Darabos: "Das ist gefährlich, wenn der Häupl das liest"

Interview | Karin Riss
21. Juli 2012, 10:37
  • "Unser Problem ist: Man kann einen Rettungsschirm nicht so kommunizieren wie ,Ich bin gegen Ausländer'", räumt Darabos ein. Marold fordert von der Politik dennoch: "Seids einmal radikal!"
    foto: standard/fischer

    "Unser Problem ist: Man kann einen Rettungsschirm nicht so kommunizieren wie ,Ich bin gegen Ausländer'", räumt Darabos ein. Marold fordert von der Politik dennoch: "Seids einmal radikal!"

  • "Ich bin ja nicht der burgenländische Marketingbeauftragte, das ist schon der Landeshauptmann."
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    "Ich bin ja nicht der burgenländische Marketingbeauftragte, das ist schon der Landeshauptmann."

  • "Die großen Parteien sind immer so wischiwaschi. Die wollen sich's mit keinem verscherzen."
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    "Die großen Parteien sind immer so wischiwaschi. Die wollen sich's mit keinem verscherzen."

Verteidigungsminister Norbert Darabos und Schauspielerin Eva Maria Marold über gemeinsame kroatische Wurzeln und fehlende Radikalität in der Politik

STANDARD: Welcher ist Ihr liebster Burgenländerwitz?

Norbert Darabos: Das Burgenland hat sich relativ gut entwickelt, sodass diese Witze nicht mehr diese Aktualität haben. Jetzt gibt es eher Witze über andere Bundesländer.

Eva Maria Marold: Stimmt. Ich bin generell eine schlechte Witzemerkerin und -erzählerin. Einer fällt mir ein: Warum fährt im Burgenland bei einer Hochzeit ein Mistwagen vor der Braut? Damit sich die Fliegen nicht auf die Braut setzen.

Darabos: Der ist ein bissl gemein.

STANDARD: Was sagt denn diese Art von Witzen über die Burgenländer?

Darabos: Die stehen für eine Geringschätzung des Burgenlandes, das als jüngstes Bundesland noch in den 1950er-Jahren keine asphaltierten Straßen hatte. Mittlerweile ist man in vielen Bereichen vorne. Ich bin ja nicht der burgenländische Marketingbeauftragte, das ist schon der Herr Landeshauptmann persönlich, aber: Wir haben mittlerweile die meisten Maturanten.

Marold: Auch der Tourismus boomt. Wir haben zwar keine Berge, aber eine Thermenlinie. Das Burgenland hat schon eine enorme Lebensqualität.

Darabos: Wenn das Belächeln zu Neid wird, hat man's geschafft. In meiner Jugend war das anders. Ich bin ja in Wien aufgewachsen. Mein Vater war Maurer, und damals gab es im Burgenland keine Arbeitsplätze. Ich bin also als Pendlerkind in Wien in die Schule gegangen, war hier fünfeinhalb Tage pro Woche, habe mich aber immer als Burgenländer gefühlt. Und ich bin einer der wenigen, die nach dem Studium zurückgegangen sind. Damals, als die Burgenländer nach Wien gekommen sind zum Studieren, haben sie nicht gesagt, dass sie aus dem Burgenland sind. Heute sagen sie es stolz. Auch ein Indikator dafür, dass sich einiges in der Bewertung verschoben hat.

STANDARD: Wie war Ihre Kindheit in der Grenzregion?

Darabos: Ich bin 300 Meter vom Eisernen Vorhang entfernt aufgewachsen. Da war die Welt für uns aus. Wenn wir in Loipersbach oder Schattendorf Fußball gespielt haben, haben uns die ungarischen Grenzsoldaten mit ihren Kalaschnikows zugeschaut. Das war schon beängstigend.

STANDARD: Wie wichtig waren Ihre kroatischen Wurzeln?

