Hacklerregelung: Gewerkschaft erwartet verschärften Lehrermangel

Viele Lehrer werden Regelung vor Auslaufen nutzen - Unterrichtsministerium rechnet in nächsten vier Jahren nicht mit Verschärfung

Wien - Die Pensionswelle bei Lehrern dürfte näherkommen: In der GÖD rechnet man mit einer Zunahme des Lehrermangels in Reaktion auf ab 1.1. 2014 geltenden Verschärfungen bei der Hacklerregelung: "Alle Lehrer, die irgendwie gehen können, werden gehen", heißt es aus der GÖD. Jürgen Rainer (FCG) aus der Lehrergewerkschaft rechnet damit, dass alle bis 1953 geborenen Bundeslehrer versuchen werden, noch unter die derzeitige Regelung zu fallen. Im Unterrichtsministerium beruhigt man unterdessen: "Durch steigende Studierendenzahlen an den Pädagogischen Hochschulen wird es in den nächsten drei, vier Jahren keine gröberen Verschärfungen geben."

Keine Schätzungen möglich

Derzeit können Bundeslehrer mit 60 (Männer) bzw. 55 (Frauen) die Hacklerregelung in Anspruch nehmen, wenn sie 40 einbezahlte Jahre nachweisen können - wobei Studienzeiten ab dem 18. Lebensjahr nachgekauft werden können. Ersatzzeiten werden dann überhaupt nicht mehr angerechnet, und das Antrittsalter für die Hackler-Pension wird um zwei Jahre auf 62 für Männer und 57 für Frauen angehoben. Schätzungen, welches Ausmaß die erwartete Flucht in die Hacklerpension erreichen könnte, gibt es keine. Das Ansuchen um Versetzung in den Ruhestand geht nämlich an den jeweiligen Landesschulrat, einen bundesweiten Überblick hat man in der Gewerkschaft deshalb nicht.

In der Steiermark erwartet Rainer, der dort im Fachausschuss beim Landesschulrat sitzt, "fast eine Verzehnfachung". Dort seien nämlich viele Schulen in den 1970ern gegründet und Junglehrer angestellt worden, "die werden jetzt gemeinsam alt".

Ministerium: "Punktuelle Engpässe"

Im Unterrichtsministerium erwartet man indes nur "punktuelle Engpässe" ähnlich jenen im Schuljahr 2011/12, als es 400 Pädagogen zu wenig gab. Dabei habe es in manchen Bundesländern sogar einen Überschuss an Bewerbern gegeben. Das Problem sei allerdings, dass "die örtliche Flexibilität nicht allzu hoch" sei, heißt es.

Höhepunkt zwischen 2016 und 2018

In seinen Prognosen geht das Unterrichtsministerium davon aus, dass der Höhepunkt der Pensionswelle zwischen 2016 und 2018 zu erwarten ist. In diesem Zeitraum sollen jährlich um die 4.200 Lehrer in den Ruhestand gehen. Insgesamt wird bis 2025 die Hälfte der Lehrer in Pension gehen.

Hauptschule besonders betroffen

Besonders stark betroffen sind laut Daten der Statistik Austria (Schuljahr 2010/11) der Hauptschulbereich, wo mehr als die Hälfte der Lehrer über 50 ist, sowie die AHS und die berufsbildenden mittleren und und höheren Schulen (BMHS) mit über 40 Prozent. Über alle Schultypen sind knapp 43 Prozent der Lehrer älter als 50. Nach Bundesländern gibt es in der Steiermark die meisten älteren Lehrer, rund jeder zweite ist dort über 50, an den Hauptschulen fallen sogar zwei von drei Lehrern in diese Altersgruppe. (APA, 22.7.2012)

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Da fast alle Lehrer dieser Jahrgänge pragmatisiert sind, sollten die Journalisten mal zur Kenntnis nehmen, dass es bei dieser Hacklerregelung keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt, das heißt Alter 60 (nicht wie angeführt 55 für Frauen!!)Erst erkundigen oder in der Lage sein Gesetzuestexte zu lesen, nicht nur aufLehrer "hinzuhauen"- Image wurde durch Medien schon genug beschädigt! Oder rächen sich da viele Schul- und Studiumabbrecher?

Unangenehme Wahrheiten:

An einem Gymnasium, das ich kenne, können im Herbst 20% der Unterrichtsstunden nicht regulär abgedeckt werden.

An ALLEN Hauptschulen, die ich kenne, unterrichten Lehrer Fächer, für die sie keine Ausbildung haben, die sie nicht interessieren und die nicht ihren Neigungen entsprechen.

An ALLEN neuen Mittelschulen werden gehörig Lehrer eingespart, denn dort braucht man pro Hauptfach nur mehr zwei Lehrer, wo früher dank der Leistungsruppen und der Integration oft fünf und mehr Lehrer benötigt wurden.

info hilft

in den pflichtschulen gibt es keinen lehrermangel (ausnahme vorarlberg, weil viele in die schweiz abwandern..) beispiel stmk noch über 1000 lehrer auf den wartelisten und massen an studierenden an den zwei PH in graz...

Die könnten sofort nach Wien kommen - dort gibt es in den Pflichtschulen sehr wohl Lehrermangel.

nur hat das auch andere gründe...

wer will schon freiwillig in wien im derzeitigen system unterrichten?
und: würden sie von wien nach sagen wir mal tirol übersiedeln, nur um einen job zu bekommen - weg von familie, verwandtschaft usw.?

