Pro Selbstbehalt im Gesundheitssystem: Lange nicht ausgereizt

Kommentar | Andreas Schnauder, 22. Juli 2012, 18:07

Selbstbehalte bringen zusätzliche Anreize und Lenkungseffekte

Das passt wirklich bestens zu den österreichischen System-Maurern. Da verweist die gewerbliche Sozialversicherung darauf, dass die Vorsorgeuntersuchungen rasant gestiegen sind, und der zuständige Minister echauffiert sich darüber. Offenbar sind sozialdemokratische Ansichten derart in Beton gegossen, dass objektiv feststellbare Fortschritte madig gemacht werden, wenn sie von der ideologisch "falschen" Seite kommen.

Selbstbehalte sind wahrscheinlich nicht der Stein der Weisen im Gesundheitssystem, doch positive Effekte können sie sehr wohl auslösen. Vor allem, wenn der Obolus durch erwünschte Verhaltens- und Ernährungsumstellungen umgangen werden kann. Man nehme zum Beispiel einen STANDARD-Redakteur Mitte 40, starker Raucher mit Hang zu fettreicher Ernährung. Angenommen, er hätte einen Selbstbehalt, dem der Journalist durch entsprechende Vorsorgemaßnahmen entgehen könnte - dann wäre die Ersparnis ein zusätzlicher Anreiz, um eine Nikotin-Entziehungskur oder eine Umstellung auf cholesterinarme Ernährung vorzunehmen. Genau um diesen Lenkungseffekt geht es.

Wo liegt nun die Bestrafung Kranker? Es geht ja nicht um einen Selbstbehalt von Menschen mit Lungenkrebs oder Herzkrankheit, sondern um die Belohnung jener, die sich mit präventiven Maßnahmen davor schützen wollen. Die Grenzen für eine Spur Eigenverantwortung im Gesundheitswesen sind noch lange nicht ausgereizt. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 23.7.2012)

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Selbstbehalte, ja aber ...

- in Prozent des (monatlichen Nettoeinkommens minus Existenzminimum)
- Rabatte bei den Selbstbehalten, wenn die Gesundenuntersuchungen oder/und gesundheitsfördernde - etwa durch Laboruntersuchung belegbare - Maßnahmen eingehalten werden

Bleibt nur die Frage, wer verwaltet das alles - nicht der Arzt, da der ja dann auch das Einkommen des Deli^WPatienten kennen müßte, sondern die KVA - die hat ja auch die KV-Beitragsberechnung vorliegen.
Da sich der Verwaltungs-Mehraufwand aber erstmal selbst tragen muß, ergäbe dies wiederum eine Erhöhung der Standardbeiträge oder Einsparungen bei den Leistungen, und einige Jobs für "Schreibtischtäter" mehr.
Wieviel (Papier, Porto) gibt eigentlich die BVA für 3-Euro-fuffzig-Benachrichtigungen so aus?

Selbstbehalte sind einfach nur asozial

Und zwar ganz einfach, weil sie die Armen und Kranken am härtesten treffen. Wer über genug Cash verfügt, dem können sie ja herzlich egal sein.

Aber das würde gut zum Neoliberalismus passen der immer mehr um sich greift.
Mit "Freiheit" wird darin freilich Egoismus und mit "Eigenverantwortung" Desolidarisierung gemeint.

Und hey, wenn man diese Argumentation hier zu Ende denkt, dann müsste man Krankenversicherungen doch ganz abschaffen. Wir werden schließlich bloß krank, weil uns durch die Behandlung von Krankheiten keine direkten kosten enstehen. Das wäre somit doch der größte Anreiz für ein Gesundes leben.
Oder aber der größte Anreiz nicht mehr zum Arzt zu gehen, je nachdem...

der herr schnauder als gesundheitsökonom und präventionsexperte.

wow. so siehts denn auch aus. keine ahnung von der materie, aber immer munter daherfabuliert. herr schnauder. ist das eine grundbedingung für ihren beruf???

faktum: mit dem MuKi-Pass sank in ö die säuglingssterblichkeit deutlich. der mukipass ist aber voraussetzung für den erhalt von transferleistungen. und so sollte auch die gesundenuntersuchung durch eine beitragsreduktion belohnt werden. und nicht der arztbesuch durch selbstbehalte verhindert werden.

