Nintendo 3DS XL im Test: Gut gewachsen, aber nicht dazugelernt

  • 3DS und 3DS XL im Vergleich
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    3DS und 3DS XL im Vergleich

  • 3DS XL wird mit einem doppelt so großen Speicherstick (4 GB) und einem stärkeren Akku als der 3DS ausgeliefert.
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    3DS XL wird mit einem doppelt so großen Speicherstick (4 GB) und einem stärkeren Akku als der 3DS ausgeliefert.

  • Circle Pad Pro wird es bald auch für den 3DS XL geben.
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    Circle Pad Pro wird es bald auch für den 3DS XL geben.

  • Die Displays des 3DS XL sind fast doppelt so groß wie die Screens des 3DS.
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    Die Displays des 3DS XL sind fast doppelt so groß wie die Screens des 3DS.

Der Handheld-Riese ist ein kleines Upgrade für mehr Spielfreude

Gut eineinhalb Jahre hat sich Nintendo mit der ersten Revision seines Gaming-Handhelds 3DS Zeit gelassen. Im Vorfeld wurde viel darüber spekuliert, ob der japanische Traditionskonzern mit dem neuen Modell die Chance nutzen würde, die eine oder andere fehlende Funktion des Originals nachzurüsten. Besonders der Mangel eines zweiten Analog-Pads für Shooter und Action-Adventure und die provisorisch wirkende Lösung für dieses Problem in Form des Adapters Circle Pad Pro geriet bei Spielern unter Kritik.

Tatsächlich verpassten die Ingenieure dem neuen "3DS XL" keine neuen Tricks, lediglich der Formfaktor, der Hauptbildschirm und der Akku wurden vergrößert. Man bekommt, was auf der Verpackung steht.

Mehr Platz für Hände und Spiele

Der Größenunterschied fiel dafür umso deutlicher aus. Mit 156 mm x 93 mm x 22 mm ist der 3DS XL gut zwei Zentimeter länger und tiefer als der 3DS. Die zusätzlichen 100 Gramm Gewicht auf 336 Gramm fallen nur bei längeren Sessionen auf, dicker ist das größere Modell nicht. Aus der Hosentaschenkonfektion ist der Handheld dennoch herausgewachsen. In der Anwendung fällt auf, dass der 3DS XL deutlich angenehmer in der Hand liegt (vor allem bei ausgewachsenen Spielern) und die Steuerung des Pads und die Bedienung der Aktionstasten entspannter möglich ist.

Der zusätzliche Platz wurde sowohl für einen größeren 3D-Bildschirm als auch ein größeres Touch-Display genutzt. Der Haupt-Screen ist mit 4,88 Zoll satte 90 Prozent weiter als das Display des Originalmodells. Die gewachsene Anzeigefläche gibt Spielen mehr Raum sich zu präsentieren und wirkt sich positiv auf das 3D-Erlebnis aus. Die räumliche Darstellung profitiert, wie bei Fernsehern und Kinoleinwänden, klar von der längeren Bilddiagonale.

Pixelig und alte Sorgen

Weil die Auflösung mit 800 x 240 Pixel (400 x 240 für jedes Auge) unverändert ist, lassen sich auf dem XL-Display allerdings auch einfacher einzelne Bildpunkte wahrnehmen, wodurch Grafiken weniger scharf wirken. Bei 3D-Games kommt hinzu, dass sich nun Treppeneffekte noch deutlicher bemerkbar machen.

Während die 3D-Darstellung von den großzügigeren Dimensionen profitiert, hat Nintendo den Betrachtungswinkel für die Tiefenwahrnehmung nicht erweitert. Nach wie vor verschwimmt das Bild bei leichter Bewegung der Konsole. Ebenso wurde dem unteren Touchscreen kein Upgrade verpasst. Wie gehabt kommt ein günstigeres resistives Pad zum Einsatz, anstelle eines reaktionsschnelleren, kapazitiven Touchscreens wie er von Smartphones und Tablets bekannt ist.

Mehr Akkuleistung, kein Ladekabel

Mit einem leistungsfähigeren Akku unter der Haube verspricht Nintendo eine Spielzeit von 3,5 bis 6,5 Stunden bei aktiviertem 3D. Im Test holte der 3DS XL gut eine Stunde mehr heraus, als der 3DS. In jedem Fall eine Verbesserung, wenngleich man noch weit weg ist von den ausdauernden 2D-Handhelds der früheren Generationen.

Kurioser Weise wird der 3DS XL in Europa und Japan ohne Netzteil und Ladekabel ausgeliefert. Der Hersteller scheint davon auszugehen, dass sich so und so nur bestehende DS- oder 3DS-Spieler das neue Modell beschaffen. Die Netzteile der alten Geräte sind kompatibel. Dennoch ist es befremdlich, dass Nintendo interessierten Neukunden einen Knüppel zwischen die Beine wirft. Auch ist es 2012 mehr als ungewöhnlich, dass einem Handheld kein universelles USB-Kabel zum Aufladen beiliegt.

Mehr Speicher und Upgrade-Ärgernisse

Positiv fällt auf, dass Nintendo mit dem 3DS XL nun standardmäßig eine doppelt so große, 4 GB fassende Speicherkarte ausliefert. So hat man von Haus aus mehr Platz für Fotos, Videos und Download-Games.

Wer von einem 3DS auf einen 3DS XL wechseln möchte, kann Speicherstände und weitere Inhalte von einer Speicherkarte auf die andere Übertragen. Enervierender Weise jedoch, können Download-Games nicht übertragen werden, weshalb man die Spiele nochmals herunterladen muss.

Preis und Verfügbarkeit

Nintendo gibt für den österreichischen Markt selbst keine Preisempfehlung ab. Im Handel wird der 3DS XL ab 28. Juli für 199 Euro zu haben sein. Der 3DS ist aktuell für Preise zwischen 150 und 170 Euro erhältlich.

Fazit

Der 3DS XL liegt besser in der Hand, das 3D-Erlebnis ist inklusive alter Usability-Schwächen ein wenig eindrucksvoller und die Spiele kommen trotz pixeliger Darstellung schöner zur Geltung.

Dennoch ist nicht zu übersehen, dass Nintendo zahlreiche Chancen für ein vollständigeres Upgrade ausgelassen hat. Der Wechsel von einem 3DS auf einen 3DS XL ist so für 200 Euro gar etwas viel Luxus. Neukunden, die vor der Wahl stehen, welches Modell sie nehmen sollen, ist der Griff zum 3DS XL zu empfehlen. Dass man ein Ladekabel extra erwerben muss, ist schlicht und ergreifend unverschämt. Glücklicherweise findet sich online sowie im Geschäft reichlich Zubehör von Drittherstellern. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 22.7.2012)

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