Autofreie Salzburger Innenstadt: Eine Negativkampagne

Kommentar22. Juli 2012, 18:12
107 Postings

Sind 96 Stunden lang aus der Salzburger City verbannte Autos eine "Pipifax"-Maßnahme oder das Werk des Leibhaftigen?

Die Parkpickerldiskussion in Wien, die Umweltzonendebatte in Graz, das temporäre Fahrverbot in Salzburg - Österreichs Städte ringen um Konzepte: Wie mit dem motorisierten Individualverkehr umgehen?

Im gerade über den Sommer besonders staugeplagten Salzburg hat man sich, nach Jahren des Zuwartens, für eine befristete Verkehrsberuhigung in der Innenstadt entschieden: fünf Wochen, je fünf Werktage, je vier Stunden Fahrverbot in einem kleinen Teilbereich der Innenstadt. Zieht man den 15. August als Feiertag ab, macht das genau 96 Stunden. Minimalistischer geht es nicht mehr.

Für die Autofahrerpartei ÖVP, für die jeder Meter Busspur genau ein Meter zu viel ist, gilt aber selbst diese "Pipifax"-Maßnahme - so hat es zumindest Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) bezeichnet - als Werk des Leibhaftigen. Seit Wochen trommeln Wirtschaftsbund und -kammer ein Horrorszenario herbei, um jetzt zu beklagen, dass die Bürger verunsichert seien und die Einheimischen die Innenstadt meiden.

Und was machen die Innenstadtkaufleute und -gastronomen sowie ihr mit enormen Summen geförderter Altstadtverband? Statt Werbung für eine entschleunigte Innenstadt mit Gratistickets für Bus und Bahn, Sonderangeboten und Kinderevents wird kollektiv gejammert. So wie die Negativkampagne von Wirtschaftsbund und -kammer letztlich den eigenen Mitgliedern schadet, wird sie zur selbsterfüllenden Prophezeiung. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 23.7.2012)

Share if you care.