Taliban töteten fünf Personen wegen Arbeit auf NATO-Stützpunkt

22. Juli 2012, 16:17
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Zwei weitere Männer öffentlich ausgepeitscht

Kabul - Zwei Wochen nach der Erschießung einer mutmaßlichen Ehebrecherin in Afghanistan haben die radikalislamischen Taliban fünf Männer getötet. In der Provinz Wardak wurden am Sonntag die Leichen von fünf Männern gefunden, die auf dem Rückweg von ihrer Arbeit auf einem NATO-Stützpunkt ermordet wurden. Mit 40 Peitschenhieben wurden am Samstag zwei Männer für eine versuchte Entführung bestraft.

Wie die Provinzregierung von Wardak mitteilte, waren im Bezirk Jalres rund 40 Kilometer südlich von Kabul sechs Männer, die für die NATO arbeiteten, von Taliban-Kämpfern gefangen genommen worden. Am Sonntag wurden dann die fünf Leichen entdeckt. Die Toten hatten nach Angaben von Augenzeugen die Hände im Rücken gefesselt und waren mit Sprengfallen versehen. Der sechste Mann konnte fliehen und machte die Taliban für die Hinrichtung verantwortlich.

Am Samstag hatten die Taliban in dem Dorf Shash Kala in der Provinz Logar rund 70 Kilometer südlich von Kabul vor mehr als hundert Zuschauern zwei Männer auspeitschen lassen. Wie Dorfbewohner berichteten, sollen die Männer versucht haben sollen, den zehnjährigen Sohn einer reichen Familie zu entführen.

Öffentliche Hinrichtung

Anfang Juli hatte ein Video international für Empörung gesorgt, das die öffentliche Hinrichtung einer jungen Frau in einem Dorf nördlich von Kabul zeigte. Darauf ist zu sehen, wie die Frau unter den Anfeuerungsrufen dutzender Männer erschossen wird. Behördenangaben zufolge war ihr vorgeworfen worden, ihren Ehemann mit einem Taliban-Kommandanten betrogen zu haben. Öffentliche Hinrichtungen und die Vollstreckung drakonischer Strafen waren in Afghanistan während der Herrschaft der Taliban von 1996 bis 2001 üblich.

Wie der "Spiegel" am Sonntag im Voraus aus seiner neuen Ausgabe berichtete, hat der afghanische Präsident Hamid Karzai Deutschland erneut um Hilfe bei der Vermittlung von Friedensgesprächen mit den Taliban gebeten. Bei einem Treffen mit Außenminister Guido Westerwelle (FDP) am Rande einer Geberkonferenz in Tokio Anfang Juni regte Karzai demnach an, dass Deutschland wie schon 2010 und 2011 als Vermittler bei der Annäherung an die Taliban aktiv werden solle.

Damals hatte der frühere Sonderbeauftragte für Afghanistan, Michael Steiner, erste Gespräche zwischen den USA und den Taliban eingefädelt. Im März 2012 brachen die Taliban die Verhandlungen jedoch ab. Auch Karzai hatte die Gespräche zuvor kritisiert. Medienberichten zufolge fühlte er sich übergangen. (APA, 22.7.2012)

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