Amerikas Blindheit

Eric Frey
21. Juli 2012, 22:19
  • Kongresskandidat Ken Aden legt an.
    foto: reuters/slaton

    Kongresskandidat Ken Aden legt an.

Ja zum Waffenbesitz, Nein zum Klimaschutz – die Republikaner bestimmen die politischen Debatten

Schuldzuweisungen nach einem Amoklauf sind meistens fehl am Platz. Aber das ändert nichts daran, dass James Holmes, der mutmaßliche Attentäter von Colorado, das Blutbad vor allem deshalb anrichten konnte, weil er in seinem Heimatstaat problemlos Waffen kaufen konnte. In keinem anderen zivilisierten Land wäre das möglich gewesen.

Dennoch findet in den USA keine Debatte über Waffenbesitz statt. Die Republikaner haben mithilfe der Waffenlobby NRA und des Obersten Gerichtshofs viele der bestehenden Kontrollen und Einschränkungen aufgehoben.

Und die Demokraten trauen sich nicht, das Thema aufzugreifen. Denn eine große Mehrheit der Amerikaner ist gegen "Gun Control", und dies ist vor allem in jenen Staaten, wo Demokraten und Republikaner um die Mehrheit ringen, ein wahlentscheidendes Thema. Auch Präsident Barack Obama traut sich nicht, das heiße Eisen anzugreifen.

Dabei hat gerade das "Batman"-Massaker gezeigt, wie unsinnig das Argument der Waffenbefürworter ist, dass breiter Waffenbesitz zu mehr Sicherheit führt. Oder glauben sie wirklich, dass die Kids im Kino von Aurora hätten zurückschießen können und sollen?

Die gleiche Mauer des Schweigens ist beim Thema Klimaschutz in Kraft. Der Mittlere Westen erlebt gerade die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten, in diesem Sommer purzelt ein Hitzerekord nach dem anderen. Dass dies mit dem Klimawandel zusammenhängt, ist nicht bewiesen – aber das Gegenteil, dass nämlich diese extremen Wetterphänomene nichts mit dem Steigen der Erdtemperaturen zu tun hat, wird immer unwahrscheinlicher.

Und trotzdem beharren die Republikaner auf ihrem Nein zu allen Klimaschutzmaßnahmen und behauptet die Mehrheit in der Partei, dass Klimawandel eine Erfindung von verlogenen Umweltschützern und publicitygeilen Wissenschaftlern ist. Und auch hier haben die Demokraten zurückgesteckt: Das Thema findet im Wahlkampf gar nicht statt.

Die politische Realität ist trist: Amerika wird von einer obskuranten Sekte (mit)regiert, die bei einem für die Demokraten unglücklichen Wahlausgang im November die ganze Macht im Lande übernehmen könnten.  Und seit Jahren bestimmen sie die Richtung der öffentlichen Debatten. Ihre Blindheit gegenüber den einfachsten Fakten wird zur Blindheit der ganzen Nation.

Der Fanatismus ist bei den Republikanern Programm: Lieber lassen sie es zu, dass das Land zu Jahresende in eine fiskale Katastrophe schlittert, als dass sie mit den Demokraten eine Einigung suchen, zu der auch höhere Steuern gehören. Denn fast alle im Kongress, ebenso wie Präsidentschaftskandidat Mitt Romney, haben den vom Aktivisten Grover Norquist eingeforderten Schwur geleistet, niemals auch nur irgendeiner Steuererhöhung zuzustimmen.

Nur eine Wiederwahl Obamas und die Verteidigung der kleinen demokratischen Mehrheit im Senat kann ein Abgleiten der Supermacht in den völligen politischen Wahnsinn vermeiden. Aber selbst so schaut es um die politische Kultur im wichtigsten Land der Welt schlimm aus.

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es ist nicht sinnvoll zwei themenbereiche zusammen zu mischen, die absolut nicht zusammen gehören

Irgendwie ...