Marold: Als Kind war ich zu unreif, es als großes Plus zu sehen, Kroatin zu sein. Ich habe mich nicht viel darum geschert, weil es einfach so normal war. Heute bin ich stolz darauf und pflege das sehr. Ich wünschte, ich hätte besser Kroatisch gelernt. Meine Oma und meine Eltern haben kroatisch mit mir gesprochen, und ich habe deutsch geantwortet. In der Schule wurde Deutsch gesprochen, Kroatisch hatten wir nur als Unterrichtsfach.

Darabos: Ich habe meine persönliche Geschichte in meiner Diplomarbeit aufgearbeitet ("Zum Selbstverständnis der burgenländischen Kroaten in der 2. Republik", Anm.). Das führte fast zu einer Parteiausschlussdebatte. Es hat mir in der damaligen SPÖ ziemlich geschadet, weil die dabei nicht besonders gut wegkommt. Meine Elterngeneration wurde indoktriniert von der Analyse, die führende kroatischsprachige Sozialdemokraten damals - durchaus aus Selbsterfahrung - hatten. Die wurden in Wien ein bissl diskriminiert, wurden depperte Krowotn oder Tschuschn genannt. Dann sind sie ins Burgenland zurückgekommen und haben gesagt: Du musst diese Sprache verleugnen, damit du den sozialen Aufstieg schaffst. Damit war es auch für unsere Generation schwierig, weil viele Eltern so gedacht haben.

STANDARD: Warum haben Sie mit 17 noch einmal Kroatisch gelernt?

Darabos: Ich habe es als Kind gelernt, bis zum siebenten Lebensjahr. Dann bin ich in Wien in die Schule gegangen, da ist das verdrängt worden. Und dann hab ich mir gesagt: Das kann es ja nicht sein. Man kann sich ja nicht selbst verleugnen. Umgekehrt muss es sein: Das ist ein Mehrwert, um dessen Anerkennung man kämpfen muss. Nicht Assimilation ist das Ziel, sondern Integration, aber mit Betonung der eigenen Wurzeln.

Marold: Das gilt auch für Dialekte. Ich finde das dermaßen deppert, wenn ich etwa von einem Kollegen weiß, der Bua is aus Murau oder wos was i, und dann spricht der so ein Burgtheaterdeutsch. Da denk ich mir: O Mann, was ist jetzt mit dir los? Klar, für die Arbeit brauchen wir eine verständliche Sprache. Aber ich habe meinen Dialekt, und der gehört gepflegt.

STANDARD: Haben Sie Ihre Kroatischkenntnisse noch gefestigt?

Marold: Ich lern es jetzt mit Langenscheidt und Hueber-CDs, beim Bügeln und Autofahren, als Hirntraining.

STANDARD: Wie reden Sie zu Hause?

Darabos: Deutsch und kroatisch. Meine Kinder reden mit meiner Frau nur kroatisch und mit mir gemischt. Aber es ist oft so: Wenn ich bei uns ins Wirtshaus gehe, werde ich auf Deutsch angesprochen, und ich antworte auf Kroatisch. Aber die reden trotzdem deutsch mit mir.

Marold: Mit meinen Kindern singen Oma, Opa und Uroma kroatische Volkslieder. Ich rede ein bisserl englisch mit ihnen. Ich finde es sehr wichtig, mehrsprachig aufzuwachsen, besonders wo wir Teil der EU sind.

STANDARD: Können Sie Kroatisch als Politiker nutzen?

Darabos: Ich war vor kurzem beim Croatian Summit, einem Treffen von 18 europäischen Staatschefs. Da gibt es schon einen anderen Zugang zum kroatischen, serbischen und bosnischen Vertreter, wenn man mit denen in deren Muttersprache reden kann. Nur, sie wundern sich ein bisschen über uns, denn dieses Kroatisch, das wir sprechen, ist ja ein archaisches Kroatisch, das heißt, es hat sich über 470 Jahre konserviert ...

Marold: ... Mittelhochdeutsch auf gut Deutsch ...

Darabos: ... und die wundern sich dann über gewisse Begriffe.

STANDARD: Max Frisch fragt in seinem "Fragebogen": Was bezeichnen Sie als Heimat?

