Sprachpapst Wolf Schneider über die Liebe zur Lüge

  • Symbolfigur fürs Schwindeln: Pinocchio.
    vergrößern 600x832
    foto: eltopo / istockphoto

    Symbolfigur fürs Schwindeln: Pinocchio.

  • Scheitern: Martha (Liz Taylor) und George (Richard Burton) in E. Albees 
Stück: "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" (Verfilmung 1966).
    vergrößern 750x556
    foto: warner bros.

    Scheitern: Martha (Liz Taylor) und George (Richard Burton) in E. Albees Stück: "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" (Verfilmung 1966).

Thomas Mann hat es gemacht und Ernest Hemingway auch. Aber wer gibt sich nicht ab und an gerne einer Selbsttäuschung hin?

Die Wahrheit über das Phänomen Lebenslüge.

"Die gewöhnlichste Lüge", sagt Nietzsche, "ist die, mit der man sich selbst belügt. Das Belügen Anderer ist relativ der Ausnahmefall." Lebenslüge heißt unser Wort dafür, seit der norwegische Dramatiker Henrik Ibsen es 1885 in seinem Schauspiel Die Wildente populär gemacht hat: der Geschichte des lebensuntüchtigen Hjalmar Ekdahl, der immer " eine Erfindung" machen will - aber er macht sie nicht, ja er kann nicht einmal beschreiben, welche es denn wäre. Sein Leben verbringt er damit, mit trüben Augen von ihr zu träumen. Und da kommt nun bei Ibsen der Arzt Dr. Relling und will den Sonderling nicht etwa von seiner Lüge heilen - im Gegenteil, er warnt Hjalmar Ekdahls Sohn davor, den Vater aus seiner Traumwelt zu reißen: "Ich sorge dafür", sagt er, "dass die Lebenslüge in ihm lebendig bleibt, denn sie ist das stimulierende Prinzip! Nehmen Sie dem Durchschnittsmenschen seine Lebenslüge, und Sie nehmen ihm sein Glück."

Auf viele redliche Menschen wirkt das abstoßend; sie halten es mehr mit Kant, der die "innere Lüge" verurteilt, weil sie das Heiligste verletze: die Wahrhaftigkeit. Nur dass Kant, wie Ibsen und Nietzsche, eigentlich gerade nicht das Lügen meinen kann: Lügen heißt ja, in Kenntnis des Wahren oder für wahr Gehaltenen bewusst etwas Falsches behaupten. Wer einer "Lebenslüge" anhängt, kennt die Wahrheit über sich selber gerade nicht; wahrscheinlich will er sie nicht kennen. Er gibt sich also einer Selbsttäuschung hin, einer Illusion: Und die sollten wir, wenn überhaupt, mit ebenso viel Vorsicht kritisieren wie die Lüge.

Die mildeste und zugleich die häufigste Form, sich in einer Scheinwelt einzurichten, ist die, dass wir etwas, das wir mit wenig Mühe wissen könnten, nicht zu genau wissen wollen. Der Lottospieler zum Beispiel wäre ja imstande zu errechnen, wie lächerlich gering seine Chancen sind - doch er rechnet eben nicht; lieber nimmt er sich seinen Irrtum zum Lebensgefährten. Die Rede war schon von den Autofahrern und den Liebhabern, die sich ganz überwiegend für überdurchschnittlich halten, obwohl das mathematisch nicht aufgehen kann. Dem verwandt ist unsere Neigung, uns von den guten Vorsätzen, die wir immer mal wieder fassen, nicht tyrannisieren zu lassen. Müssen wir denn unbedingt tun, was wir gesagt, vielleicht sogar uns ernstlich vorgenommen haben? Robert Musil hat die Kluft zwischen Wollen und Machen in der Überschrift zu einem nachgelassenen Kapitel in seinem Roman Der Mann ohne Eigenschaften auf die Formel gebracht: "Warum die Menschen nicht gut, schön und wahrhaftig sind, sondern es lieber sein wollen."

