Lage nach Unwettern in der Steiermark entspannt sich

22. Juli 2012, 08:34
388 Postings

Murpegel stiegen auf mehr als sechs Meter - Überschwemmungen nördlich und südlich von Graz - Ein verletzter Feuerwehrmann

"Das Schlimmste ist überstanden", hieß es Sonntagvormittag seitens der Landeswarnzentrale Steiermark. Die Pegelhöchststände sollten nach Berechnungen der Experten erreicht sein, Entwarnung sei das aber noch keine. In Deutschfeistritz und Wildon trat die Mur über die Ufer, Brücken sowie Unterführungen in Graz und Umgebung mussten aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Die Pegel erreichten mehr als sechs Meter. Ein junger Feuerwehrmann wurde leicht verletzt.

In Deutschfeistritz (Bezirk Graz-Umgebung), wo Samstagabend die Mur über die Ufer getreten ist, waren die ganze Nacht über die Freiwilligen Feuerwehren im Einsatz. Sprecher Dietmar Jantscher erklärte, dass sich die Lage Sonntagfrüh als stabil bezeichnen ließ. Sechs Feuerwehren mit 65 Helfern und 15 Fahrzeugen waren nach wie vor im Einsatz, haben die Kollegen der Nachtschicht abgelöst und versuchten mit Pumpen überschwemmte Gebäude trocken zu bekommen.

Zahlreiche Umleitungen

Insgesamt seien acht Gebäude, davon sieben Wohnhäuser, von den Fluten bis zu eineinhalb Meter unter Wasser gesetzt worden. Die Mur überschwemmte die Uferbereiche großflächig. Eine Evakuierung der betroffenen Gebäude war laut Jantscher vorerst nicht nötig. Nachdem sich die Gefahr eines erhöhten Pegelstandes in den Morgenstunden nicht verschärft hatte, versuchte man, mit Pumpen das hoch stehende Wasser im Uferbereich wegzuschaffen. Doch jene Menge, die man abpumpte, floss sofort wieder nach, erklärte der Feuerwehrmann. Ein junger Kollege von der Freiwilligen Feuerwehr Deutschfeistritz hat sich beim Einsatz leichte Verletzungen zugezogen, wurde ins Spital gebracht und befand sich am Sonntag schon am Weg der Besserung.

In Göß (Bezirk Leoben) stürzte am Samstag gegen 21.00 Uhr ein 51-jähriger Niederösterreicher mit seinem Pkw in den hochwasserführenden Göß-Bach, konnte sich aber selbst befreien. Während der Lenker mit dem Schrecken davonkam, konnte die Feuerwehr sein Fahrzeug vorerst nur sichern. Eine Bergung war nicht möglich. Im Grazer Stadtgebiet wirken sich gesperrte Brücken, wie etwa die Hauptbrücke, nicht nur auf den Individualverkehr, sondern auch auf den öffentlichen Verkehr aus. Laut Holding Graz muss der gesamte Ersatzverkehr für die Straßenbahnlinien 1, 3, 6 und 7, der im Sommer wegen Bauarbeiten mit Bussen geführt wird, über die Wielandgasse und die Radetzkybrücke ausweichen. Die Haltestellen Andreas-Hofer-Platz, Schloßbergbahn und Schloßbergplatz wurden vorerst nicht angefahren.

Eine Sperre nördlich von Graz musste am Samstag für die Unterführung zwischen Graz-Raach und Judendorf-Straßengel eingerichtet werden, denn sie stand beinahe einen halben Meter unter Wasser. Die Feuerwehr Judendorf-Straßengel pumpte mehrere 1.000 Liter Wasser aus der Unterführung ab. Die Arbeiten mussten jedoch nach einer Stunde eingestellt werden, da immer mehr Grundwasser nachfloss.

Murecker Schiffsmühle versunken

Zum mittlerweile vierten Mal innerhalb von zehn Jahren ist am Sonntag die Murecker Schiffsmühle in den Fluten der Mur versunken. In den Morgenstunden dürfte Treibgut im Hochwasser des Flusses das Beischiff getroffen und ein Leck geschlagen haben. Innerhalb von nur zwanzig Minuten ging es unter und zog das Hauptschiff in Schieflage, sodass dieses ebenfalls bis zum Dach unter Wasser stand, berichtete Paul Maier von der Freiwilligen Feuerwehr Mureck. Schon 2002 und zweimal im Jahr 2006 war die Touristenattraktion in der Südsteiermark gesunken.

Als die Helfer eintrafen, war die Mühle nicht mehr zu retten. "Es war zu gefährlich sie überhaupt noch zu betreten", erklärte der Feuerwehrmann. Weggeschwemmt kann das Gebäude zwar nicht werden, da es mit Stahlseilen gesichert ist, doch Schaden in Millionenhöhe sei zu befürchten.

Aufräumarbeiten

Betroffen war auch der bekannte Murradweg R2, der in den Nachtstunden an mehreren Stellen von der Mur überschwemmt wurde. Laut Landeswarnzentrale wurde das 30-jährige Hochwasser nicht wie prognostiziert erreicht. Dennoch trat die Mur wie befürchtet im Raum Wildon südlich von Graz an manchen Stellen über die Ufer.

In St. Lorenzen im Paltental blieb es die Nacht über ruhig. Sonntag gegen 7.30 Uhr starteten 181 Pioniere des Bundesheeres mit den Aufräumarbeiten. Die am Samstag teilweise abgeschnittenen Ortschaften seien zur Versorgung wieder erreichbar, hieß es von der Landeswarnzentrale. An der Zufahrt zum Ort Oppenberg werde noch gearbeitet. Zu den fünf Ortschaften, in denen am Samstag der Katastrophenalarm ausgerufen worden war (Etmißl, Thörl, Pusterwald, Kleinsölk und Tragöß), kamen über Nacht keine weiteren hinzu.

Die Sperre der Brucker Schnellstraße (S35) in Fahrtrichtung Norden ist Sonntag früh wieder aufgehoben worden. Laut Asfinag seien die Pegel ausreichend gesunken. Frei sei jedoch auf beiden Richtungsfahrbahnen jeweils nur ein Fahrstreifen. Die Einsatzkräfte hoffen, dass Montagvormittag die S35 wieder komplett für den Verkehr passierbar sein wird. (APA, 22.7.2012)

  • Die Murinsel in Graz nach den Unwettern.
    foto: standard/colette schmidt

    Die Murinsel in Graz nach den Unwettern.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Aufräumarbeiten nach dem Murenabgang in St. Lorenzen haben begonnen.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Murecker Schiffsmühle versank zum vierten Mal.

Share if you care.