"Ein Milliarden-Event für die weiße Mittelschicht"

Interview | Sebastian Borger, 20. Juli 2012, 17:43
  • "Das ist doch albern", sagt Mark Perryman über die zentralisierte Olympia-Veranstaltung in London.
    foto: standard

    "Das ist doch albern", sagt Mark Perryman über die zentralisierte Olympia-Veranstaltung in London.

Der englische Sportsoziologe und Buchautor Mark Perryman zieht gegen Olympia ins Feld - Viele Londoner hätten ein "mulmiges Gefühl" und die Ansicht, die Spiele brächten ihnen gar nichts

Standard: Werden Sie bei Olympia live dabei sein?

Perryman: Logisch, ich freue mich drauf. Das wird eine tolle Party. Mein dreijähriger Sohn liebt Wasser, also gehen wir zum Wasserball. Keine Ahnung, was das für ein Sport ist. Wird sicher lustig.

Standard: Ihrem Buch zufolge halten Sie die Spiele in der jetzigen Form aber für keine gute Idee.

Perryman: Ich habe das Buch ja nicht aus Hass geschrieben. Ich bin und bleibe Sportfan, und Olympia ist ganz wichtig, seit ich als 13-Jähriger die Klebebilder für München 1972 gesammelt habe.

Standard: Das schreckliche Massaker palästinensischer Terroristen an israelischen Athleten und Betreuern leitete die zunehmende Betonung der Sicherheit ein.

Perryman: Das stimmt. Der Sicherheitswall rund um Olympia hat jedoch viel mehr mit den Firmen-Sponsoren zu tun als mit einer echten Bedrohungslage. Was das Münchner Attentat angeht, ziehe ich daraus eine andere Lehre: 40 Jahre danach nehmen Sportler aus Palästina an Olympia teil. Warum? Weil es einen langwierigen und mühsamen Friedensprozess gab. Man kommt Gruppen wie dem Black September nicht mit Gewalt bei, politische Probleme bedürfen politischer Lösung. Das gilt auch für die Situation in Afghanistan, wo unsere Armee im Einsatz ist.

Standard: Sie meinen, dann könnte man viele Sicherheitsmaßnahmen abbauen?

Perryman: Ein Teil dieser Diskussion hat ja auch damit zu tun, dass wir Briten gern ein bisschen angeben mit unseren Kriegsschiffen und Boden-Luft-Raketen. Das ist Teil unserer imperialen, martialischen Tradition. Aber viele Leute haben ein mulmiges Gefühl. Im Alltag sind wir nicht einmal an bewaffnete Polizei gewöhnt. Nun stehen an jeder Ecke uniformierte Soldaten mit ihren MPs. Gerade in den Stadtvierteln um Olympia mit ihrem hohen Anteil von Muslimen führt das zu einer wirklich unerfreulichen Atmosphäre.

Standard: Zumal dort viele sozial Schwache wohnen, die sich teure Tickets nicht leisten konnten?

Perryman: Das ist meine Hauptsorge. Dies ist ein Milliarden-Event für die weiße, wohlhabende Mittelschicht, angrenzende Stadtviertel werden ausgeschlossen. Dabei haben auch sie die Spiele finanziert. 50 Prozent der Londoner sind der Ansicht, die Spiele würden ihrer Region nichts bringen. In Nordwestengland liegt der Anteil sogar bei 78 Prozent.

Standard: Sie argumentieren ja: Olympia sollte kein Stadt-Event sein, sondern übers ganze Land verteilt werden.

Perryman: Das ist einer meiner Verbesserungsvorschläge. Wir sind ja ein wirklich sportbegeistertes Land. Nehmen Sie das Beispiel Hockey: Wir kennen diese Sportart, wir rechnen uns Chancen aus, ein Sport fürs ganze Land. Wo aber finden die Spiele statt? Nur in London, in einem einzigen Stadion mit 15.000 Plätzen. Das führt dazu, dass manche Spiele um 8.30 Uhr angepfiffen werden. Selbst wenn Sie nur eine Stunde entfernt wohnen, müssten Sie angesichts der Verkehrsprobleme und Kontrollen um 5.30 Uhr aufbrechen. Das ist doch albern. (Sebastian Borger, DER STANDARD, 21./22.7.2012)

MARK PERRYMAN (52) ist Gründer des Versandlabels Philosophy Football und unterrichtet an der Universität Brighton. Sein Buch "Why the Olympics aren't good for us" ist bei OR Books erschienen.

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Warum nicht ungekürzt?

Ich würd sagen/ehrlich hoffen, da ist mindestens eine Frage, die für denn Sinfluss vorteilhaft wäre, rausgekürzt. Damit ist der Printartikel eigentlich für die Tonne, aber das ist ein anderes Thema.

Was mich eigentlich interessiert: Warum kann man sowas online nicht in voller Länge bingen? Dann käme das Interview sicher besser. (Es sei denn, es war wirklich so schlacht geführt.)

Sportsoziologe - Wasserball - was ist das? - sicher lustig weils irgendwas mit Wasser ist

Weiter braucht man nicht mehr lesen. Es bleibt aehnlich seicht.

"Wasserball. Keine Ahnung, was das für ein Sport ist. Wird sicher lustig"

Hat offensichtlich keine Ahnung wovon er redet und zeigt das auch noch!

Wasserball ist übrigens die älteste olympische Mannschaftssportart und stammt aus England.

Und so jemand schreibt über die olympischen Spiele.

