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Auch Dirigent Claudio Abbado kommt nach Salzburg.
Salzburg - Als hätte er nicht jeden Salzburger Sommer ausreichend Zeit zu sterben, muss der arme, reiche Jedermann diesmal seinen Urlaub noch früher als sonst abbrechen.
Es beginnt dieses Jahr in Salzburg alles etwas zeitiger; der neue Intendant der Salzburger Festspiele, Alexander Pereira, setzt in seiner ersten Saison auf Expansion: Vor dem eigentlichen Beginn der Festspiele (mit der obligaten Eröffnungsrede, die heuer vom Schweizer Germanisten Peter von Matt am 27. Juli gehalten wird) setzt Pereira eine sogenannte "Ouverture spirituelle" an und integriert in diese einwöchige Ansammlung von prominenten Künstlern, die geistliche Musik umsetzen, auch den Jedermann.
Selbiger erleidet also schon ab diesem Wochenende am Domplatz sein Schicksal, während Dirigent John Elliott Gardiner in der Kollegienkirche am Samstag parallel (20.30) mit seinem Monteverdi Choir Werke von Tallis, Byrd, White, Philips und Tomkins interpretieren wird.
Auch um Mozart tut sich bei der "Ouverture" Interessantes: Amadeus ist mit einer Sakramentslitanei und der Missa longa im Dom seiner Geburtsstadt präsent. Eigens dafür werden - mit Erlaubnis des Dommuseums - historische Gobelins aufhängen, die bezüglich der Akustik jene Verhältnisse herstellen sollen, die Mozart selbst erlebte, als er einst im Dom musizierte.
Für Qualität sorgt Dirigent Nikolaus Harnoncourt, der mit seinem Concentus Musicus Wien und dem Arnold Schoenberg Chor arbeitet (am 29. Juli, 16.00). Ein wirklich rarer Salzburg-Gast ist auch in Sachen Mozart zugegen: Claudio Abbado kommt mit seinem Orchestra Mozart, um eines der frühen geistlichen Werke des Komponisten- die Waisenhausmesse - mit Schubert zu kombinieren (28. Juli, 20.30).
Der konzeptuelle Grund für das ganze Ouverture-Unterfangen? "Ich dachte, dass diese Stadt mit ihrer Tradition, ihren Kirchen und mit der Festspielidee einen besinnlicheren Anfang gut vertragen könnte", so Pereira, der dabei auf Vielfalt setzt. "Ich wollte dieses Festival geistlicher Musik nicht nur auf die christliche Tradition beschränkt sehen." Heuer wird also auch das Judentum beleuchtet, 2013 soll der Buddhismus folgen, im Jahr darauf der Islam. Heuer konkret: Die jüdische Seite der musikalischen Spiritualität soll durch Ernest Blochs Avodath Hakodesh für Bariton und Orchester, Arnold Schönbergs Kol Nidre op. 39 sowie Noam Sheriffs Mechaye Hametim repräsentiert werden.
Zu aller Besinnlichkeit passt natürlich ein unmusikalischer Termin gar nicht. Am 26. Juli ist jene Kuratoriumssitzung, bei der über Pereiras Budgetwünsche für 2013, die für heftigsten Wirbel gesorgt haben, entschieden wird. Die Aura der sakralen Musik wird aber wohl auch hier ihre friedensstiftende Wirkung entfalten. (Ljubisa Tosic
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