Haider-Freunde drohen mit Aufstand gegen Haupt

27. Juni 2003, 14:06
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Fischl fordert den FPÖ-Chef im STANDARD- Gespräch "raschest" zur Amtsübergabe auf und droht mit "Knittelfeld zwei"

Wien/Klagenfurt ? Blutbild, Leberwerte, Hepatitis-C-Befund: FPÖ-Chef Herbert Haupt hat seine Gesundheitswerte veröffentlicht, Berichte über die "Entfernung von harmlosen Polypen aus dem Darm" am Dienstag inklusive. Die Botschaft an seine Parteifreunde lieferte Haupt gleich mit: Er "erfreut sich bester Gesundheit und denkt nicht an Rücktritt". Vager Zusatz: "Zum gegebenen Zeitpunkt werde ich den gemeinsamen Weg für die Zukunft der FPÖ skizzieren."

Auch wenn sich Haupt gegen seine rasche Ablöse als FPÖ-Obmann wehrt ? andere in der FPÖ drängen darauf. Kärntens FPÖ-Chef Martin Strutz etwa widersprach Haupt: Haupt hatte gemeint, der Führungswechsel könne nicht am Samstag bei der Vorstandsklausur über die Bühne gehen. Stimmt nicht, konterte Strutz: Für die Klausur gebe es keine Tagesordnung, daher könne man nicht sagen, ob dort über die Ablöse Haupts gesprochen werde.

Club Jörg macht Druck

Einer der wesentlichen Drahtzieher der "Knittelfelder-Revolution", der Fürstenfelder FPÖ-Bezirkschef Harald Fischl, stellt Haupt die Rute offen ins Fenster. Sollte Haupt nicht dem Wunsch der Landesparteiobleute nachgeben und die Partei "raschest" an den Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider übergeben, "wird er sich wundern, wie schnell es ein Knittelfeld zwei oder meinetwegen ein Fürstenfeld eins geben wird". Fischl ? er ist der Gründer des "Clubs der Freunde Jörg Haiders" ? im Gespräch mit dem STANDARD: "Haupt muss vorsichtig sein. Er soll die Partei nicht zu einer Notwehrreaktion zwingen. Faktum ist, dass es eine Vereinbarung zwischen Haupt und Haider gibt, dass die Partei an Haider übergeben wird. Und das soll so rasch als möglich geschehen, je schneller, desto besser."

So sehr Tempo macht der burgenländische FPÖ-Obmann Stefan Salzl nicht, ihm wäre ein Führungswechsel erst im Herbst recht. Prinzipiell führt aber für Salzl kein Weg an einem FPÖ-Obmann Haider vorbei: "Ich glaube, dass sich das 70 bis 80 Prozent der Basis wünschen." Nur Haider habe die Akzeptanz, die "Partei, die sich nach wie vor in Turbulenzen befindet, zu einen und wieder schlagkräftig zu machen".

Eines ist für Salzl wichtig: Dass Haupt Vizekanzler und Sozialminister bleibt. Genau das bezweifeln aber manche in der FPÖ, die befürchten, dass Haupt im Fall des Führungswechsels das Amt des Vizekanzlers hinschmeißen könnte. Haider selbst gab sich generös: Er plädierte dafür, die "Last auf mehreren Schultern zu verteilen", wollte aber den Zeitpunkt X des Wechsels ganz Haupt überlassen.

Angesichts der köchelnden Obmanndebatte rückten manche Mitglieder der FPÖ-Bundesführung zur Verteidigung Haupts aus: Justizminister Dieter Böhmdorfer versicherte "hundertprozentige Loyalität", Thomas Prinzhorn erklärte die Wechseldiskussionen als "kontraproduktive Spekulationen", Generalsekretärin Magda Bleckmann verlangte ein Ende der Debatte.

Vergeblich. Auch der Kärntner Abgeordnete Uwe Scheuch, Mitglied im Parteivorstand, ruft laut nach der Rückkehr Haiders: "Er hat bewiesen, dass er die Partei am besten führen kann." Haupt sei für die Regierung wichtig, und Haider für die Partei: "Ich hoffe nicht, dass es einen Machtkampf zwischen den beiden gibt. Es wäre wichtig, dass sie gemeinsam eine Lösung finden." Auf den Koalitionspartner will Scheuch dabei keine Rücksicht nehmen: "Wir werden uns von der ÖVP nicht vorschreiben lassen, wer in der Partei welche Funktion bekleidet." (eli, mue, pm, völ/DER STANDARD, Printausgabe, 27.6.2003)

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    Harald Fischl, Club-Jörg-Präsident

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