Marold: Ich bin in mir selbst Heimat. Heimat ist für mich dort, wo ich bin. Ich weiß, ich bin burgenländische Kroatin. Das nimmt mir keiner, egal wo ich bin. Und ich habe wirklich schon in vielen Teilen dieser Welt gelebt. Und ich habe mich überall wohlgefühlt. Sei es Los Angeles, Ghana oder Sizilien. Ich bin überall zu Hause.

Darabos: Heimat ist für mich, wo ich zu Hause bin: In dem Fall ist das für mich das Mittelburgenland, konkret meine Heimatgemeinde Kroatisch-Minihof. Aber meine Verwandten in den USA ...

Marold: ... das sind wahrscheinlich eh dieselben wie meine. Weil: Meine Oma väterlicherseits ist aus Kroatisch-Minihof ...

Darabos: ...und die sagen, sie sind dort zu Hause. Aber daheim sind sie bei uns. Der Heimatbegriff beinhaltet für mich also schon mehr als Ihre Definition, Frau Marold. Ich als Wien-Pendler muss sagen: Das ist eine tolle Stadt, aber ich habe Wien nie als meine Heimat gesehen. Das ist vielleicht gefährlich, wenn der Häupl das liest.

STANDARD: Noch mal Frisch: Kann Ideologie zu einer Heimat werden?

Marold: Zu einem Gefängnis.

Darabos: Das mag jetzt vielleicht konservativ klingen, aber ich glaube, wenn man sich werteorientiert ein Korsett gibt, ist das okay. Engstirnigkeit ist der falsche Weg. Das haben die Ideologien gezeigt, die Gott sei Dank Vergangenheit sind, wie die kommunistische oder die auf der rechten Seite. Das Wort Ideologie gefällt mir nicht. Ein Wertesystem ist okay.

Marold: Ideologie ist ein patschertes Wort. Das ist so ein Korsett, in das man sich hineinzwängt. Mit Lebensphilosophie kann ich mehr anfangen. Ideologie hat so etwas Statisches: Auch wenn sich rund um mich die Welt verändert, darf ich von dem nicht abweichen.

Darabos: Im politischen Bereich ist es gut, wenn es ein Koordinatensystem gibt. Die Zugänge müssen sich aber ändern. Weil man nicht mit dem Parteiprogramm des Victor Adler die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts bewältigen kann. Aber manche Leute brauchen eine Orientierung ...

Marold: ... da wird dann oft Religion zur Heimat. Oder zur Ideologie. Wenn es die Politik nicht mehr zusammenbringt, bekommen die Kirchen Zulauf.

STANDARD: Aber nicht die katholische.

Marold: Nein, weil die an einer Ideologie festhält, die nicht funktioniert im 21. Jahrhundert.

Darabos: Die katholische Kirche hält an überholten Formeln fest. Da kommt es automatisch zu einem Vertrauensverlust. Man muss sich ja nicht verbiegen. Aber wenn man nicht flexibel genug ist, zu adaptieren und auf die Interessen der Leute zu hören, führt das bei Parteien zum Wählerverlust, bei der Kirche zu Austritten.

STANDARD: Wo fehlt der SPÖ die notwendige Adaptionsfähigkeit?

Darabos: Ich glaube, dass wir uns schon einigermaßen bewegt haben. Aber wir haben sicherlich noch einen großen Aufholbedarf. Das Problem der Sozialdemokratie ist derzeit eher, dass die Leute das Gefühl haben, die Börse bestimmt und nicht die Politik.

Marold: Die Parteien trauen sich nicht, unpopuläre Maßnahmen zu setzen. Und die mit inkorrekten Parolen haben den großen Zulauf, weil sie sich einfach etwas trauen. Die großen Parteien sind immer so wischiwaschi. Die wollen sich's mit keinem verscherzen, damit sie keine Wähler verlieren. Damit verlieren sie aber die Glaubwürdigkeit. Meiner Meinung nach wird die Politik gänzlich von der Wirtschaft bestimmt. Da sind keine großen Ideologien mehr dahinter. Die Ideologie ist: nur ja nicht Unpopuläres machen, damit ich keine Wähler verliere.