Wer ungesund lebt, der wird nicht auf einmal gesund leben, nur weil er einen Selbstbehalt beim Arzt bezahlen muss.
Wer ungesund lebt, der neigt eher dazu, den Arzt zu vermeiden - alleine schon wegen dem herumnörgeln am Lebenswandel. Wenn man dafür Selbsbehalt auch noch zahlt, sinkt eben die Frequenz.

Kenne selbst Leute die Selbstbehalt (BVA) zahlen mussten, und es geschafft haben, 20 Jahren keine Arztpraxis von innen zu sehen. Und ja, wenn Familienangehörige zum Arzt wollten, wurde sorgsam abgewogen, ob das WIRKLICH notwendig sei. Vor allem bei einer größeren Familie wird das schnell teuer. Und die erzieherische Konsequenz: Wer zum Arzt geht ist eine Mimose.

Mir würde ein System gefallen, welches zweijährliche Gesundenuntersuchungen belohnt. Damit wird der Informationsgehalt erhöht und Erkrankungen können frühzeitig erkannt werden. Vorsorgemedizin ist kostengünstiger als Behandlung von Krankheiten. Dafür soll man bares erhalten, welches.man über die Verisicherung zuvor einbezahlt hat.

Lg

WOW, ein Lichtblick in diesem Forum

aber passen sie auf, gleich kommt einer und erzählt ihnen, dass depressive, diabetische Alkoholiker mit der transplantierten Leber und COPD die wahren Helden des Gesundheitssystems sind, weil sie es ja schließlich ordentlich benutzen, sonst liegt es nur unnötig rum...

SVA, Solidarsystem oder Privatversicherung?

Sie wissen aber schon, Herr Schnauder, dass die SVA Selbstbehalte (20% oder 10%) auch von zum Beispiel an Multipler Sklerose, Morbus Chron oder an Hirntumoren Erkrankten fordert. Und das in einer Zeit in der diese Menschen ohnehin aufgrund der Erkrankung wenig bis gar nicht arbeiten können und deren Kosten natürlich auch während der Behandlungszeit voll weiter laufen (SVA Beiträge, Steuern, Betriebskosten). Darunter leiden vor allem Kleinstfirmen wie Einpersonenunternehmen.

ja, aber auslöer der debatte ist der Vorschlag einer Reduktion von selbstbehalten bei gesundheitsförderndem lebensstil
nd das ist doch gut.

Benedikt der Siebzehnte, mag sein..

...diese Debatte über eine Reduktion von Selbstbehalten kann aber nur geführt werden, wenn man grundsätzlich FÜR Selbstbehalte ist, oder? Und diese sind so wie sie in Ö gehandhabt werden unfair. Sie treffen chronisch Kranke am härtesten. (völlig egal ob die dann 10% oder 20% zahlen.) Wohingegen: Ein Gesunder geht eh nicht zum Arzt, schon gar nicht eine gesunder Selbstständiger! Ob der mangels Arztbesuchen 20% NICHT zahlt oder 10% NICHT zahlt - merken Sie es - das ist irrelevant - ein Schmäh.

das prinzip der solidarität ist dem herrn schnauder wesensfremd. nur der wettbewerb zählt.

Ganzheitlich denken !

Wenn jemand ungesund lebt, dann stirbt er früh.
Das heisst, er bezieht wenig bis gar keine Pension.
Ausserdem braucht er keine Behandlungen für Krankheiten, diec typischerweise in sehr hohem Alter auftreten.
In Summe sind vermutlich Leute, die ungesund leben ein gutes Geschäft für Pensionversicherung und Krankenversicherung.
Deshalb sollte man denen einen fetten Bonus auszahlen. Z.B. sollte man ihnen das Rauchen subventionieren (10 Cent auszahlen, pro nachweislich gerauchter Zigarette).

