Meuterei auf Militärbasis nahe der Hauptstadt

23. Juli 2012, 10:39
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Drei Tote - Zwischenfall kurz vor geplantem Treffen des Interimspräsidenten mit gestürztem Vorgänger

Antananarivo - Eine Meuterei von Soldaten hat am Sonntag das unter einer politischen Dauerkrise leidende Madagaskar erschüttert. Auf einer Militärbasis nahe der Hauptstadt Antananarivo stationierte Soldaten lieferten sich mit regierungstreuen Truppen Schusswechsel, bevor am Abend wieder Ruhe einkehrte, wie eine AFP-Korrespondentin vor Ort berichtete. Mindestens drei Menschen starben nach Armeeangaben, vier weitere wurden verletzt.

Von dem Militärstützpunkt in Ivato waren am Sonntag teils heftige Schusswechsel zu hören. Der Minister für die Streitkräfte, Andre Lucien Rakotoarimasy, bestätigte telefonisch, dass es sich um eine Meuterei in der Nähe des internationalen Flughafens handelte. Dort wurden bis auf weiteres alle Flugverbindungen gestrichen.

Lage unter Kontrolle

Regierungstreue Soldaten und Polizisten stürmten die Basis vor Einbruch der Dunkelheit, nachdem ein als Vermittler eingesetzter Militärangehöriger getötet worden war. Am Abend erklärte die Armee, sie habe die Lage unter Kontrolle.

Die Meuterer hatten die Kasernen für rund 16 Stunden unter ihrer Kontrolle. Sie feuerten Schüsse in die Luft und versperrten den Zugang zum Lager. Als Verhandlungen mit den Rebellen in Gewalt umschlugen und einer der Verhandlungspartner angeschossen wurde, stürmten die Streitkräfte das Gebäude.

Es blieb unklar, was die Meuterer wollten. Von einem Putsch sprachen Regierungs- oder Armeevertreter nicht. Im November 2010 hatte es einen Umsturzversuch auf der Insel vor Ostafrika gegeben, der von einer Meuterei auf derselben Militärbasis ausgegangen war. Die dafür verantwortlich gemachten Armeeangehörigen wurden im März verurteilt.

Am Mittwoch sollen sich der regierende Präsident Andry Rajoelina, der sich vor drei Jahren an die Macht geputscht hatte, und sein Widersacher, der frühere Staatschef Marc Ravalomanana, treffen. Von den Gesprächen auf den Seychellen erhoffen sich die Vermittler der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC) einen Durchbruch in der anhaltenden politischen Krise in dem Inselstaat.

Der Plan zur Beilegung der Krise sieht die Rückkehr aller Politiker aus dem Exil in den Inselstaat vor, jedoch nicht ihren Schutz vor Strafverfolgung. Der im südafrikanischen Exil lebende Ravalomanana hatte wie andere rivalisierende Politiker zugesagt, die mit internationaler Rückendeckung im November 2011 eingesetzte Regierung der Nationalen Einheit unter Rajoelina unterstützen zu wollen. (APA, 22.7.2012)

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