Ein ganzes Land redet über Jungfräulichkeit

Blog | Reiner Wandler, 21. August 2012, 10:00
  • Artikelbild

Ein Buch über kleines Häutchen sorgt in Tunesien für Aufregung

Nach Marokko hat jetzt auch Tunesien seinen "Sexskandal". "Ärzte schätzen, dass nur fünf Prozent der tunesischen Mädchen sich keine Sorgen über die Jungfräulichkeit machen. 20 Prozent wären 'echte' Jungfrauen und während drei Viertel der jungen Frauen 'assistierte Jungfrauen' sind", heißt es in dem jüngst erschienenen Buch "Vierges? La nouvelle sexualité des Tunisiennes" (Jungfrauen? Die neue Sexualität der Tunesierinnen) der tunesischen Psychoanalystin Nedra Ben Smail, das für Aufregung sorgt. Drei Viertel der Frauen gingen somit mit einem chirurgisch rekonstruierten Jungfernhäutchen in die Ehe. Der Eingriff soll dafür sorgen, dass die Braut nach der Hochzeitsnacht ihrer Schwiegermutter - wie es die Tradition verlangt - ein blutbeflecktes Bettlaken zum Beweis der unberührten Hochzeit zeigen können. Ben Smail beruft sich auf eine von ihr erhobenen Umfrage unter Ärzten und jungen Frauen.

Der Grund für die Zunahme vorehelicher sexueller Beziehungen sieht die Psychoanalystin in ständig steigenden Heiratsalter. Durchschnittlich geben sich die TunesierInnen mit rund 30 das Ja-Wort. Der erste sexuelle Kontakt fände bei jungen Frauen in einem Alter zwischen 16 und 22 statt. Die Traditionen zwinge die jungen Frauen ein Doppelleben zu führen. In den Jahren an der Universität erlebten sie eine Freiheit, die danach zum Problem werde.

"Alle wissen um die Möglichkeit eines chirurgischen Eingriffs", ist sich Ben Smail sicher. Zwischen umgerechnet 300 und 500 Euro kostet die kleine Operation. Die meisten Kliniken befinden sich in der Hauptstadt Tunis und im südlich gelegenen Sfax. Auch aus dem Ausland sollen, so Recherchen der französischen Presse, junge Muslima anreisen. Viele aus Frankreich, aber auch aus dem benachbarten Libyen.

Während in Tunesiens Öffentlichkeit diese Zahlen von vielen als übertrieben angesehen werden und die Autorin kritisiert wird, haben sich die religiösen Autoritäten längst auf die gesellschaftliche Realität eingestellt. Eine Fatwa, ein religiöser Rechtsspruch, erlaubt die Rekonstruktion des Jungfernhäutchens. "Die Autoritäten haben die Operationen für rechtmäßig erklärt, um den sozialen Zusammenhalt zu wahren. Für die Religiösen, stehen die Werten und die Diskretion, die es verbieten, das Intimleben zu enthüllen, über der Wahrheit", erklärt Ben Smail.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 38
1 2
mich hemmen

die hymen !!!

"Der Eingriff soll dafür sorgen, dass die Braut nach der Hochzeitsnacht ihrer Schwiegermutter - wie es die Tradition verlangt - ein blutbeflecktes Bettlaken zum Beweis der unberührten Hochzeit zeigen können."

Nur ein Laken? HA!

Man müsste vorher zum Fleischer gehn und sich so 10, 15 Liter Blut besorgen und damit Nitsch-artig das ganze Zimmer bearbeiten. Bett, Boden, Wände, Decke, alles.

Und dann fragt man die Schwiegermutter, ob ihr das so eh recht ist.

Ich versuch mir grad den Gesichtsausdruck meiner Mutter vorzustellen, wenn ihr die Schwiegertochter am Morgen nach der Hochzeit ein blutiges Leintuch unter die Nase hält ...

Wir schütten immer

eine heiße Milch drüber,
das macht auch eine Haut :)

Die sind völlig fertig:

Den Buben wollens immer was wegschneiden und den Mädchen was draufnähen - das ist der volle materialisierte Penisneid :-)

Um meinen Lieblingsgallier Obelix zu bemühen:

"Die Spinnen, die Religiösen."

Um "um den sozialen Zusammenhalt zu wahren"

muß das Häutchen rekonstruiert werden meint die geistliche Autorität. Ich denke viel eher, dass jene in eine Klinik gehört. Religion ist bestimmt heilbar!

mythos jungfernhäutchen

es ist eine farce - da wird operiert, wo es nichts zu operieren gibt - die mär vom jungfernhäutchen : Aber in einigen Kulturkreisen greifen Vermählte bis heute zu alten Tricks wie Tierblut, um den gesellschaftlichen Normen Rechnung zu tragen. Und auch in aufgeklärten, sexualliberalen Gesellschaften wird der Mythos von der Jungfernhaut eifrig fortgeschrieben. Im Sexualkundeunterricht, in der Wikipedia und in der Jugendzeitschrift Bravo – überall reißen die Häutchen.

http://www.freitag.de/autoren/d... zu-reissen
http://www.emma.de/news-arti... haeutchen/

Nicht wahr sein kann was nicht wahr sein darf

Habe versucht, der Mutter eines afghanischen Mädchens zu erklären, dass, medizinisch gesehen, der Befund des Hymens keine Aussage über Jungfräulichkeit zulässt. Antwort: Afghanische Frauen wären einfach anders gebaut ...

