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Nickelsdorf - Wie sich die Zeiten doch ändern: Als das Wiener Trio Radian 1998 erstmals in Nickelsdorf gastierte, bedeuteten des- sen asketisch-strenge akustische Strukturvermessungen für das auf Free Jazz und freie Improvisation geeichte Publikum eine Begegnung der befremdenden Art, gipfelnd im Abgang eines Zuhörers, der die Band lautstark als "blinde Partie" bezeichnete. 14 Jahre später ist alles anders:
Im Rahmen des Programms der 33. Konfrontationen ist Radian ein mit Interesse erwarteter Headliner - der seinerseits kaum wieder zu erkennen ist: Was früher an sinnlichen musikalischen Konturen bestenfalls angedeutet, nie aber ausgesprochen wurde, das wird heute regelrecht rausgerotzt: Lustvolle noiserockige Vehemenz war da im Gastgarten der Jazzgalerie von Martin Brandlmayr, John Norman und Martin Siewert zu vernehmen, Letzterer - als Nachfolger Stefan Nemeths nun fix in der Band - verstärkte an Sampler, Elektronik und E-Gitarre die wohldosierte Wucht des neuen Radian-Sounds, die die typische Filigranität und Vielschichtigkeit dennoch nicht vermissen lässt.
Groove und Puls sind heute nicht mehr verfemte Relikte der Tradition, wie das in alten Avantgarde-Zeiten gesehen wurde, sie sind ein selbstverständlicher Bezugspunkt auch des avancierten Improvisationsmusikers von heute. Weshalb die Mannen des schwedischen Trios The Thing kein Problem damit haben, ihre dezibelträchtigen Free-Attacken in rauen, punkigen Songformen zu kanalisieren, wenn es darum geht, sie stimmig mit den Tönen von Neneh Cherry zu verbinden. Auch wenn man überrascht sein konnte, wie eindeutig hier die Sängerin den Kurs vorgab, so bildeten die machtvollen Bass-Riffs von Ingebrigt Haker-Flaten, die vibrierende Perkussionistik von Paal Nilssen-Love und die heiseren Baritonsaxofonschreie von Mats Gustafsson den klug und punktgenau disponierten Kontext für eine glückende Liaison mit den souligen Song-Vokalisen Cherrys.
Auch in Sachen freier Improvisation, im angestammten Programmfeld war an jenem Samstag in Nickelsdorf Spannendes zu hören: Vor allem in Gestalt von Frank Gratkowski und Tanja Feichtmair, deren Saxofon- und Bassklarinettenlinien, befeuert von Peter Herbert (Bass) und Christian Lillinger (Schlagzeug), sich in vielfältiger Weise überlagerten, überschnitten, umrankten, von fragilen Liegeklängen bis hin zu kammermusikalischen West-Coast-Jazz-Andeutungen. Ein langer, lohnender Abend in Nickelsdorf. (Andreas Felber, DER STANDARD, 23.7.2012)
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da hat uns wohl ein nemeth fan die roten stricherl verpasst. Warum bloß? Mochte die Band vorher auch, nur live sind sie glaub ich doch um einiges druckvoller mittlerweile, klingt alles nicht mehr so verkopft.
Ideallösung hätte ja sein können, wenn sie einfach als quartett agieren.
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