... putzig. Während unsere Regierung im Verein mit der EU unsere Kontoguthaben stiehlt, diskutieren wir hier aufgeregt das amerikansiche Waffenrecht, das niemanden von uns betrifft. :-))

Naja, die Parkpickerldebatte wurde aber auf Dauer auch langweilig

Witzig auch die Argumente von Waffenarren wegen Einbruche und so ...
Als ob die Einbrecher dann kommen würden wenn sie zu Haus sind bzw. müssten sie zu Hause die Puffn ständig geladen und griffbereit haben, was vor allem bei Kindern im Haus wohl keine gute Idee ist.

gab einen waffenliebhaber samt sohn der dadurch in ordentliche schwierigkeiten kam - jetzt ist er ruhig, anscheinend hat er umgedacht und erkannt dass es um seinen job geht wenn der kleine seine schiessvideos zeigt und dann in der schule droht er nimmt waffen mit.
http://derstandard.at/3109265

Nu!

Nach eingehender Untersuchung durch die Gerichte bekam der Vater seine kurzfristig beschlagnahmten Waffen wieder zurück, da festgestellt wurde, dass es sich bei der ganzen Sache um eine von hysterischen Müttern und diversen Medien (u.A. Der Standard) aufgeblasene Ente handelte.

Sie können sicher sein, sollte es nur irgendeine Möglichkeit gegeben haben dem Vater, welcher auch heute kein bequemer oder angepasster welcher ist, die Waffen zu entziehen, wäre dies geschehen. So war und ist alles in Ordnung und eigentlich keine Meldung wert.

? verantwortungsbewusst, aber ich weiss, die coolfraktion der waffennarren hier hätt auf die info dass ein notarsohn eventuell an waffen kommt dem eigenen kind eine pumpgun zum butterbrot in die schultasche gepackt mit den worten: "wenn er wieder deppert daherredt halt eam des unter die nase".
der wirbel hat ihn dazu gebracht den sohn ein bissl einzubremsen - und die erkenntniss dass wenn nur die kleinste kleinigkeit passiert er nicht die kleinste ausredemöglichkeit hat.
gesetze gehören auch hier geändert - minderjährige die mit scharfer munition ballern sind nicht ok.
was man so gehört hat baut das auch nicht die allgemeine agression ab, sprich der war trotzdem kein friedlicher typ.

ja, und sogar raubüberfälle gehen bei uns deshalb glimpflich aus da die täter keine sofortige gegenwehr erwarten. wär das der fall würden sie so wie in den usa gleich mit mehr gewalt beginnen, um ja keine gegenwehr zu riskieren.

Ähm, es ...

... werden bei uns laufend Leute schwer verletzt und getötet, ganz gleich ob sie sich wehren oder nicht. Lesen Sie öfter mal die Chronikseiten. Schwäche zieht Gewalt sogar magisch an.

drum sind newyork und kabul so sicher. kleiner fehler: die kids vorm kino müssen alle eine pumpgun tragen - um ja keine gewalt aufkommen zu lassen.
hingegen is man in amsterdam nicht sicher weil keiner ein gewehr dabei hat beim radeln

Naja, jedenfalls ...

... ist man im liberalen Vermont, wo sich jeder eine Pistole in den Hosenbund stecken darf, sicherer als in NYC wo Schußwaffen verboten sind und sogar Messer sowie Pfefferspray lächerlich detaillierten Regelungen unterliegen. Waffengesetz und Sicherheitsniveau haben nichts miteinander zu tun.

schön wärs - auch dort gibts tote durch schusswaffen, amokläufe usw.
es wär schon ein fortschritt wenn man den waffenbesitz verbieten würde.
auch bei uns sollte man die gesetze noch mehr verschärfen. es muss jedem klar sein dass mordwegzeuge mit der reichweite nicht in privathände gehören.

Seit der massiven Verschärfung ...