Stolzes Selbstbild

Ihre Feiertagsgedanken drückten sie eben deshalb aus, um dadurch des Handelns enthoben zu sein. "Sein ist schwieriger und wird deshalb gern durch Worte ersetzt", sagt C. G. Jung. Auch gibt es, hundertmal mehr als Genies, solche Menschen, die glauben oder wenigstens hoffen, eines zu sein. Die Starken unter ihnen werden nicht einmal durch die fehlende Anerkennung irritiert: Ist die nicht auch vielen unstreitig genialen Menschen zu ihren Lebzeiten versagt geblieben? So weigern sie sich, ihrem stolzen Selbstbild mit etwas so Brutalem wie der Wahrheit auf den Leib zu rücken. Vielleicht treibt ihre Illusion sie sogar zu einem Ehrgeiz, den sie nicht entwickelt haben würden ohne diese. Das wäre dann eine fruchtbare Lebenslüge.

Wahrscheinlich ist es von vornherein eine unbillige Forderung, dass der Mensch fähig sei und willens sein müsste, auf eine Vorstellung von sich hinzuarbeiten, die seinen wahren Eigenschaften entspricht und noch dazu von seinen Mitmenschen als angemessen betrachtet werden würde. Dass dies auch nur möglich wäre, bestreitet schon die Psychoanalyse, und da hat sie recht.

Sigmund Freud fügte der Menschheit, schrieb er 1917, die empfindlichste der drei klassischen "Kränkungen" zu: Die erste war nach seinen Worten, dass Kopernikus den Menschen aus dem Zentrum des Weltalls verstieß; die zweite, dass Charles Darwin ihn zum Abkömmling der Tiere degradierte; die dritte, die durch Freud selbst: "dass das Triebleben der Sexualität in uns nicht voll zu bändigen ist, dass die seelischen Vorgänge unbewusst sind" - dass also "das Ich nicht Herr sei in seinem eigenen Hause". Selbsterkenntnis im strengen Sinn ist demnach unerreichbar - und die Frage, inwieweit dieser oder jener sich einer Selbsttäuschung hingibt, eher ein Gesellschaftsspiel.

Thomas Mann, Nobelpreisträger von 1929, baute mit seiner Ehe und sechs Kindern die Fassade eines Heterosexuellen auf - für sich? Für die Welt? Ernest Hemingway, Nobelpreisträger von 1954, stilisierte sich zum Supermann, vermutlich (sagen die Biografen) aus Rache dafür, dass seine Mutter ihn in Mädchenkleider gesteckt hatte. Er machte sich zum Amateurboxer und Großwildjäger, schrieb sich Kriegstaten zu, die er nicht begangen hatte, und schuf in seinen Romanen eine Welt von kühlen Männern, die durchhalten, leiden und sterben. Er umgab sich "mit einer Schale aus Brutalität" (Gertrude Stein) - und er schien, wie James Joyce süffisant registrierte, "jederzeit bereit, eben das Leben zu leben, das er beschreibt".

Da wundert es nicht, dass viele große Männer ihren Ruhm dort suchen, wo sie ihn nicht gefunden haben. Goethe nannte seine umstrittene Farbenlehre wichtiger als seine Dichtungen. Nietzsche wollte mehr als all seine anderen Werke seinen Zarathustra bewundert sehen - ein Buch, das viele seiner Verehrer eher peinlich berührt. Johann Strauß ruhte nicht, bis die Wiener Hofoper 1892 seinen Ritter Pásmán brachte, den er in der Tat als Oper verstanden wissen wollte - "um zu beweisen, dass man mehr kann als Tanzmusik schreiben", und bei seinen nächsten Operetten gewöhnte er sich nur mühsam an "die gemeine Dudelei". Theodor Fontane erwartete den Ruhm fälschlich gerade nicht von seinen Romanen, sondern von den eher holprigen Balladen. Wilhelm Busch war es "peinlich und ekelhaft", dass nicht seine Gemälde ihn berühmt machten, sondern seine Bildergeschichten; mit ihnen wurde er der Vater aller Comics, in Deutschland, so populär wie kaum ein anderer Künstler und mit Max und Moritz weltberühmt. Christian Morgenstern setzte auf seine Zyklen ernstgemeinter Gedichte wie Wir fanden einen Pfad und wurde berühmt allein durch seine Galgenlieder.

