Zoo Salzburg: Pfeffer­spray für Tierpfleger

20. Juli 2012, 19:05
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Nach Sabotage soll ein Hochsicherheitstrakt für Geparden gebaut werden

Salzburg - Sie heißen "Raha" und "Juvi", sind 16 Monate und damit für Geparden im besten Halbstarken-Alter. Und wie Halbwüchsige eben manchmal sind, haben sie allerhand Blödsinn im Kopf. Und so nutzten die beiden Gepardenweibchen Raha und Juvi Anfang Juni die Gelegenheit und rissen durch eine halboffene Tür aus dem Gehege aus. Bei einem Schloss im Wärterbereich hatte sich die Verankerung gelöst. Am 1. Juli unternahm dann Juvi noch einen zweiten Ausflug nach draußen. Sie ist durch ein Loch im Gehegezaun entkommen.

Feuer am Dach

Und auch wenn in beiden Fällen niemand zu Schaden gekommen ist - beim ersten "Freigang" wollten die Flüchtigen sogar selbst wieder ins Gehege zurück, konnten aber den Weg nicht mehr finden - ist für die Zooleitung jetzt Feuer am Dach. Bis Ende Oktober dieses Jahres soll für die insgesamt sieben Geparden im Zoo Hellbrunn ein neues Gehege gebaut werden. Ursprünglich war die Sanierung der 4000 Quadratmeter großen Anlage für 2015 geplant. Das neue Areal wird ein echter Hochsicherheitstrakt: Gitter statt Wildzäune, Überhänge und Stromsicherungen.

Detail am Rande: Gesetzliche Vorgaben und Normen, wie ein Wildtiergehege abzusichern sei, gibt es keine. Das Tierschutzgesetz regle zwar detailliert Flächenbedarf oder Futterqualität, sonst heiße es nur, "die Tiere sind sicher zu verwahren", erläutert die Salzburger Zoochefin Sabine Grebner im STANDARD-Gespräch.

Geparden vor Menschen sichern

Die neue Anlage solle jedenfalls weniger die Geparden am Ausreißen hindern, vielmehr wolle man das Gehege einbruchsicher machen. "Wir müssen die Geparden vor den Menschen schützen", sagt Christine Beck.

Biologin Beck ist Mediensprecherin des Zoos und Geparden-Expertin in Personalunion. Und als Spezialistin für die lauffreudigen Großkatzen ist sie sich sicher: Diese hätten weder das Türschloss noch den Zaun beschädigt. "Die Schäden sind nicht von den Tieren ausgegangen", sagt auch Zooleiterin Grebner.

Wer hinter der - von der Zooleitung vermuteten - Sabotage stecken könnte, wollen Beck und Grebner nicht kommentieren. Dies sei Sache der Polizei. Dort ist man noch mit den Ermittlungen beschäftigt. Einfach sind die Erhebungen nicht, zumal der zweite Vorfall von der Zooleitung anfangs verschwiegen und erst Tage später die Polizei eingeschaltet worden war.

Zoo-Security

Auch Berichte in Lokalmedien über Drohungen gegenüber Zoomitarbeitern will man nicht kommentieren. Nur so viel: "Wir laufen jetzt mit einem Pfefferspray in der Tasche herum." Für das Gelände im Allgemeinen und die Geparden im Besonderen wurde ein Security-Dienst engagiert. Dass radikale Zoogegner der Organisation EndZoo hinter der Aktion stecken glauben Beck und Grebner übrigens nicht: EndZoo setze nur Worte ein. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 21./22.7.2012)

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    Die zwei Geparden-Weibchen Raha und Juvi mit ihrer Mutter.

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