... unter Wladimir Iljitsch Blair (Totalverbot für Faustfeuerwaffen, Messertrageverbot etc.) ist in Großbritannien die Schußwaffengewalt sogar gestiegen. Es scheint als wäre so ein Verbot nicht nur wirkungslos, sondern sogar kontraproduktiv. Siehe Drogenprohibition. Schechte Idee, die Privatmoral linker Spießer in Gesetze gießen zu wollen.

nachtrag: soll antürlich heissen:

da kein schuss - sprich es kann dann nicht gefeuert werden.
weiters hat hier wer die zahlen eh schon relativiert warum es in england zu einem anstieg kam.

man muss halt scharf kontrollieren und die vorhanden waffen systematisch einziehen - wo keine waffe, da kein schutz.

Es gibt ...

... Safes, die man im Notfall mit Handabdruck u.ä. blitzschnell öffnen kann. Notwehr innerhalb der eigenen vier Wände kommt vor. Nur weil in den Medien nicht darüber berichtet wird und es vom BMI keine Statistik darüber gibt, heißt es natürlich nicht, daß es nicht vorkommt.

Waffen geben keine Sicherheit!

Eine gute Sozialpolitik und eine präsente Polizei schon!

Das mit ...

... der präsenten Polizei, die Sicherheit gibt, ist herzig. Die Polizei ist rechtlich noch nicht mal verpflichtet, einem Opfer Nothilfe zu leisten (zu hohe Eigengefährdung, taktische Gründe, ...) und braucht üblicherweise 30-45 Minuten, bis erst mal 2 Streifenpolizisten vor Ort sind.

ja, da ertschiesst dann der vater fast seinen sohn weil der früher und ungeplant vom urlaub zurückkam......

Das kommt praktisch nie ...

... vor und wenn, dann hat der Vater nicht verantwortungsvoll gehandelt und wird sich vor Gericht verantworten müssen. So einfach ist das.

Wegen tausender Autoraser werden Autos auch nicht verboten, und das ist gut so.

aber man muss vorher um viel geld und zeit einen schein machen, zum arzt, man wird regelmässig überprüft usw.
und das alles obwohl ein auto keine waffe sondern nur ein fortbewegungsmittel ist.

ohne waffen ist alles sicherer -einzig die waffenfirmen und die politiker die von denen geld bekommen haben interessa an aufrüstung im wohnzimmer.

Seit der Gesetzesnovelle 1997 sind Besitzer einer Waffenbesitzkarte wesentlich besser überprüft und geschult als Besitzer einer Führerscheins (d.h. zumindest alle 5 Jahre zur Nachschulung bezüglich der Handhabung und Verwahrung von Waffen, sowie der gesetzlichen Bestimmungen und regelmäßige Kontrollen durch die Polizei ob die Waffen und Munition daheim dem Gesetz entsprechend aufbewahrt werden).

Bezüglich des Führerschein:
Meine letzte Verkehrskontrolle liegt mittlerweile 10 Jahre zurück, die letzte VERPFLICHTENDE Schulung war in der Fahrschule vor 30 Jahren. So what?

danach sind waffensuizide und morde auch signifikant gesunken lt. einer studie. gut so.
das alles wohlgemerkt in österreich, nicht in den usa!
da gibts meines wissens tlw. keine/kaum überprüfung und schulung.

Sie sind schlecht ...

... informiert. Die Polizei überprüft die Verwahrung und die Handhabungsnachweise MINDESTENS alle 5 Jahre.

Wie wollen Sie ...

... das machen, daß Verbrecher und Irre keine Waffen haben. Soll das so funktionieren wie die Drogenprohibition, also gar nicht?

Mal abgesehen davon, daß die überwiegende Mehrheit der Opfer in Österreich erstochen wird. Der Rest wird erschlagen. Ergo: Völlig wurscht, ob Opi im Wohnzimmer auf einer Krachn sitzt oder ned.

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