Ich wollte auch gerade posten, dass der angebliche Kollege unsere schöne Bundeshauptstadt

offenbar vergessen hat.

Auch wenn ich mir hier...

vermutlich in der Kollegenschaft keine Freunde machen werde: Ich finde die Hacklerregelung für Lehrer ist Schwachsinn, genau wie für alle anderen "Beamten" (sofern sie keinen Nachtdienst verrichten müssen). Ganz einfach, weil es sich dabei nicht um Hackler handelt... Hier wär echt viel Geld einsparbar.

Sie verwechseln hier etwas. Das Problem liegt bei der unglücklichen Begriffsbildung. Irgendjemand hat mal die Bezeichnung "Hacklerregelung" erfunden für etwas was richtigerweise Langzeitversichertenregelung heißt. Und das hat mit dem landläufigen Begriff Hackler = körperlich schwer arbeiten überhaupt nichts zu tun.
Lehrer nehmen also dabei nur in Anspruch (wie Nichtlehrer auch), dass sie eine lange betragsgedeckte Gesamtdienstzeit haben.

Die Bezeichnung stammt von Exministerin Gehrer!

Der Fehler bestand darin, das man die Beamten nicht ausnahm. Es ist nämlich völlig logisch, das Beamte dies "leichter" erreichen, man muss die Zeit ja nur für sich arbeiten lassen, so ganz ohne Risiko der Kündbarkeit.

Generell sind solche Geschenke an die Bevölkerung aber abzulehnen weil kontraproduktiv. Kosten Geld ohne reelen Nutzen. Gut, einen Nutzen haben Sie: Man kann Statistiken schönen...Wers braucht...

Die Rechnung stimmt nicht einmal, da Beamte gar nicht

aus dem Dienst scheiden, sondern nur in den Ruhestand versetzt werden, d. h. reaktivierbar wären. Die "Hacklerregelung" für Beamte gibt es nicht aus irgendeinem Altruismus, sondern schlicht aus budgetären Gründen. Da es sehr, sehr teuer ist, gesundheitlich angeschlagene ältere Beamte für die hohen Endgehälter zu beschäftigen, schiebt man sie lieber in Pension. Das bereinigt die budgetären Engpässe in den meisten Fällen. Besonders gilt das für das personallastige Unterrichtsressort.

Ist das kurzsichtig? Natürlich.

Wieviele Beamte wurden bis dato zurückgeholt? Gibts da eine Statistik?

Ich denke nämlich, das wird gegen Null gehen....

Derzeit versucht man, pensionierte Lehrer/innen mit Sondervertrag

für ein paar Stunden in die Schulen zu bekommen.

Wie oben gesagt: Es geht um (oberflächliche) Kostenreduktion.

Dafür stell' ich mich auch zur Verfügung - aber das dauert noch ein Weilchen. :)

Einsehbare Statistik? Interessant ist ja, das es ja Regionen mit Lehrerüberschuss gibt.

Ich weiß nicht, ob es da verfügbare Daten gibt (glaube es auch nicht).

Erfahrungsgemäß ist ein gewisser Prozentsatz an Lehrern mit gutem Grund ohne Beschäftigung. Einen Überschuss an brauchbaren Lehrern kann derzeit wohl niemand feststellen.

Ich auch.

Überhaupt kann ich dieses Rennen in die Pension nicht begreifen.

Bei mir sinds nur noch etwas mehr als 40 Jahre bis ich 2053 mit 70 Jahren endlich in Pension gehen kann!

Pension? Wird sich, wenn die Systeme weiter so weiterkrachen wie bisher, kein Staat mehr leisten können. Vielleicht sollten sie anfangen umzudenken....

Sie vergessen dass die PensionistInnen bald die absolute Mehrheit stellen. Pensionen wird sich der Staat immer leisten.

Mit welchem Geld? Wer wird das erwirtschaften und wie hoch wird diese Pension sein?

Ihr Vertrauen ins System ist beachtlich. Woher haben sie das?

Ach, wer weiß schon was in 40 Jahren ist.
Vielleicht kehrt sich manches um, und Sie können schon wieder früher gehen. Oder, was allerdings auch möglich ist, Sie verlassen Ihre Arbeitsstätte im Höchstalter (>100) horizontal d.h. im Erdmöbel (Copyright Georg Schramm).

Das interessiert mich: Wo sehen sie Zeichen, das es sich umkehren wird? Bomben wir wieder mal alles nieder, um danach wieder eine "Aufbaugeneration" zu schaffen?

Gehen wir eher davon aus, das es Zweiteres wird...

Misch Masch von Fakten

VS, HS/NMS und SS-Lehrer werden an der PH ausgebildet. Die PH gehört zum BMUKK, daher kennen sie dort die Zahlen. Diese Lehrer sind aber Landeslehrer - daher weiß das BMUKK wieder nicht, wie diese eingesetzt werden (gab es ja die letzten Jahre viel Diskussion).
Und die Lehrer in der HS unterrichten ja alles, und meist nicht das, wozu sie ausgebildet wurden, je nachdem was gebraucht wird. Lehrer mit E+GEO unterrichtet nicht selten M+PH+Turnen.

Lehrer an AHS und BHS werden an der Uni ausgebildet (BMUKK kennt keine Zahlen, Töchterle ist ja Böse=ÖVP). Dafür wissens dass dort an allen Ecken und Enden Lehrer fehlen.
Da unterrichten vielerorts schon Studierende ab dem Inskribieren bzw. HS/NMS-Lehrer bzw. gibt es Überstunden.

hackler-regelung für lehrer?

ein oxymoron.

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