Einzigartige Samenzellen

  • Äußerlich sind sie gleich, genetisch haben Spermien eines Mannes Unterschiede.
    illu: layla lang

    Äußerlich sind sie gleich, genetisch haben Spermien eines Mannes Unterschiede.

Forscher haben erstaunliche Unterschiede zwischen Spermien entdeckt: Von 91 untersuchten Samenzellen desselben Mannes glich keine der anderen

Stanford - Zum ersten Mal haben Forscher einzelne Spermien eines Mannes vollständig sequenziert und dabei eine überraschende Entdeckung gemacht: Bei der Analyse von 91 Samenzellen aus dem tiefgefrorenen Sperma eines Familienvaters stießen die Forscher um Stephen Quake von der kalifornischen Stanford University auf deutliche Unterschiede: Jedes Spermium war genetisch einzigartig.

Die Ursache dafür, warum jedes Kind (außer eineiige Zwillinge) eine jeweils einmalige Mischung aus väterlichen und mütterlichen Anteilen ist, liegt in der besonderen Art der Entstehung der Keimzellen: Bei der sogenannten Reifeteilung erhält jede Eizelle und jedes Spermium nur den halben Chromosomensatz einer normalen Zelle. Bevor die 23 Chromosomenpaare bei dieser Teilung getrennt werden, tauschen sie nämlich noch Gene und auch längere DNA-Abschnitte untereinander aus - und jede Keimzelle enthält somit einen vorgemischten, ganz speziellen Gencocktail.

Wie vielfältig diese Genmischungen sind, analysierten die Stanford-Forscher nun mit neuesten Methoden: Sie setzen eine Technik der Gensequenzierung ein, bei der das Erbgut vollautomatisch aus den einzelnen Spermien isoliert und sequenziert wird. Wie sie im Fachblatt "Cell" berichten, gab es bei den 91 untersuchten Samenzellen im Durchschnitt 23 Stellen, an denen die Gene anders verteilt waren als im Erbgut der Körperzellen. Bei einigen Spermien waren die Unterschiede logischerweise noch größer, bei zwei fehlten sogar zwei Chromosomen komplett. Insgesamt fanden die Forscher 2.075 Fälle von Rekombinationen

Die Resultate verdeutlichen nicht nur die enorme genetische Vielfalt, die bei der Bildung der Samenzellen erzeugt wird, die Forscher gehen zudem davon aus, dass ihre Analysemethode auch genutzt werden könnte, um die Ursachen von Kinderlosigkeit genauer zu bestimmen - oder dazu, das Genom einzelner Krebszellen zu untersuchen. (tasch/DER STANDARD, 21./22. 7. 2012)

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