PS: Wenn der für seinen Sohn auch das Kino so auswählt ...

nein. das ist etwas englisches. nennt sich "humor".

in erster linie ist olympia ein riesengrosses tv-ereignis, insofern schon auch für alle schichten zugänglich.
an karten kommt man sicher auch leichter als für wimbledon oder eine fussball-europameisterschaft.
als sportfan, der er sich ausgibt, würd ich mir nicht die blösse geben, wasserball nicht zu kennen, da macht er keine punkte.
übers land verstreute ereignisse widersprechen halt dem sinn von olympia - alle sportler treffen sich und nicht jeder macht sein ding wie sonst das ganze jahr.

"übers land verstreute ereignisse widersprechen halt dem sinn von olympia"
Ach was, bei Winterspielen hat man auch mehrere Austragungsorte.
Sportstätte werden in London gebaut und wieder abgerissen, obwohl es in England für jeden "Schaas" ein 10.000 Zuseher Stadion gibt, die Rechnung bezahlt wie immer der Steuerzahler.

Wei Winterspielen können Sie aber die Abfahrt der Herren

nicht im Hockeystadion durchfühtren Curling, Hockey zB. aber schon;-))

beispiel?

Was wird gebaut fuer welche sportart und wieder abgerissen?

Water Polo Arena
Basketball Arena
Eton Manor (training pools and wheelchair tennis)
Royal Artillery Barracks (shooting)

ich ziehe meine frage, was extra gebaut und wieder abgerissen wird zurück, weil es jetzt nicht mein thema war (es gibt genug, was man dabei kritisieren kann, auch bei winterspielen. ich sage nur bobbahn!)

auch bei sommerspielen sind jetzt schon die segelbewerbe oft woanders - logisch! -
aber der gedanke hinter olympia bleibt und wird auch bei winterspielen - so gut wie möglich! eingehalten --

"alle sportler treffen sich und nicht jeder macht sein ding wie sonst das ganze jahr."

ja, ja, der sagt's uns ordentlich rein. der artikel ist ein ziemlich gutes zustandsbild. andererseits finde ich gerade deshalb london noch wesentlich verträglicher als all die "nobel-orte" der winterspiele oder das, was sich in sotchi abspielt. freilich mal abgesehen davon, dass man gerade in england das geld besser ins sozial- und gesundheitswesen gepumpt hätte als in den ausbau irgendwelcher prestigeobjekte und in die militärische sicherung.

im house of lords gibt man sich jedenfalls äußerst besorgt um den nutzen dieser spiele hinsichtlich der allgemeinen gesundheit des volkes http://www.publications.parliament.uk/pa/ld2012... /33/33.pdf

Wurde dieses Interview stark gekürzt oder was ist das?

der hat das nicht wirklich kapiert, warum Olympia fragwürdig geworden ist

hab mir mehr erwartet als so ein oberflächliches INterview...

geh zum Wasserball obwohlst ned waaßt wos des is...des sogt eh scho ois

Die Spanier weinen…

…Grund sind ihre Olympiaklamotten, die von der russischen Firma Bosco GRATIS entworfen wurden.

So sahen sie dann auch aus:

http://www.sbnation.com/london-ol... pics-bosco

Eine Mischung aus Taco Verkäufer bei KFC und einem unentschiedenen Faustkampf zwischen Ketchup und Mayonnaise.

DAS ist wirklich übel, noch schlimmer als die österreichischen dressen (when mao met lodenjanker..)

Warum weint der Mann auf dem Foto?

Lesen Sie doch das Interview

Er weint weil er für Hockey um 5:30 aufstehen müsste.

Lesen Sie genauer!

Um 5.30 aufbrechen.

"50 Prozent der Londoner sind der Ansicht, die Spiele würden ihrer Region nichts bringen. In Nordwestengland liegt der Anteil sogar bei 78 Prozent."

ganz falsche sicht der dinge, einer überfressenen gesellschaft.

http://www.youtube.com/watch?v=PzRg--jhO8g

Sie denken also, jeder Bürger sollte die Politiker nicht hinterfragen sondern nur schuften und die klappe halten?

hatte da vor kurzen ein nettes gespräch. ging um die lebensqualität in kleinen gemeinden.

viele kleine gemeinden sind nur attraktiv weil baugrund billig ist, oder sich die gemeinde nette sachen leistet.
ich meinte noch, ob es denn so toll sei wenn zB gemeinde A jetzt so oder so hoch verschuldet ist. mein gegenüber entgegnete folgerichtig, das es doch den bewohnern so was von egal ist, zahlt(e) ja quasi eh die allgemeinheit.
und so eine einstellung herrscht halt in sehr sehr vielen bereichen.
und wenn politiker sagen, nein wir bauen kein freibad weil es nicht rentable ist, müssen sie eh schon wieder um die wiederwahl zittern.
ich glaub ein bissal ändert sich diese einstellung eh schon, aber immer auf die politiker schimpfen ist mir zuwenig.

wenn er das wissen, die intelligenz, bildung, dazu aufbringt ok.
aber blöd auf irgendeinen wutbürgerschmäh aufspringen ist zu wenig.
mag auch sein, dass wir in der heutigen konsumwelt kaum mehr in der lage sind uns genügend zu informieren, einfach weil es öder ist als in irgendeiner bar cocktails zu saufen, oder sich irgendwelchen schwachsinn auf atv reinzuziehen,aber gut.

die paar wutbürger die ich für voll nehmen kann sind leider zu wenig um die gesellschaft vorwärts zu bringen.

Zum Glück kann man sich Ihre Sicht der "Demokratie" ungespitzt ins... ach lassen wir das.

manch einer aus der weißen Mittelschicht

greift noch mit einem halbgaren Büchlein ein paar Pfunde ab.

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