Strahlender Jüngling

Die Darstellung einer Lebenslüge ist demgemäß in der Literatur nicht selten. Oscar Wilde ersann den 20-jährigen Schönling Dorian Gray, der nicht älter werden will und den Wunsch ausspricht, statt seiner möge das Porträt von ihm altern, das ein befreundeter Künstler gemalt hat. Der Wunsch geht in Erfüllung: Allen Ausschweifungen hingegeben, bleibt dem Dorian Gray die Jugend unbegreiflich erhalten - nur das Porträt wird zur Fratze. Da zerschneidet er es wütend, ermordet den Maler und sticht sich selbst ein Messer in die Brust. Die Diener finden einen abstoßenden Greis unter dem makellosen Gemälde eines strahlenden Jünglings.

In Edward Albees Wer hat Angst vor Virginia Woolf? hat sich das wüst zerstrittene Ehepaar George und Martha einen gemeinsamen Sohn erfunden, gleichsam als Trost und Brücke. Um aber seiner Frau das Äußerste an Gemeinheit anzutun, behauptet George eines Tages in Gegenwart von Freunden, gerade habe er per Telegramm erfahren, dass der Sohn bei einem Autounfall umgekommen sei. Der Schluss des Dramas lässt die Deutung zu, die Zerstörung der gemeinsamen Lebenslüge habe das Paar befreit.

Albee selbst fragte: "Who's afraid of living life without delusions?" Wer hat Angst vor einem Leben ohne Wahn, Trug und Verblendung? Vermutlich die meisten. Albee selbst antwortete nicht. Im Englischen taucht die Lebenslüge auch als "sustained delusion", "self-delusion", " sham existence" auf oder als "living a lie".

Suchen wir aber nach Lebenslügen, die für unsere Ära typisch sind, so könnte uns das sogenannte Burn-out-Syndrom in den Blick geraten. Keine Lüge ist es bei denen, die unter zu viel Verantwortung oder erzwungener Verzettelung wirklich zusammenbrechen: Natürlich erzeugt die elektronische Beschleunigung aller Abläufe, das Andrängen unendlicher Informationsmengen, der Zwang zur Erreichbarkeit rund um die Uhr einen Dauerstress, wie es ihn vor einem halben Jahrhundert noch nicht gab.

Nur dass eben das Signal "Ich bin ausgebrannt bis an den Rand der Selbstzerstörung" einen gewissen sozialen Rang erworben hat, und das noble Etikett mit seiner Aura von Kernphysik, Wall Street, unerhörter Wichtigkeit verführt dazu, es sich wie einen Orden anzuheften. Längst hört man von Ärzten, die sich nicht trauen, einem Patienten die begehrte Bestätigung zu verweigern, dass das schreckliche Syndrom auch von ihm Besitz ergriffen habe. Das wäre dann eine modische Variante auf den "Krankheitsgewinn", wie Sigmund Freud ihn beschrieben hat.

Eine ungewöhnliche Form der Lebenslüge wird von einigen amerikanischen Historikern und Psychologen dem 2009 verstorbenen Senator Edward Kennedy nachgesagt - als Versuch einer Erklärung für das Rätsel, war um er sich einst bei Chappaquiddick seine Lebenschancen ruinierte. Nachdem 1963 Edwards Bruder John, der Präsident, und 1968 sein Bruder Robert, der Präsidentschaftskandidat, ermordet worden waren, galt Edward, der Jüngste, als Erbe und Hoffnungsträger des Kennedy-Clans und der Demokratischen Partei; ganz selbstverständlich glaubten viele, hofften viele, nun werde er nach der Präsidentschaft streben.

