglich der Hakenkreuz-Fragen. Die Bayreuther Festspiele konnten sich selbige Unbedarftheit nicht leisten. Angesichts ihrer Nazi-belasteten Historie haben sie gut daran getan, mit der Umbesetzung schnell jeglichen Verdacht im Keim zu ersticken, braunes Gedanken- und Symbolgut zu dulden. (Ljubisa Tosic/DER STANDARD, 23. 7. 2012)
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Hauptproblem bei der Sache dürfte ja Nikitins Umgang mit seiner eigenen Vergangenheit gewesen sein:
1973 geboren, 1991 gepeckt - und offenbar erst 2007 (also mit knackigen 33, wohl als die internationale Karriere sich angelassen hat) überpeckt. Das offenbart zumindest ein völliges Desinteresse an jeglicher Zeitgeschichte. Es stellt sich hier schon die Frage, wie unbedarft Künstler als Privatpersonen sein dürfen.
Vermutlich wär das Ganze auch kein Problem geworden, hätte er tatsächlich reuig seine Vergangenheit beim Engagement thematisiert (und nicht gehofft, dass nichts publik wird).
Mit 18 kann man Jugendsünden begehen - aber mit knapp 40 sollte man mehr Wissen und Geschichtssensibilität haben, als Nikitin hier offenbart hat.
also einerseits sagte er dass man in der jugend "gute und verrückte" dinge macht......hhhmmm: also ist so ein dezentes peckerl "gut"...
und dann wenns mal eng wird, frei nach unserer abgestürzten sonne "na wenn sie wollen, entschuldige ich mich halt..."
peckerl macht man nicht so locker am nachmittag, da denkt man sich schon was dabei....sind ja auch ein besonderer ausdruck, und nun ein dezentes "sorry".......ok, nackte busen sind eine jugendsünde, doch bei sowas hört sich der spass auf!
wie dumm muss man auch als jugendlicher sein und diese zeit als lustig und begehrenswert zu bezeichnen????
also hirn einschalten bevor man sich peck'n lässt!!!!
Nazi Tatoos in einer Wagner-Inszenierung sind schon fast eine Satire.
Nichtsdestotrotz hat er das Hakenkreuz übermalen lassen. Weiters war das Symbol auch Zeichen einer Rebellion, aber was weiß man.
Was für mich zählt ist, dass er sich damit auseinander gesetzt hat und die Sache für ihn gegessen ist.
Wieviele Menschen mit Nazigesinnung, die fein und hübsch auftreten gibt es unter uns und wir erkennen sie nicht?
den ich bis jetzt gelesen habe.
es ist so, wie bachler es sagt oder auch zb die f.a.z. schreibt: eine verheuchelte aktion eines umfeldes, das nie aktiv seine eigene geschichte aufgearbeitet hat. und solche leute richten jemanden, der aufrichtig seine jugendsünden bereut. wenn da nicht gar mehr dahinter steckt (siehe f.a.z.).
zu schreiben: "Angesichts ihrer Nazi-belasteten Historie haben sie gut daran getan, mit der Umbesetzung schnell jeglichen Verdacht im Keim zu ersticken, braunes Gedanken- und Symbolgut zu dulden." ist schlichtweg gegenteilig und falsch.
manchmal tarnt sich dummheit als braver antifaschismus.
meist kein politisches Symbol, sondern ein gezielt provokanter Akt jugendlich-größenwahnsinniger Selbstermächtigung (mit all der Torheit, die dazugehört) - erst recht, wenn man nicht in deutschen, sondern in russischen oder japanischen Kellerclubs sozialisiert wurde und in Wahrheit nur wenig vom Nationalsozialismus und so gut wie nichts vom Holocaust weiß.
dass die Absage von Jewgeni Nikitin entsprechenden Beifall bei Hr. Dr.Tosic finden wird; der erbärmlichen deutschen Scheinheiligkeit steht die österreichische also um nichts nach; noch nie habe ich mir beim Besuch einer Oper überlegt was er oder sie darunter trägt; will man ab nun von den Sängern aktuelle Nacktbilder verlangen, um ganz sicher zu gehen? Hier die "Jugendsünde" eines Weltklassesängers und dort der wirklich skandalöse Umgang des dt. Verfassungsschutzes mit Neonazis. Zu R.Wagner: kann mir jemand eine einzige Stelle in Wagners Werken (Musik!) benennen, die auch nur ansatzweise antisemitisch bzw. faschistisch wäre? Wieso hat er seine Parsifal Uraufführung just Hermann Levi anvertraut?
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