Darabos: Da muss ich jetzt Einspruch erheben, weil: Die Geschichte mit dem Rettungsschirm ist ja keine populäre, aber eine notwendige Maßnahme, ist Verantwortung. Die anderen brauchen keine Verantwortung tragen, sie machen trotz besseren Wissens populistische Oppositionspolitik. Logisch. Unser Problem ist: Man kann einen Rettungsschirm nicht so kommunizieren wie "Ich bin gegen Ausländer".

Marold: Am Sonntag hab ich mir beim Bügeln die Pressestunde angeschaut. Da zieht's mir alles zam. Die reden und reden und reden, und ganz Europa läuft ins offene Messer. Nicht einmal, sondern wir nehmen noch dreimal Anlauf. Dann hab ich umgeschaltet und habe mir eine Schlagersendung mit Jürgen Drews angeschaut. Weil: Die Leute wollen sich unterhalten. Alles andere regt sie dermaßen auf. Immer dieses Diskutieren. Seids einmal radikal! Für meinen Job ist es gut. Weil: Die Leute wollen Leichtigkeit sehen, damit sie wieder gute Laune haben. Die wollen unterhalten werden. (Karin Riss, DER STANDARD, 21.7.2012)

NORBERT DARABOS (48) ist das Kind zweier Wien-Pendler aus dem burgenländischen Kroatisch-Minihof. Dorthin fährt er fast jeden Tag von der Rossauer Kaserne nach Hause. Darabos studierte Geschichte und Politikwissenschaften und wurde kurz nach seinem Zivildienst Landesleiter des Dr.-Karl-Renner-Instituts Burgenland. 2003 wechselte als SPÖ-Geschäftsführer in die Bundespolitik, 2007 machte ihn Alfred Gusenbauer zum Verteidigungsminister. Darabos ist verheiratet und hat zwei Kinder (17 und 19 Jahre).

EVA MARIA MAROLD (43) kommt aus Hornstein im Burgenland. Bevor die Schauspielerin (u. a. Soko Kitzbühel) und Kabarettistin (derzeit: Working Mom; immer freitags: Was gibt es Neues? im ORF)) mit kroatischen Wurzeln nach Wien zog, lebte sie mehrere Jahre in Los Angeles, Sizilien und Ghana. Dort adoptierte sie 2009 ihren heute siebenjährigen Sohn. Ein eigener Sohn folgte im selben Jahr. Im Oktober veröffentlicht die alleinerziehende Mutter ihren ersten Roman im Amalthea-Verlag: Zu wahr, um schön zu sein.

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Es geht nicht darum wie etwas kommunziert wird, sondern darum, dass einerseits Milliarden ins Ausland wandern - Stichwort ESM - und anderseits hier in Österreich die Steuern erhöht werden und Belastungspakete verabschiedet werde.

Stark gestiegene Steuern:
http://derstandard.at/134294744... raeftig-zu

...Daras Antwort auf die Einstiegsfrage fand ich typisch....

..."Über sich selbst lachen zu können" gehört sicherlich nicht zu seinen Stärken ...

..aber das ist für unsichere Menschen eh typisch...

und wie....

kommen sie auf die idee, dass er damit gemeint war? es gibt sicher witzigere witze als diesen im übrigen.....
(kennen sie den von den journalisten, die nicht lachten, als dörfler einen "witz" erzählte? :-)

Dara-busch hat aber einen großen busch

Wieso nicht?

Darabos: "Man kann einen Rettungsschirm nicht so kommunizieren wie "Ich bin gegen Ausländer"

Frau Marold trifft den Nagel auf den Kopf. Die Leute wollen mutige Politik, die auch unpopuläre Maßnahmen aufrichtig vertritt und nicht versucht sie heimlich an Wählern und Wählerinnen vorbei zu schwindeln.

Etwa:
"ESM - denn Europa hält zusammen"
"ESM - weil wir nie wieder Krieg in Europa haben wollen"
"ESM - weil auch dein Erspartes betroffen sein könnte"
etc.

Warum eigentlich nicht?

ESM-weil wir nie wieder Krieg wollen?

Selten so einen dümmlichen Stumpfsinn gelesen.