Auch hier in Österreich leiden so viele junge Frauen still vor sich hin wegen dieses Problems. Warum wird das nicht mehr von der Politik aufgegriffen ? Stattdessen haben wir die sinnlose Genderdebatte. Einerseits sinnbefreiter Geschlechterkampf und andererseits Ignoranz gerade dort, wo wirklich Unterstützung notwendig wäre.

Afghanische Mutter: Betracht die Hymen-Debatte als sinnlos.
yoghurtinator: Betracht die Genderdebatte als sinnlos.

Die "eigenen" Probleme erscheinen eigentlich meistens normal.

Billige Polemik

Die eigene Sexualität verleugnen zu müssen ist wohl gravierender als über ein paar lustige Binnen-Is zu diskutieren.

Wenn Sie die Ausbeutung weiblicher Arbeitskraft, die Objektivierung der Frau sowie die Unterwerfung weiblicher Sexualität und Körper auf ein paar Binnen-Is reduzieren, dann sagt das wohl mehr über Sie aus als über die Debatte.

Was genau

haben die von ihnen angesprochenen Punkte mit jenem Gendern zu tun, auf das ich mich in meinem Posting bezog ?

Bei Gender handelt es sich um ein umfangreiches wissenschaftliches Forschungsgebiet und ein klein wenig über geschlechtsgerechte Schreibweisen hinausgeht.

http://de.wikipedia.org/wiki/Gendern

definiert "Gendern" nicht ganz so weitläufig wie sie das gerne sehen würden.

Üben wir mal redliches Diskutieren.

Schritt 1: Wir schauen im Original-Posting nach, was Sie geschrieben haben:
"Stattdessen haben wir die sinnlose Genderdebatte."

Fällt Ihnen da ein "Gendern" auf? Nein? Mir auch nicht.

Schritt 2: Schlagen wir Gender auf Wikipedia nach.
http://de.wikipedia.org/wiki/Gender

Huch, da steht ja wirklich was!

Vieleicht wäre es langfristig effektiver den Frauen beizubringen der jeweiligen Schwiegermutter einen gewissen Finger zu zeigen.
Religion ist dogmatisierter Unsinn!

da kann nur eine (sozial-)psychologische großoffensive helfen.

Re: da kann nur eine (sozial-)psychologische großoffensive helfen

'
Eine pragmatische Lösung zur Ausrottung dieses gesellschaftlichen Problems könnte auch eine gesetzlich vorgeschriebene operative Durchtrennung des Häutchens gleich nach der Geburt sein.

Schliesslich macht die Gesellschaft ja bei Männern auch kein solches Theater (obwohl sie vor der Ehe auch nicht "sollten"), einfach da es nichts nachzuweisen gibt...

Das hat nur bedingt mit der Religion zu tun...

Ist eher kulturell bedingt.

Ähnliche "Vorschriften" der Jungfräulichkeit, gibt es auch in anderen Kulturen - z.B. bei den Roma.

Vielleicht sollte man schlicht mal die Kontrolle des Blutbefleckten Bettzeuges abschaffen. Muss der Schwiemu fad sein, dass sie nichts anderes zu tun hat am Morgen nach einer Hochzeit.

Wenn der soziale Zusammenhalt durch eine rechtlich gedeckte Operation aufrecht erhalten werden muss, stellt sich halt schon die Frage ob man sich vielleicht nicht doch mal mit der realen Situation auseinander setzen sollte.... und gegenfalls vielleicht ein paar neue Spielregeln fürs zusammenleben aufstellen sollte...

Solch einen heuchlerischen Blödsinn wie die Kontrolle

eines blutbefleckten Lakens durch die Schwiegermutter kann es nur in einem Land mit niedrigem zivilisatorischen Niveau geben!
Aufklärung? Aufgeschlossene sexuelle Einstellung? Rechte der Frauen? Arabischer Frühling?

"Die Autoritäten haben die Operationen für rechtmäßig erklärt, um den sozialen Zusammenhalt zu wahren."
was für eine doppelmoral. aber das ist ja nix neues in der welt muslimisch gerechtfertigter verrücktheiten.

na geh, doppelmoral findest überall.

schau nur in die usa oder nach australien oder nach kärnten. und wenn´s das in kärnten gibt ist wien auch nicht weit.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 38
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.