Linux Kernel 3.5 veröffentlicht

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    Das Linux-Maskottchen Tux.

CoDel soll Bufferbloat-Problem bekämpfen, Prime-Framework für Hybrid-Grafik, Verbesserungen an ext4 und btrfs

Die Linux-Kernel-Entwicklungsmaschinerie läuft offensichtlich bestens: Keine zwei Monate nach der Freigabe des letzten großen Updates, gibt es nun wieder eine neue Release: Kernel 3.5 steht ab sofort in Form des Source Codes von der Seite des Projekts zum Download.

Buffer Bloat

Wie gewohnt liefert diese eine Reihe von Neuerungen quer durch den technologischen Gemüsegarten: So soll der CoDel Netzwerk-Scheduler, das Problem des "Buffer Bloats" - bei dem es mit der Zeit zu einem Einbruch der Performance kommen kann - über aktives Netzwerkmanagement zumindest ein stückweit umschiffen.

Dateisysteme

Eine verbesserte Datensicherheit verspricht die Einführung von Checksummen für die Metadaten von ext4, hier hat man sich von modernen Dateisystemen wie btrfs oder ZFS inspirieren lassen. Apropos btrfs: Bei diesem gab es diverse Verbesserungen am Writeback-Handling, die in Summe die Latenzzeiten verkürzen sollen - also wieder eine gesteigerte Performance versprechen.

Prime

In Grafikfragen heißt der große Neuzugang "Prime": Dabei handelt es sich um ein Framework, mit dem künftig Hybridgrafiklösungen, wie sie in immer mehr aktuellen Laptops zu finden sind, besser unterstützt werden sollen. Die dafür nötigen Änderungen auf der Client-Seite soll mit dem kommenden X.org-Server 1.13 ausgeliefert werden. Zudem gibt es wieder einmal frischen Support für einige zusätzliche Chips von ATI und NVidia. Der Radeon DRM-Treiber verspricht bessere Performance für die Evergreen-GPU-Reihe, auch HDMI Audio soll nun besser unterstützt werden.

Monitoring

Mit den Uprobes will man die Performance-Monitoring-Möglichkeiten von Linux deutlich erweitern. Tools wie Perf oder Systemtap, die bislang nur den Kernel selbst analysieren konnten, erhalten auf diesem Weg nun auch Einblick in die Abläufe bei Userspace-Programmen. 

Infos

Weitere Informationen zur neuen Version finden sich unter anderem bei Kernelnewbies. Wie gewohnt folgt nun die rund zweiwöchige Phase zur Aufnahme jener neuer Funktionen in den Kernel, die später einmal den Kernel 3.6 ausmachen sollen. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 22.07.12)

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11 Postings
Was genau bringt dem Otto-Normalverbraucher btrfs?

Stelle ich hier nur mal so in den Raum :)

Mit einem entsprechend angepassten Dateimanager könntest z.B. quasi entlang einer Timeline durch die Änderungen im Dateisystem gehen... hat es für Solaris/ZFS mal gegeben. Siehe:
http://www.oracle.com/technetwo... ime_slider

Das ist für mich persönlich das beste Feature von btrfs. Snapshots nutze ich nun schon seit "Jahren". EInfach ein cronjob und fertig. Gespeichert werden nur die Diffs.

Ich wäre da sehr vorsichtig

Ich habe eine Installation zu betreuen, bei der es ziemliche Troubles mit ZFS-Snapshots gibt. Und ZFS (für Solaris) gilt als ausgereift und wird von Sun/Oracle schon seit 4 Jahren als Standardfilesystem empfohlen. BTRFS ist in der Entwicklung erst halb so weit.

Also: Wer seine Daten liebt, setzt auf Bewährtes und Backups. (Diff-Snapshots lassen sich auch mit rsync erstellen.)

Vorsichtig muss man immer sein.
Aber mit rsync-diffs kann mans absolut nicht vergleichen:
- einerseits geschehen die snapshots auf Dateisystemebene
- und die snapshots verlinken sich untereinandern, dh. ich kann einen aus der Mitte rauslöschen und bin immer noch konsitent. Oder gebe Speicherplatz frei wenn ich den ersten Snapshot lösche, oder ...

Ich werde das Gefuehl nicht los,

dass es hier einige sehr schlichte Gemueter gibt, welche rein aus Prinzip bei saemtlichen Linux-Themen rote Stricherl verteilen.

Na dann

saug ich mal den neuen Kernel und mach mich ans kompilieren. Die perfekte Sonntag-Nachmittag-Beschaeftigung bei so einem Wetter.

Jaja, Sonntag-Nachmittag-Beschäftigung

Kernel kompilieren geht sowieso nur 15 Min und gut ist!

btrfs kommt nicht so richtig voran.

Wurde es dich schon mal als amtlicher Nachfolger der nicht mehr zeitgemäßer "extn" Systeme bejubelt. Und jetzt hat man den Eindruck, dass am ext4 mehr gearbeitet wird, als am btrfs.

Hmm?

ext4 = Weiterentwicklung
btrfs = Neuentwicklung

ext4 = Bewährt und kaum neue Features
btrfs = Neu und extrem viele neue Features

Dann gibts noch den Umstand das die Entwickler von Btrfs (zumindest die Hauptentwickler) erst kürzlich von Oracle zu ner anderen Firma sind, was ggf. die Arbeits ins stocken bringt.

Oder die Tatsache das laut Oracle und Suse BTRFS schon stabil ist und eingesetzt werden kann, aber die Kernel-Devs es lieber noch als experimentel Taggen

Wie lang ging die Entwicklung von Ext4? 2? 3? Jahre? und das war nur eine Weiterentwicklung!!!!

Woher kommt der Eindruck?

ext4 ist eigentlich nur ext3 ein bischen aufgebohrt.
btrfs ist eine komplette Neuentwicklung, bietet Features von denen ext nur träumen kann. Allerdings ist ein Dateisystem erst nach "vielen" Jahren reif für den Einsatz (zumindest abseits der Privatgeräte).

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