Kein Gesetz gegen sexistische Werbung

27. Juni 2003, 13:39
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Kontroverse um geplante EU-Richtlinie - Kommissarin Diamantopoulou: "Bin keine Feministin der Extreme", aber Verhaltenskodex muss sein

Athen/Hamburg - In der Debatte um Nacktfotos in Zeitungen hat sich die griechische EU-Kommissärin für Soziales, Anna Diamantopoulou, für einen neuen Verhaltenskodex ausgesprochen. "Diese Themen können nicht gesetzlich oder mit Zensur geregelt werden", sagte sie nach heftigen Protesten vor allem einiger Boulevardmedien. "Wir brauchen aber wohl eine Art Codex, wonach wir uns richten können", sagte sie im griechischen Rundfunk am Freitag. Die EU-Kommissärin hatte mit einem Plan für ein europäisches Gleichstellungsgesetz für Wirbel gesorgt. Nach einem Bericht der britischen Zeitung "Financial Times" erwägt die Brüsseler Behörde neben einem Vorgehen gegen entwürdigende und sexistische Frauen-Bilder in Medien auch Verbesserungen der Rolle der Frauen in anderen Bereichen. So sollen Versicherungen keine unterschiedlichen Prämien für Männer und Frauen mehr berechnen. Die Kommission hatte betont, dass sich die Überlegungen noch im Vorstadium befänden.

"EU-Balken" Die "Bild"-Zeitung drückte ihren Protest gegen die Pläne am Freitag dadurch aus, dass sie die die nackte Brust ihres so genannten Seite-1-Mädchens mit einem schwarzen Balken bedeckte - mit der Aufschrift: "Zensiert!" und dem Hinweis auf weitere Nacktbilder "ohne störenden EU-Balken" im Innern des Blatts. Bereits nach Bekanntwerden der Pläne hatten britische und deutsche Boulevardzeitungen, aber auch die deutsche Versicherungswirtschaft Kritik geübt. Diamantopoulou sagte: "Ich bin keine Feministin der Extreme." Mit einem Kodex solle darauf hingewirkt werden, dass sexistische Werbung vermieden wird. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Würde des Menschen und in diesem Fall der Frauen geschützt wird." Die Europäische Frauen-Lobby (EWL), die mehr als 3.000 Organisationen in allen EU-Mitgliedstaaten vertritt, hatte die geplante Richtlinie als "wichtiges Signal für die Gleichbehandlung von Männern und Frauen" begrüßt.

CDU-Brok: "Das geht zu weit!" "Diese Richtlinie ist komplett überflüssig!", sagte dagegen der Europa-Abgeordnete Elmar Brok (CDU) in "Bild". "Das geht zu weit! Das ist ein Eingriff in die redaktionelle Freiheit, das ist nackte Zensur." Die CDU-Sozialexpertin im EU-Parlament, Anne-Katrin Glase, sprach ebenfalls von "Zensur". "Es ist nicht Aufgabe der EU, sich in Medieninhalte einzumischen!" Die Grünen-Europaparlamentarierin Heide Rühle meinte: "Das ist der nackte Wahnsinn! Als Grüne bin ich für die Quote: Neben jeder nackten Frau ein nackter Mann!" Wenn die gesamte EU-Kommission einem entsprechendem Entwurf zustimmen sollte, würde er vom Europäischen Parlament und dem Ministerrat der Mitgliedstaaten beraten und eventuell verabschiedet. In jedem Stadium wären Änderungen möglich. (APA/dpa)

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