Das mit dem Ersparten triffts hingegen genau -auch wenn Sie es wohl andersrum meinen.

Gute Idee!!! Wie wäre es ala FPÖ mit:

ESM statt BSE.

oder wie die aktuelle Würschtlstanddebatte zeigt:

Lieber ESM als DÜRÜM

Das lässt sich tatsächlich schwer beantworten, aber im Prinzip gibt Frau Marold bereits die Antwort

Man sagt besser gar nix, bevor man noch irgendeinen Wähler mit irgendeiner Aussage abschrecken könnte.

Dass dieser Weg nur ins Dunkel führen kann hofft man irgendwie aussitzen zu können.

Was Politiker heute einfach nicht begreifen wollen ist der Umstand dass die Wähler durch NLP-Duschen heute zu Schwämmen geworden sind ... Man hat sie mit derart marginalen Nichtaussagen über Jahre und Jahrzehnte unterfordert, dass klare Ansagen geradezu händeringend erwartet werden.

Und nein, es muss keine Dodelvereinfachung ala Strache und Konsorten sein.

Man darf durchaus mal Komplexeres in Worte fassen, aber der Wähler will schon das Gefühl haben ernst genommen zu werden.

irgendwie merkt man auch an den beiden - wenn die so sehr an ihren wurzeln hängen - wofür ich auch allerhöchstes verständnis habe - wie schwer integration generell ist!

inwiefern sind burgenlandkroaten nicht integriert?

ich verstehe ihr Bezugssystem nicht .. wohin sollten diese sich integrieren? In welche Richtung?

Die österreichische Gesellschaft ist immerschon eine multiethnische gewesen, kroaten waren seit der Entstehung Österreichs an der Ethnogenese dieses Raumes immer wieder beteiligt und haben auch zur Definition von ebendiesem beigetragen .. also was haben autochtone Volksgruppen mit Integration zu tun?

ich hab weniger das kroaten-sein sondern das burgenländer-sein gemeint.
eine gewisse distanz der beiden zum bundesland "wien" ist herauszulesen und wird bei den beiden wohl auch immer bleiben.
und da gibt es eben viele österreicher, die in wien leben und das so ähnlich empfinden.
und wenn das schon bei österreichern eine, zwei generationen dauert, sieht man eben, wie schwer integration generell ist

ca 80%

der bevölkerung lebt nicht in wien - es kann also nicht sein, dass man von 100% der bevölkerung verlangt, wien irgendwie besonders herauszustreichen. und von der wiener bevölkerung stammen auch viele aus anderen bundesländern (was, da wiens einwohnerzahl nicht rasant wächst, impliziert, dass auch leute die stadt wieder verlassen...)

????

dann lassen sie sich mal ihre wurzeln, welche auch immer dies sein mögen, von anderen in frage stellen. ich stelle diese jetzt einfach mal zur disposition und sag, dass ihnen integration schwer fällt - integration in einem land, in dem es eben auch seit jahrhunderten volksgruppen gibt.

"integration" unter anführungszeichen.
ich kenn viele zuagraste aus den bundesländern, die sich nicht als "wiener" bezeichnen lassen würden, sich auch in wien mit ehemaligen landsleuten gleich viel schneller verbunden fühlen etc.
umso mehr verständnis kann ich daher für echte zugewanderte empfinden

es geht auch um wurzeln in bezug auf die integration! wenn die eltern kroatisch können und die großeltern, dann hat man doch wohl migrationshintergrund. man gilt auch im dorf oder stadt als jemand anderes...es ist so! viele, v.a. die slawen verleugneten ihre herkunft und können nun beide sprachen recht mäßig oder eine sehr schlecht, hinzu kommt noch die frage: was bin ich, wie definiere ich mich.

worauf ich hinaus will: man darf integration nicht mit assimilation verwechseln!

siehe "wählerwille"....

