Fremdschämen

20. Juli 2012, 17:33
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Man scheint einfach nicht ohne den Eis-am-Stiel-Faktor auszukommen

Es wurde 2010 zum österreichischen Wort des Jahres gekürt und bezeichnet das unangenehme Gefühl, wenn jemand anders etwas so Peinliches tut, dass man sich selbst schämt: Fremdschämen. Diesen Sommer könnte es eine Renaissance erleben. 

Denn ProSieben-Tochter Kabel eins macht es sich zur Aufgabe, uns in der heißen Jahrezeit mit den "besten deutschen Sommerkomödien" zum Lachen zu bringen. Und worüber lacht man lieber als über Sex - vor allem dann, wenn er gründlich schiefgeht. 

Das Konzept "Loser auf Partnersuche" zieht sich durch die Filme, ob nun ein Pubertierender beim Flirten unter Verlegenheitsblähungen leidet, ein Bundeswehrdiener Freundin und Mitbewohner bei abstrusen Sexspielchen ertappt oder ein Unfallopfer Impotenz vortäuschen muss, um Schmerzensgeld zu kassieren, wie am Sonntag in Tote Hose - kann nicht gibts nicht.

Es handelt sich zu einem großen um Teil Eigenproduktionen der Reihe Made by ProSieben, aus derselben Werkstatt, der auch Titel wie Endlich Sex! oder War ich gut? entstammen. Man scheint einfach nicht ohne den Eis-am-Stiel-Faktor auszukommen.

Doch auch wenn unsere Nachbarn nicht gerade für ihren Humor weltberühmt sind, tut Kabel eins mit dieser Auswahl der deutschen Komödie Unrecht. Goodbye Lenin!, Sonnenallee oder Schtonk! haben bewiesen, dass man auch als Nicht-Pubertierender Spaß am Film haben kann. 

Was das Fremdschämen angeht: Die Vergangenheitsform ist übrigens "ich habe mich fremdgeschämt" - nur für den Fall. (Barbara Wallner, DER STANDARD, 21./22.7.2012)

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