Aha wer ungesund lebt wird nicht krank sondern stirbt gleich

Während die gesunden im Alter die Krankenhäuser fluten...

interessante Logik

Egal welchen Lebensstil man pflegt,

gegen Ende des Lebens ist man höchstwahrscheinlich krank.

Der Eine lebt bis 90 und ist die letzten 10 Jahre krank, der Andere lebt bis 70 und ist die letzten 5 Jahre krank.

und vor dem ende des Lebens ist man nie im KH

ich durchschaue es immer noch nicht, aber ich hab' wohl keine Ahnung.

Man braucht vielleicht gleich viel von der SVA. Aber das Pensionssystem wird definitv entlastet, wenn einer mit 70 stirbt, statt erst mit 100.

und ich Depp dachte es geht um Selbstbehalte im Gesundheitssystem

der Ansatz über Raucher + Fette menschen das Pesnsionsystem zu sanieren, da muss ich meinen Hut ziehen!

Leute

lebt nicht so, wie ihr es für richtig hält, sondern so, wie ein paar durchgeknallte Gesundheitsbürokraten es euch vorschreiben.
Ansonsten brennts wie ein Luster.

Gesundheitssystem nur für diejenigen, die es sich leisten können.

Wunderbar.

Ma lässt also Leute zuerst krank werden und kassiert dann Selbstbehalte - und der Arzt und der Apotheker machen auch noch ihr Gschäft.

Sorgt dafür dass sie nicht krank werden:

Steuern rauf (zweckgebunden) auf Dickmacher, Tabak, usw.
Subvention für Sportangebote, Obst, Gemüse

Gratis Gesundheits-Check!
Ohne Selbstbehalt!

Und wenn dann alle supergesund leben, dann jammern wieder die Pensionssysteme weil alle 100 Jahre alt werden.

Keine Sorge. Das was die Leute sich bemühen, privatz gesund zu bleiben, wird der Stress und ungesunde Arbeitsverhältnisse zeitgemäß wieder vernichten.

Wie ist das. Müssen Betriebe dann auch Beteiligungen zahlen, wenn ihre Mitarbeiter durch Arbeitsstress, schlechte Bezahlung, miese Behandlung durch Vorgesetzte, depperte Kunden krank werden? Oder fällt das unter "Privatvergnügen" das man mit ein paar Radieschen wegkauen kann?

Ich muss dich enttäuschen:
Mit "gesund leben" wird man nicht alt.

"Man lässt also Leute zuerst krank werden " - erst mal: wer ist "man"? das pöse system? bitte nicht antworten, das interessiert niemanden.

schon mal was von eigenverantwortung gehört? eher nicht, du klingst eher so als ob diese bei dir noch von muttern ausgeübt wird.

niemand zwingt den säufer/raucher/fresssack zu seine rungesunden lebensweise. nein, auch nicht die pöse werbung und auch nicht der pöse kapitalismus.

das ist ein neoliberaler bis sogar leicht sozialdarwinistischer kommentar. das gesundheitswesen sollte so niederschwellig wie möglich sein. allgemeine selbstbehalte würden nicht wenige leute von einem arztbesuch abhalten (so wie heute z.b. nichtversicherte kaum ärztInnen aufsuchen - außer, es geht ihnen wirklich schlecht). selbstbehalte sind aus meiner sicht kein humanes instrumentarium, sondern eines nach logik einer marktkonformen gesundheitspolitik.

Dazu müsste man wissen was eine erwünschtes Verhalten ist, im Sinne der Erhaltung der Gesundheit. Das ist wissenschaftlich höchst umstritten.

"Das ist wissenschaftlich höchst umstritten" - nein ist es nicht. viel bewegung, nicht zu viel essen und nicht rauchen. das ist gesundes verhalten.

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