Ewige Belohnung verheißen

Bis Edward 1969, mit einer jungen Wahlhelferin im Auto, mitten in der Nacht bei Chappaquiddick rätselhafterweise auf einen Feldweg abbog; er verfehlte eine Brücke, das Auto stürzte in einen Kanal, die Wahlhelferin ertrank - und erst zehn Stunden später meldete Edward sich bei der Polizei. Da wurde gerätselt, was er vertuschen wollte: dass er betrunken war? Dass er nachts allein mit einer jungen Frau unterwegs gewesen war? Mit einer Bewährungsstrafe wegen Fahrerflucht kam er davon. Vielleicht aber wollte er einfach einer Lebenslüge entkommen, die ihm von der Familie, von der Partei, von der Presse gleichsam aufgenötigt worden war: Du bist der nächste Präsident! Time äußerte diesen Verdacht 1991. Hätte Edward Kennedy, schrieb das Nachrichtenmagazin, nicht in Chappaquiddick den Tod der Wahlhelferin verschuldet, so wäre er in der Nachfolge seiner ermordeten Brüder natürlich zum Vorsitzenden der Demokratischen Partei gewählt, 1972 Präsidentschaftskandidat und spätestens 1976 Präsident geworden, statt Carter, und wahrscheinlich 1980 statt Reagan; nur habe er vielleicht unter dem Eindruck der Morde Angst vor diesem Weg gehabt und ihn verbauen wollen "by making a mess of his life".

So ragt die Lebenslüge bis in die große Politik hinein. Golo Mann, der Historiker, nannte es 1972 eine deutsche "Lebenslüge", dass eine Wiedervereinigung möglich sei, und noch vierzehn Monate vor dem Fall der Mauer, 1988, sagte Willy Brandt, Ehrenvorsitzender der SPD: "Die Hoffnung auf Wiedervereinigung ist zur Lebenslüge der zweiten Deutschen Republik geworden."

Da war die Wahrheit besser als die Lüge. Ja, das kommt vor. Wir sollten uns nur klarmachen, dass es die Ausnahme ist. Selbst der Apostel Paulus hat der Lüge eine Gasse gelassen: "Wenn aber die Wahrheit Gottes durch meine Lüge herrlicher wird und zu seiner Ehre", fragte er (Römer 3,7) - " warum sollte ich dann noch als Sünder gerichtet werden?" Und wenn das Glück der Menschen größer wird durch die Lüge? Dostojewski hat diese Frage zynisch und grandios behandelt in seiner Legende vom "Großinquisitor": Auf den Straßen von Sevilla taucht im 16. Jahrhundert plötzlich Jesus auf. Der greise Kardinal, der gerade hundert Ketzer hat verbrennen lassen, lässt ihn unverzüglich einkerkern und herrscht ihn an: "Willst du uns stören?" Wir machen Millionen Menschen glücklich, indem wir ihnen die ewige Belohnung verheißen - und dafür haben wir, die hunderttausend, die über sie herrschen, die Sünde und den Fluch der Erkenntnis auf uns genommen.

"Wir sind nicht mit dir verbündet, sondern mit ihm!" (dem Satan). "Geh und komm nie wieder, nie wieder, nie wieder!" Und damit entlässt der Kardinal-Großinquisitor den Heiland in die dunklen Gassen der Stadt. Was er für sich in Anspruch nahm, war die Lüge aus Barmherzigkeit.

In weltlichem Rahmen ist uns diese vertraut: Wir zögern, einen Todkranken mit der Wahrheit zu konfrontieren. Unter Ärzten, Theologen, Menschenfreunden ist es strittig, ob solche Wahrheit ihn quälen oder ihm den Abschied erleichtern würde. Tolstois sterbender Iwan Iljitsch wütet geradezu gegen die Lügen, die seine Familie und seine Dienstboten gegen ihn hochhalten: dass er sich nur behandeln lassen müsse, um wieder gesund zu werden. "Hört auf zu lügen!", will er ihnen zurufen. "Ihr wisst, dass ich sterbe, und ich weiß es auch." Doch er ruft es nicht! Den Lebenden gönnt er die Illusion, dass er ihre Lügen nicht durchschaue; indem er schweigt, lügt er zurück.

