London und Singapur wollen gemeinsame Börse

20. Juli 2012, 14:29
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Sollten sich die zwei Börsen in London und Singapur zusammenschließen, könnten sie zum weltweit drittgrößten Handelsplatz werden

London/Frankfurt - Ein Medienbericht über eine mögliche Fusion der Börsen in London (LSE) und Singapur (SGX) sorgt für Aufruhr in der Finanzbranche. Die Konzerne würden Gespräche über einen 9,2 Mrd. Euro schweren Zusammenschluss führen, durch den der drittgrößte Handelsplatz der Welt entstehen könnte, berichtete die britische Zeitung "Daily Telegraph".

Experten sehen allerdings nur geringe Chancen, dass der Deal tatsächlich zustande kommt - zu viele Fusionen in der Börsenlandschaft sind in den vergangenen Jahren am Widerstand der Politik oder der Regulierer gescheitert. Auch SGX-Chef Magnus Böcker dämpfte am Freitag die Erwartungen. Er konzentriere sich mehr auf Produkte und Dienstleistungen und weniger auf Fusionen und Übernahmen, sagte er der "Financial Times".

Deutsche Börse mit Versuch gescheitert

Für die Deutsche Börse, deren Fusion mit der New Yorker Nyse im Februar am Veto der EU-Kommission scheiterte, würde sich durch einen Zusammenschluss von LSE und SGX aus Sicht von Experten wenig ändern. "Die größten Konkurrenten sind nicht andere Börsenbetreiber, sondern alternative Handelsplattformen und der außerbörsliche Handel", sagte Silvia-Quandt-Analyst Christian Muschick. Der Frankfurter Konzern bekräftigte, er strebe derzeit keine großen Übernahmen oder Fusionen an. Aus Sicht des Unternehmens sei es zwar grundsätzlich sinnvoll, über Grenzen hinweg zu wachsen, sagte ein Sprecher. Allerdings habe Deutschlands größter Börsenbetreiber die Erfahrung gemacht, wie schwierig es ist, dafür von den Regulierungsbehörden grünes Licht zu bekommen.

Die Deutsche Börse hat seit der Jahrtausendwende selbst zwei Mal erfolglos an einem Zusammenschluss mit der LSE gearbeitet. Heute wäre eine solche Fusion nach Einschätzung von Experten auch aus regulatorischer Sicht kaum durchzusetzen, da beide Konzerne große Abwickungshäuser für Derivate besitzen. "Man kann also nicht wirklich sagen, dass die SGX der Deutschen Börse einen potenziellen Fusionspartner wegschnappen würde," sagte Muschick.

SGX-Chef Böcker und der LSE-Vorstandsvorsitzende Xavier Rolet hätten bei mehreren informellen Treffen über eine mögliche Fusion gesprochen, berichtete der "Daily Telegraph". Die Diskussionen seien aber noch in einem frühen Stadium und die Struktur eines Zusammenschlusses unklar. Da die LSE 3,4 Mrd. Euro weniger Wert ist als die SGX mit 4,6 Mrd. Euro, sei eine Übernahme der Londoner Börse wahrscheinlich, schrieb die Zeitung unter Verweis auf Marktgerüchte. Die SGX könne dabei 13,50 Pfund je Aktie bezahlen, was einen Aufschlag von 32 Prozent auf den LSE-Schlusskurs vom Donnerstag wäre. Beide Unternehmen wollten sich dazu nicht äußern. (APA/Reuters, 20.7.2012)

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    Noch ist es nicht offiziell, aber sollte die Londoner Börse sich mit der in Singapur zusammenschließen, würde der drittgrößte Handelsplatz der Welt entstehen.

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