In London wird nicht geschwiegen

22. Juli 2012, 17:58
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Das IOC gedenkt der Opfer von 1972 erst nach der Feier

London - IOC-Präsident Jacques Rogge hat trotz lauter werdender Forderungen aus der Politik eine Schweigeminute für die israelischen Opfer des Terroranschlags bei den Spielen 1972 in München abgelehnt. " Wir werden die Athleten im Rahmen der Spiele mit einer hochkarätigen IOC-Delegation würdigen, und wir werden auch am Jahrestag des Attentats präsent sein", sagte der Belgier in London. Das IOC sei aber der Meinung, dass die Eröffnungsfeier am Freitag "nicht der geeignete Anlass" sei. In Abstimmung mit dem Nationalen Olympischen Komitee Israels wurde am 6. August in Londons Guildhall eine Gedenkfeier organisiert, bei der auch Rogge anwesend sein wird.

Zuletzt hatte sogar US-Präsident Barack Obama die Kampagne für eine Schweigeminute unterstützt. Auch das kanadische Parlament, Australiens Premierministerin Julia Gillard, britische Parlamentarier und sogar Rogges Landsmann, der belgische Sportminister Philippe Muyters, haben sich mit dieser Forderung ans IOC gewandt. Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle hatte Rogge geschrieben, ein Moment des Innehaltens wäre ein würdevolles Zeichen dafür, dass Gewalt in der olympischen Idee keinen Platz habe. Palästinensische Terroristen hatten am 5. September 1972 im olympischen Dorf elf israelische Teilnehmer als Geiseln genommen. Während der Geiselnahme und eines gescheiterten Befreiungsversuchs auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck waren alle elf Israelis sowie ein deutscher Polizist getötet worden.

Israel hat übrigens aus Angst vor einem iranischen Anschlag seine Sicherheitsmannschaft in London verstärkt. Das berichtet die "Sunday Times". Demnach hat die Regierung Agenten vom Inlandsgeheimdienst Shin Bet zum Schutz der Sportler abgestellt. Am vergangenen Mittwoch waren bei einem Selbstmordanschlag im bulgarischen Burgas fünf Israelis getötet worden. Führende Politiker hatten den Iran und die libanesische Hisbollah für das Attentat verantwortlich gemacht. (red, DER STANDARD; 22.7.2012)

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