Übergutachten auf dem Prüfstand

20. Juli 2012, 17:53
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Hypo: Jud-Analyse riet von Honorar-Rückforderung ab

Wien - Die Wendung in der Causa Birnbacher-Honorar lässt nun auch die Kärntner Landesholding aktiv werden. Am Montag tagt der Aufsichtsrat, entschieden wird, ob sich die Ex-Hypo-Eigentümerin nun vielleicht doch als Privatbeteiligte ans Strafverfahren anschließt. Das würde die etwaige Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen erleichtern.

Das Geständnis von Steuerberater Dietrich Birnbacher, dass sein Honorar mit sechs Mio. Euro deutlich überhöht war, tangiert aber nicht nur die Holding - sondern auch ihren letzten Gutachter in dieser Sache, den Grazer Universitätsprofessor für Unternehmens- und Wirtschaftsrecht, Waldemar Jud. Ihn hat der Aufsichtsrat der Holding Ende September des Vorjahres mit einer Art "Übergutachten" beauftragt.

Diese Bezeichnung wurde gewählt, weil ja die Holding vor Auszahlung des Birnbacher-Honorars fünf Privatgutachten mit der Causa befasst hatte. Man kam zur Ansicht, dass das Honorar angemessen war und die Holding es auch bezahlen durfte. Nach Bekanntwerden der Expertise von Gerichtssachverständigem Frank A. Schäfer (er hält Birnbachers Honorar für 39-fach überhöht) mandatierte der Aufsichtsrat (damals noch unter Josef Martinz, der heute auf der Anklagebank sitzt) Jud.

Mitte Dezember lieferte er auf 77 Seiten "die Ergebnisse unseres Forschungsprojektes" ab. Zentrale Aussage: "Eine Sorgfaltspflichtverletzung ... wurde weder von einem Mitglied des Vorstands noch von einem ... des Aufsichtsrats begangen". Der Vorstand habe "keine schlechte Vereinbarung" mit Birnbacher getroffen.

Vertragsanfechtung samt Rückforderung der Millionen befand Jud für " nicht zweckmäßig". Er sah darin die Gefahr, der Anspruch des Steuerberaters könne dann noch "weit höher liegen als die ... sechs Mio. Euro". Wie Jud die Sache heute sieht, war am Freitag nicht zu eruieren. (gra, DER STANDARD, 21./22.7.2012)

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