Zwischenstopp vor Eurofighter-Landung

26. Juni 2003, 17:57
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FP-Landespolitiker wollen die durch den Bundesrat erzwungene Pause zur Untersuchung des Beschaffungsvorganges nutzen

Graz/Zeltweg – Eigentlich sollte am Freitag inmitten des Getöses der zweitägigen Militär-Flugshow "Airpower 03", bei der auch der Eurofighter präsentiert wird, im steirischen Zeltweg endlich Tacheles in puncto Kompensationsgeschäfte geredet werden: Die Arge Offset – 2002 von der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und der Industriellenvereinigung als Drehscheibe für Gegengeschäfte gegründet – wollte mit EADS- Chef Aloysius Rauen Gegengeschäftsperspektiven für die Steiermark aufzeigen.

Denn bisher konnten keine Geschäftsabschlüsse präsentiert werden, die nicht auch ohne den Abfangjäger-Deal zustande gekommen wären. Doch das "Jein" der blauen Bundesräte und die damit verzögerte Unterzeichnung des Kaufvertrages ließen den Termin, zu dem auch die steirischen Landesräte Herbert Paierl (VP) und Leopold Schöggl (FP) geladen waren, platzen. Letzterer bezweifelt aber, dass WKÖ-Generalsekretär Christian Domani einzelne Unternehmen, die sich Gegengeschäfte erwarten dürfen, genannt hätte. Schöggl zum Standard: "Das wäre sowieso nicht passiert. Über ungelegte Eier soll man nicht gackern."

Die Opposition bekam indes erneut kurzfristige Unterstützung vom Kärntner Landeshauptmann in Sachen Offenlegung der Entscheidungsfindung für den Eurofighter.

Jörg Haider forderte, die achtwöchige "Nachdenkpause" für eine Untersuchung der Vorgänge um die Abfangjägerbeschaffung zu nutzen und endlich "alle Fakten offen zu legen". Vor allem die Aussagen hochrangiger Militärs, wonach das Bundesheer nach einem Kauf der Eurofighter ab 2007 Pleite wäre, müssten geprüft werden.

Kein Sprit für Flieger?

Dem stimmte sein Parteikollege Schöggl voll zu: "Das muss man sich alles noch einmal anschauen. Was nutzen einem die schönsten Flieger, wenn man dann keinen Sprit dafür hat." Er könne sich sogar vorstellen, dass bei der Entscheidung zugunsten des EADS-Fliegers "der Wunsch der Vater des Gedankens" war. Wessen Wunsch das war, will Schöggl aber nicht weiter ausführen. Stattdessen bleibt er kryptisch: "Vielleicht wollte man dieses Modell unbedingt, und hat sich deswegen zu seinen Gunsten entschieden – bewusst oder unbewusst." (DER STANDARD, Printausgabe, 27.6.2003)

Die Wirtschaftsplattform Arge Offset wollte im Rahmen der Militär-Flugshow "Airpower 03" in Zeltweg Eurofighter-Gegengeschäfte aufzeigen. Nun wollen FP-Landespolitiker die durch den Bundesrat erzwungene Pause zur Untersuchung des Beschaffungsvorganges nutzen.

von Colette M. Schmidt
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Draken (Hintergrund) eskortiert einen Eurofighter nach Zeltweg

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