und ansonsten: wer bestimmt, was "gilt"? wer "man" ist? wollen menschen selbst als "jemand anderes" gelten oder ist das eine vorstellung einer umgebung? meistens werden beschreibungen von menschen als "anders" aufgrund irgendeines merkmals nicht von diesen selbst gewünscht oder formuliert, sondern von anderen. und dies fast immer, um nicht gleich zu behandeln, rechte vorzuenthalten, für sich selbst privilegien zu reklamieren und das eigene verhalten zu rechtfertigen (ein diskriminierendes verhalten). es muss nicht immer so extrem sein, aber extreme beginnen bei "die sind anders" oder "die/der ist anders"....

und nein, man hat keinen migrationshintergrund nur weil die eltern oder grosseltern kroatisch sprechen

schliesslich handelt es sich hier um keine migranten sondern autochtone minderheiten.

viele Slawen in Österreich sind als "ethnie" technisch gesehen vor den Bajuwaren schon vor Ort gewesen, wenn auch diese speziellen kroatischen Gruppen in NÖ oft erst im Zuge der Wiederbesiedlung entvölkerter Landstrichem, nachdem dort die Türken gewütet hatten, sich ebendort ansiedelten.

Sehr interessant hier auch die Geschichte der Weinviertler Kroaten. Oder auch der Waldviertler "behm".

"migrationshintergrund"

lehnen aber auch die als begriff ab, die selbst oder ihre eltern eingewandert sind. weils einen menschen darauf als merkmal reduziert, obwohl es sicher nicht so gemeint ist. es war mal besser gemeint als politisch nicht korrekte bezeichnungen, ist aber ein unterscheidungsmerkmal aus sicht der mehrheitsgesellschaft. es ist aber besonders absurd, wenns um menschen geht, deren vorfahren länger hier leben als die vieler anderer. wobei die anderen die sprachen, die ihre vorfahren mitbrachten, eben nicht mehr können. ich kann mir schwer vorstellen, dass tatsächlich menschen mit migration vor 500 jahren oder so nicht perfekt deutsch können (und die 2. muttersprache eben wegen assimilation oft nicht so gut).

es geht nicht um 500 jahre, es geht um 2 bis 3 generationen.
kennen sie menschen mit migrationshintergrund, die den begriff "migrationshintergrund" ablehnen? was sagen die stattdessen? die, die ich kenne, mich eingeschlossen, finden diesen begriff besser, da er noch nicht negativ konnotiert wird wie beispielsweise ausländer. wie oft musste ich mir in meiner jugendzeit etwas über die ausländer anhören...
man wird nicht nur auf ein merkmal reduziert, man wird auf ein merkmal erweitert.

ihre 2 oder 3 generationen

treffen auch auf die zu, die gegen ende der donaumonarchie in das gebiet kamen, das dann österreich wurde. aber eben auch vorher lange dazu gehörte. da wirds dann ebenfalls etwas seltsam mit begriffen - die ja bloss "politisch korrekt" sein sollen. wobei es den leuten sicher wurscht ist ob sie "mit migrationshintergrund" oder "als auslända" einen job nicht bekommen...

also ich sehe mich nicht als ausländer! bin hier geboren und österreich ist meine heimat. deutsch hat auch (leider) meine erstsprache total verdrängt, sodass ich sie sehr schlecht spreche. ich könnte gerne beide gut. die österreichische staatsbürgerschaft besitze ich auch. demnach bin ich kein ausländer, sondern habe lediglich migrationshintergrund. die frage der heimat, ist eine, die jeder selbst für sich beantworten muss.
und ausländer ist etwas anderes als migrationshintergrund!

wohl jeder/m selbst überlassen

manche brauchen halt zb die stammtische der leute aus dem bundesland, in dem sie geboren wurden.... andere können das nicht nachvollziehen... aber was sie meistens beobachten können, ist dass man, wenn man mit jemandem aus dem heimatbundesland spricht, rasch in dialekt fällt (ist das auch schon "nicht integriert"? :-)

Natuerlich sind die alle integriert. aber ihr bsp mit dem dialekt und den bundeslaender-stammtischen beweist ja im groessenschluss die richtigkeit meiner aussage

dialekt ist was anderes

ich glaub kaum, dass jemand wegen dialekt diskriminiert wurde oder wird...

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