Scheich Yassin: Hamas setzt Kampf gegen Israel aus

27. Juni 2003, 19:53
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Waffenruhe an Bedingungen geknüpft - Offenbar dreimonatiger Angriffsstopp aller militanter Palästinensergruppen

Gaza-Stadt - Die israelfeindliche Hamas ist nach den Worten ihres Gründers Scheich Ahmed Yassin unter bestimmten Bedingungen zu einem Waffenstillstand bereit.

Unklar blieb zunächst jedoch, ob die Ankündigung dem internationalen Nahost-Friedensplans neuen Auftrieb verleihen wird. Am Samstag wird US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice in der Region erwartet, um in Gesprächen mit Vertretern der israelischen und der palästinensischen Regierung auf eine rasche Umsetzung des Plans zu dringen. Bei den Sicherheitsgesprächen zwischen Iraelis und Palästinensern zeichnete sich unterdessen eine Einigung über einen Abzug der israelischen Armee aus dem Gaza-Streifen und Bethlehem im Westjordanland ab.

Hamas stellt Bedingungen für Waffenruhe

"Die Hamas hat alle Entwicklungen geprüft und ist zu der Entscheidung gelangt, einen Waffenstillstand auszurufen beziehungsweise alle Kampf-Aktivitäten auszusetzen", sagte Yassin am Freitag in Gaza-Stadt. Der Gewaltverzicht sei jedoch an einen Zeitrahmen und Bedingungen geknüpft, fügte er hinzu.

Palästinensische Kreise: Offizielle Erklärung folgt am Sonntag

Mit einer offiziellen Erklärung sei am Sonntag zu rechnen, verlautete aus Gesprächskreisen in Gaza. Die Vereinbarung, ausgehandelt von den Untergrundorganisationen Hamas, Islamischer Dschihad und der Fatah-Bewegung des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat, beinhaltet einen dreimonatigen Stopp der Angriffe auf Israel seitens der Palästinenser. Von Israel wird der Stopp aller militärischen Angriffe auf Palästinenser gefordert.

Isrealische Kreise: Erklärung sei "nicht das Papier wert, auf der sie geschrieben ist"

In israelischen Regierungskreisen hieß es, Yassins Erklärung sei "nicht das Papier wert, auf der sie geschrieben ist". Yassin sagte nicht, wann der Gewaltverzicht in Kraft treten könnte. Auch zu den Bedingungen machte er keine näheren Angaben. "Wir stehen noch in Kontakt mit den übrigen Gruppen, um eine gemeinsame Formel zu finden, der alle zustimmen", ergänzte der Hamas-Gründer mit Blick auf andere militante Palästinenser-Gruppen wie den Islamischen Dschihad und die El-Aksa-Brigaden, einem Ableger der Fatah-Bewegung von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat.

Bisher vergebliche Bemühungen von Abbas

Der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas hatte sich bislang vergeblich darum bemüht, die Hamas und die radikalen Palästinenser-Gruppen zu einem Gewaltverzicht zu bewegen. Die Organisationen kämpfen für die Zerstörung Israels und haben sich zu zahlreichen Anschlägen bekannt, bei denen Dutzende Israelis getötet wurden. Israel hatte wiederholt die Zerschlagung der Hamas und anderer Palästinenser-Organisationen im Rahmen des internationalen Friedensplans gefordert. Der Plan sieht nach der Beendigung der Gewalt die Gründung eines Palästinenser-Staates bis 2005 vor.

Israel hatte sich in der Vergangenheit gegenüber einem zeitweisen Gewaltverzicht der Palästinenser-Gruppen skeptisch gezeigt und argumentiert, dieser gebe gewalttätigen Palästinensern Zeit, sich in ihrem seit 33 Monaten andauernden Aufstand neu zu formieren. (APA/Reuters)

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    Scheich Yassin betonte, dass eine Waffenruhe der Hamas an bestimmte Bedingungen geknüpft und zeitlich begrenzt sei.

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