So schwierig steht es mit der Lüge - so tief sind wir in sie verstrickt. Ob Kellner, Schaffner, Verkäufer uns etwas vormachen, wenn sie höflich oder gar freundlich sind, interessiert uns nicht.

Im Büro haben wir zu heucheln, dass wir die Kollegen nett und die Vorgesetzten tüchtig finden; in der Diktatur ist die Lüge, dass wir den Diktator bewundern, eine Überlebensstrategie.

"Lebenslügen" verteufeln - das hieße: das Unglück auf Erden vermehren. Gelogen wird aus Bosheit, aus Angst, aus Mitleid und aus Liebe; verwerflich ist die Lüge, wo sie der Irreführung dient.

Aber dass eine so rätselhafte und oft brutale Sache wie die Wahrheit schlechthin höheren Ranges wäre, schlägt aller Lebenserfahrung ins Gesicht. Die totale Ehrlichkeit wäre eine Last, unter der die Menschheit zusammenbrechen würde, und ein Leben ohne Irrtum ist unmöglich. "Wenn die Irrtümer verbraucht sind", heißt es in Brechts Gedicht Den Nachgeborenen, "sitzt als letzter Gesellschafter uns das Nichts gegenüber.    (Wolf Schneider, Album, DER STANDARD, 21./22.7.2012)

Wolf Schneiders Buch "Die Wahrheit über die Lüge: Warum wir den Irrtum brauchen und die Lüge lieben" erscheint jetzt im Rowohlt-Verlag.

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 74
1 2

Ab und zu statt ab und an.

Geht´s auch etwas aktueller?

Selbstverständlich lässt sich die Reihe der Beispiele zum Thema lange fortsetzen, doch hätte ich mir als eines, welches zeitlich und örtlich näher liegt, Wolf Schneiders Ausführungen zum Fall Jörg Haider uns seiner unerschütterlichen Rest-Anhängerschaft gewünscht.

Die Realität (ok-welche?) über sich und sein Leben auszuhalten bedarf schon großer Stärke, ja Härte. Dies ist sicher nur für eine kleinere Gruppe von Menschen denkbar.

oder Demut, Hingabe an das Leben mit Vorlieben aber ohne Wünsche....

Si tacuisses ...

Wäre es nicht konsequent, die Sache auf sich beruhen zu lassen, anstatt mit einer dem eigenen Anspruch zuwider laufenden Aufdeckerattitüde die "Wahrheit" über jene Lebenslügen zu verkünden, deren Loblied zu singen man vorgibt?

Lebenlüge und Selbsttäuschung ist nur dann ok wenn man sich und anderen keinen Schaden zufügt.
Ärzte erzählen oft, dass die Selbstwahrnehmung von Suchtkranken eine gefährliche heile Welt vorspielt.

Damit wird der komplexgetriebene ÖVP-Buchhalter Schüssel nix anzufangen wissen. Seine Wahlversprechungen samt seiner Wenderepublik waren ja nicht nur Augenauswischerei, sondern haben auch einen Riesenschaden angerichtet.

Nur mit dem Unterschied, dass er nicht sich selber, sondern nur die Wähler angeschmiert hat, vor allem die gutgläubigen! Er wusste sicher mmer genau, was er tat und bezweckte, das ist was anderes als die unbewusste Lebenslüge, von der hier die Rede ist.

Müssen Sie immer auf den armen Wolferl hinhacken?
Diese Allgemeinplätze sind ja schon schön langsam mühsam. Haben Sie selbst noch nie etwas falsch gemacht im Leben?
Ich bin kein Freund vom Schüssel, aber einmal sollte es ja genug sein mit dem Bashing.

Hoffentlich Ironie!

Moment, Moment! Wieso immer?
Zweitens: Ich war nie Bundeskanzler.

