ÖBV-Kulturverlage werden "dieses Jahr nicht verkauft"

26. Juni 2003, 14:06
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öbv&hpt will Schulbuch-Marktanteil in drei Jahren von 27 auf 30 Prozent steigern

In diesem Jahr werden die Publikumsverlage des Österreichischen Bundesverlags, Residenz, Brandstätter und Deuticke, vom neuen Eigentümer, der Stuttgarter Klett-Gruppe, nicht verkauft werden. Diese bestätigte Klett-Vorstandschef Michael Klett. Es seien noch keine Verkaufsgespräche geführt worden. Beschlossene Sache sei der Verkauf nicht: "Wir lassen uns jede Option offen".

"Verkauf unter strengsten Bedingungen"

Diese Optionen umfassen eine Weiterführung der Verlage durch Klett (ganz oder teilweise), die Hereinnahme eines Partners oder einen "Verkauf unter strengsten Bedingungen". Damit verwies Klett auf den bestehenden Kulturauftrag, den ein etwaiger Käufer mitübernehmen müsste. Unabdingbar sei ein überzeugendes Konzept zur Weiterführung. "Wenn einer kommt und sagt, er macht daraus einen Pornoladen, kommt das natürlich nicht in Frage", so Klett mit einem Lachen. Klett hatte sich bei der Übernahme zur Weiterführung der Verlage bis 2007 verpflichtet. Bis zu diesem Jahr müssen außerdem wenigstens fünf österreichische Titel pro Jahr und Verlag erscheinen. Dies müsste ein Käufer ebenso erfüllen.

Eine Entscheidung über die Zukunft der Verlust bringenden Verlage werde bis Ende des Jahre angestrebt, so Klett. Zahlen zu den Vorjahrs-Verlusten der ÖBV-Töchter wollte Klett auf Nachfrage nicht nennen. "Es würden Leute dafür verantwortlich gemacht werden. Ich möchte niemanden anschwärzen". Die Verluste - außer beim Christian Brandstätter Verlag, der "besser dastehe" - lägen jedoch in einer Größenordnung, die für Klett nicht akzeptabel seien. In der Vergangenheit wurden diese durch Querfinanzierungen aus dem profitablen Schulbuchbereich aufgefangen. Die Kulturverlage erzielten einen Umsatz-Anteil von 15 Prozent des Schulbuchverlags, so Klett.

Georg Glöckler zukünftig alleiniger Geschäftsführer

Die am Jahresende auslaufenden Verträge der bisherigen Geschäftsführer Robert Sedlaczek und Walter Amon werden laut Klett deshalb nicht verlängert, weil es in Zukunft durch die verwaltungstechnische Annäherung an Klett "nicht mehr so viel zu tun gibt". Geschäftsführung und Tochterfirmen sollen eng an das deutsche Stammhaus angebunden werden. "Wir brauchen hier keine große Holding mehr".

Innerhalb der nächsten drei Jahre will öbv&hpt den Marktanteil im Schulbuchwesen von derzeit 27 auf 30 Prozent steigern, so Georg Glöckler. Dies habe Klett vorgegeben. Wachstumspotenzial sei in der Erweiterung der Schulbücher um begleitende und weiterführende Internet- oder Multimediaangebote zu finden, so Glöckler. Dies firmiere unter "Schulbuch extra". Stundenreduktion, flexiblere Lehrpläne durch erweiterte Schulautonomie, im Vergleich der letzten Jahrzehnte geringe Schulanfängerzahlen und die rascher erfolgenden Lehrplanreformen seien Aufgaben, die es zu bewältigen gelte. öbv&hpt-Bücher machen 22 Mio. Euro der insgesamt mehr als 92 Mio. Euro umfassenden Schulbuchaktion aus, so Glöckler. (APA)

Nach der Privatisierung des ÖBV ist die Unternehmerfamilie Glöckler mit 51 Prozent Mehrheitseigentümer am Schulbuchverlag öbv&hpt, die Stuttgarter Klett-Gruppe hält 49 Prozent.
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