FWF setzt verstärkt auf Spenden privater Mäzene

20. Juli 2012, 17:17
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Präsident Kratky: "Auch wir haben zu wenig Geld, da sind private Personen bzw. Stiftungen willkommen", so FWF-

Wien - Der Wissenschaftsfonds FWF will künftig verstärkt private Finanzierungsquellen anzapfen und Spender bzw. Mäzene akquirieren. "Auch wir haben zu wenig Geld, da sind private Personen bzw. Stiftungen willkommen", so FWF-Präsident Christoph Kratky am Freitag vor Journalisten. Mindestens so wichtig sei aber auch der Aspekt, durch prominente Unterstützung die Grundlagenforschung als gesellschaftliches Thema zu verankern. Der FWF nimmt als einzige Organisation aus dem Wissenschafts- und Bildungsbereich an der Kampagne "vergissmeinnicht.at" teil, mit der Erblasser animiert werden sollen, in ihren Testamenten gemeinnützige Organisationen zu bedenken.

Als "Unique Selling Proposition" nennt Kratky die Qualitätssicherung des FWF über seine Review-Verfahren für wissenschaftliche Projekte. "Wir können garantieren, dass alles in Spitzenforschung fließt." Man verrechne keine Verwaltungskosten, 100 Prozent der Spenden gehen direkt in die Forschung. Der Spender könne beispielsweise Preise mit seinem Namen versehen lassen, sich ein Fachgebiet, ein Förderinstrument oder ein Thema für seine Zuwendungen aussuchen - "aber auf keinen Fall einen Empfänger", so Kratky: "Wir nehmen die Qualitätssicherung vor, da führt kein Weg vorbei."

Großspender bevorzugt

Primär will sich der FWF an potenzielle Großspender wenden, erläuterte der ehemalige Generalsekretär der Organisation, Gerhard Kratky, nun als Konsulent unter anderem für den Bereich Fundraising zuständig. Würde man auf Kleinspender setzen, bedeute dies automatisch den Aufbau einer größeren Administration. Die bisherigen Bemühungen des FWF hätten zwar vielversprechende Ansätze gezeigt, aber noch keinen konkreten Abschluss. Der Kontakt zu potenziellen Mäzenen sei "gar nicht so leicht, weil die werden belagert von Leuten, die ihr Geld wollen", so Christoph Kratky.

Habe man einmal einen Termin, stoße man aber durchaus auf Interesse, betonte Gerhard Kratky. Als Probleme sieht er, dass "Spendenaktive" bereits im Sozial- oder Kulturbereich engagiert seien und nicht noch eine weitere Schiene aufmachen wollten. Auch die Diskussion um Reichensteuern habe zu Verunsicherung geführt. Und schließlich hätten sich viele noch nie mit dem Thema Forschung auseinandergesetzt. Als Zielgruppe für den FWF sieht er die Top 500 der immer wieder veröffentlichten Vermögenslisten.

Dem FWF gehe es auch nicht nur gleich um Geld, betonte Christoph Kratky: "Wir wollen von den Mäzenen auch erfahren, was wir machen müssen." Mäzenatentum bedürfe einer Vorlaufzeit von Jahren, wie auch FWF-Aufsichtsratspräsident Wilhelm Krull, gleichzeitig Vorstandsvorsitzender des Deutschen Stiftungsverbands, bestätigt habe.

Stiftungen: Abstand zu Deutschland und Schweiz

Vom Wissenschaftsministerium wünscht sich Christoph Kratky eine Art Matching Funds: Damit würde es sich verpflichten, private Zuwendungen und damit die Wirkung der Spenden zu verdoppeln. Derzeit erhält der FWF an Privatzuwendungen lediglich Geld vom Fürsten von Liechtenstein für die Gleichstellung von liechtensteinischen Projektwerbern - "im Prinzip ist das eine Privatspende".

Derzeit beträgt das Spendenvolumen in Österreich rund 460 Millionen Euro im Jahr (2011). Österreich ist damit nicht Spendenweltmeister - hierzulande werde pro Person weniger gespendet als in Deutschland und der Schweiz, so Christoph Kratky, wobei aber der Abstand nicht groß sei. Starke Unterschiede gibt es aber bei den "professionellen Spendern". In Deutschland würden gemeinnützige Stiftungen pro Einwohner 183 Euro im Jahr ausschütten, in der Schweiz 109 Euro und in Österreich zwei Euro. Darüber hinaus sind in Österreich gerade einmal sieben bis acht Prozent der Privatstiftungen gemeinnützig, in Deutschland dagegen 95 Prozent. (APA/red, derStandard.at, 20. 7. 2012)

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