Kollision Indiens mit Asien machte die Welt kühler

22. Juli 2012, 12:02
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Forscher: Vor 50 Millionen Jahren veränderten enorme Mengen Gips erst das Meer und dann die Atmosphäre

Toronto - Das Eozän vor 56 bis 34 Millionen Jahren war eine klimatisch gesehen abwechslungsreiche Epoche. Sie beinhaltete zu Beginn das sogenannte Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum, die wärmste Periode der Erdneuzeit - damals waren die Pole vermutlich vollständig eisfrei. Vor 50 Millionen Jahren begannen die Temperaturen dann kontinuierlich zu sinken, ein Trend, der sich mit einigen Unterbrechungen bis ins Eiszeitalter fortgesetzt hat, in dem wir immer noch leben.

Ein internationales Forscherteam hat nun anhand von Meeressedimentproben und Modellrechnungen festgestellt, dass plötzliche Veränderungen der Meeres-Chemie an diesem Abkühlungstrend stärker beteiligt waren als gedacht. Laut den Forschern um Ulrich Wortmann von der University of Toronto lösten sich vor etwa 50 Millionen Jahren gewaltige Mengen Gips im Ozean: Damals stieß Indien, das sich etwa 70 Millionen Jahre zuvor von Antarktika gelöst hatte und langsam nordwärts gewandert war, mit dem asiatischen Kontinent zusammen. Die im Gips enthaltenen Schwefelverbindungen veränderten schließlich nicht nur die Ökologie der umliegenden Meere, sie stiegen auch in die Atmosphäre auf und kühlten dort als Schwefelaerosole das Klima.

Dramatische Umwälzung ...

Bis vor kurzem habe man angenommen, dass sich die chemische Zusammensetzung des Meerwassers nur sehr langsam ändere, schreiben die Forscher. Aber inzwischen finde man immer mehr Hinweise auf kurze, plötzliche Unterbrechungen in dieser allmählichen Entwicklung.

"Als Indien mit Eurasien kollidierte, verstärkte dies die Erosion und Verwitterung der Gipsablagerungen dramatisch", schreiben Wortmann und seine Kollegen von der University of California in Santa Cruz. Dieser Zusammenstoß stauchte große Gebiete entlang der Nahtstelle beider Kontinente und verformte dabei eines der größten urzeitlichen Reservoire von wasserlöslichem Gips, wie die Forscher berichten. Als Folge gelangten sehr schnell große Mengen Schwefel in den Ozean. Diese plötzliche Schwemme veränderte den Nährstoffhaushalt des Meerwassers und beeinflusste auch die darin lebenden Organismen. 

... mit Auswirkungen aufs Weltklima

Gleichzeitig aber gab der Ozean auch einen großen Teil des Schwefels als feine Schwebstoffe an die Luft ab. Von diesen Schwefelaerosolen sei bekannt, beispielsweise aus Vulkanausbrüchen, dass sie abkühlend auf das Klima wirken, erklären die Forscher. Es sei daher naheliegend, dass diese durch den Gips ausgelöste Meeresveränderung auch zur zeitgleich beginnenden Klima-Abkühlung beigetragen habe.

"Dadurch könnte eine der wärmsten Perioden der jüngeren Erdgeschichte beendet worden sein", sagt Wortmann. Diese Erkenntnis verändere die Vorstellungen darüber grundlegend, wie sich die Meeres-Chemie im Laufe der Zeit verändere und wie sie das globale Klima beeinflusse, sagt Wortmann. (APA/red, derStandard.at, 21. 7. 2012)

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