Gut Text. Dank.

das herausarbeiten der grenze zwischen gewöhnlicher lüge und notlüge sollte nicht zu kurz kommen.

eine frage

herr sprachpapst wolf schneider: die lebenslüge der wkII generation ist somit auch ok?

nein, nein sie haben natürlich vollkommen recht; warum etwas gegen unrecht unternehmen, wenn es doch die lebenslüge gibt, nicht wahr?

ps: sche*ß auf die realität, wozu gibt es psychopharmaka gegen psychosen.

Man sollte selbstverliebte Künstlerpersönlicgkeiten nicht zur Norm erklären.
Selbst kleine Künstler können von einem Größenwahn befallen sein der kaum zu fassen ist.

bei kennedy handelt es sich eher um eine notlüge mit lebenslangen folgen als um eine lebenslüge.

peter pan > dorian gray !

Wahrheit kann schon bisweilen sehr, wehr weh tun,

aber - mit Ingeborg Bachmann - sie ist dem Menschen zumutbar. Ich persönlich halte die Lebenslüge für schädlicher. Der aufwändige und oft schmerzhafte Weg zur Wahrheit (damit meine ich jetzt die persönliche, das Hinschauen und nicht einen allgemeinen Wahrheitsanspruch religiöser Natur!!!) lohnt sich aber immer!

... die totale ehrlichkeit ...

ist eine last, unter der die welt zusammenbrechen würde ... dann könnten wir sie aber endlich neu aufbauen

Lebenslüge ist der falsche Titel

Der berühmte 'blinde Fleck': Wir sehen nicht, dass wir nicht sehen und was wir nicht sehen.
So etwas ist keine 'Lüge', was man im Essay ja auch nachlesen kann.
Aber warum aus diesem 'Defizit', aus dieser Not eine Tugend machen? Warum diese Verherrlichung des blinden Flecks? Warum diese 'Feier des Illusionären'? Warum dieser schreckliche Pathos?

Am Schluß lässt der Autor die Katze aus dem Sack: 'Weil', sagt er, 'ein Leben ohne Irrtum unmöglich ist.' Und beruft sich dabei auf Brecht. Fälschlicherweise. Denn dieser hatte ein ironisches Verhältnis - und kein 'feierliches' - zur Beschränktheit aller menschlichen Erkenntnis. In den Keuner-Geschichten lässt er Keuner antworten: 'Ich bereite gerade meinen nächsten Irrtum vor.' Herrliche Ironie!!

Stimme Ihnen absolut zu, aber das kommt nirgends gut an! Die Menschen lieben ihre Selbstbetrügereien und Wegschauereien derart, dass sie höchst beleidigt sind, wenn man androht, sie ihnen nehmen zu wollen. Träumen ist gut und schön, aber nie so, dass man glaubt, das sei die Wirklichkeit, sich nicht die Illusionen als Wahrheiten einredet. Ich war schon als kind extrem träumerisch und phantasieveranlagt, doch ich habe mir nie ins Fäustchen gelogen, immer genau hingeschaut auf meine Schwächen und Probleme und versucht, diese zu ändern statt sie wegzuträumen oder -lügen. Meine Mitwelt fand das jedoch oft recht "unromantisch". Ich nie. :-)

sehr guter text

Sprachpapst ist übertrieben.

Aber gut ist er, der Schneider.
Leider werden seine Bücher von Journalisten zu wenig gelesen.

wiki folgend ist er wohl tatsächlich eine art von sprachpapst.

ludwig reiners stilfibel möchte ich bei der gelegenheit weiterempfehlen (ein "longseller").

Geschmäcker sind eben verschieden und

nur weil wiki eine Bewertung vornimmt, was eher ungewöhnlich ist, muss ich dieser ja nicht folgen.
Gothe war ein Sprachpapst, Schopenhauer, Thomas Mann, G.C.Lichtenberg, usw. aber der "Sprachpapst" himself, also Schneider, nimmt die alle, sowie auch andere wie z.B. Karl Kraus, als Beispiel für guten Stil.

Posting 1 bis 25 von 74
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.