Das Wunder von Imst

Thomas Rottenberg
22. Juli 2012, 18:45

Anfangs musste Mike Gabl noch tricksen, um mit Schülern klettern zu gehen - doch damit legte er einen der Grundsteine des aktuellen Kletterbooms

Wenn Michael Gabl die Startseite von Climbers Paradise anklickt, muss er schmunzeln. Denn da fügen sich animierte Felsbrocken zur imposanten Basisinfo zusammen: "5000 Alpinkletterrouten". Der Stein birst. Die Brocken fügen sich wieder zusammen: "3000 Sportkletterrouten." Nach dem dritten "Felssturz" die dritte Botschaft: "1500 Boulderprobleme." Erst danach kommt, was das Publikum im Sommer in den Alpen kennt: Wiesen, Schäfchenwolkenhimmel, malerische Landschaften - und Bergpanoramen. Bloß: Irgendwo im Idyll hängt da immer jemand in der Wand. Aber obwohl das Klischee es gebieten würden: Niemand hat Ähnlichkeiten mit Luis Trenker.

Kein Wunder: Denn Climbers Paradise setzt auf "hippen" Alpinismus - und ist ein Zusammenschluss von Tiroler Tourismusregionen. Mittlerweile 15 lokale Tourismusverbände warfen ihr Kirchturmdenken über Bord und promoten gemeinsam, was längst sogar Städter in relevanten Zahlen die Wände hochgehen lässt: das Klettern.

Das Asset von climbers-paradise.com heißt Übersicht: Statt von Ort zu Ort mühsam nach Klettergärten, Klettersteigen, Alpinschulen und Wegbeschreibungen fahnden zu müssen, finden auch Laien hier, was sie suchen, kompakt und konzentriert.

Klar: Derlei gibt es heute auch anderswo. Doch 2007, als die Seite in viel kleinerem Umfang online ging, war das ganz anders. Und daran, dass die Gegend um Imst beim Kletterboom heute touristisch und sportlich den Ton angibt, ist der, der da schmunzelt, schuld: Michael "Mike" Gabl.

Gabl ist eigentlich Lehrer. Hauptschullehrer. In Imst unterrichtete er Englisch, Italienisch und Sport. Anfang der 1990er-Jahre erkannte man an seiner Schule jenen fatalen Trend, der bis heute aus Hauptschülern oft Jugendliche zweiter Klasse macht: Wer kann, schickt sein Kind ins Gymnasium. "Wir haben uns also überlegt, wie wir unsere Schule interessant machen könnten."

Gabls Idee: Klettern. Logisch: Schon während des Studiums hatte er die Bergführerausbildung abgeschlossen. Die Direktorin war begeistert - die Bürokratie nicht: "Die haben alle Haare aufgestellt." Dennoch ging Gabl mit den Kids 1991 in den Klettergarten. Für zwei Freifachstunden pro Woche: "Im Grunde war es illegal: Wir haben im September begonnen - der Bescheid kam im Juni." Im Winter tat Gabl noch etwas Unerhörtes: Er setzte im Turnsaal Boulder. Auf Deutsch: Er schraubte Griffe und Tritte in die heilige Schulmauer. "Heute ist das fast Standard."

Die Saat ging auf: Die Kinder kletterten mit Begeisterung - und Talent. Gabl schickte sie auf Bewerbe - sie kamen mit Medaillen heim. So kam zur Schule ein Verein. Und aus dem Freifach wurde ein eigener Zweig der Sporthauptschule. Auch die Gemeinde reagierte - und baute 1997 eine Kletterhalle. 1997 war das außergewöhnlich.

Mit Beharrlichkeit zum Ziel

Der Erfolg gab Mike Gabl recht: "Österreich ist im Sportklettern heute eine Weltmacht. Ähnlich wie im Skilauf. Aber von den fünf besten österreichischen Sportkletterinnen stammen drei von hier. Ein Zufall?" Die Bekannteste: Angela Eiter. Die Doppelweltmeisterin stammt aus Imst - und ging hier zur Schule.

Der Konnex zum touristischen Klettern ist für den Kletterguru zwingend: "Die Breitenwirkung: Der Trend war absehbar." Gabl war den lokalen Touristikern seit 30 Jahren in den Ohren gelegen, nicht nur den Winter im Auge zu haben. Doch - mittlerweile Trainer des Sportkletter-Nationalteams und Sportkletter-Ausbildungsleiter der österreichischen Berg- und Skiführer - war er schwerer zu überhören als ein kletternarrischer Turnlehrer: Gabl konnte belegen, dass die Verletzungsgefahr beim Sportklettern deutlich geringer ist als beim Fußballspielen. Oder beim Skifahren. Er konnte auf andere Regionen verweisen. Auf Arco etwa: Auch - und vor allem - Infrastruktur und Informationsaufarbeitung machten die Gegend am Gardasee zum Klettermekka.

Das überzeugte die winterfixierten Touristiker: 2007 stellten die Ötztaler www.climbers-paradise.com online: als Serviceseite ("Wichtig sind nicht bloß die Routen und ist nicht nur, dass diese gut in Schuss sind, sondern auch die Infos über Wege dorthin: Parkplätze, Wegzeiten, Rastplätze, WCs ..."). Benachbarte Täler und Gemeinden sahen anfangs skeptisch zu. Gabl ließ sich belächeln - und kann dafür heute selbst schmunzeln: "Heute wollen sie alle dabei sein. Am liebsten seit gestern." (Thomas Rottenberg, Album, DER STANDARD, 21.7.2012)

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Interessante Klettermöglichkeiten in der Nachbarschaftschaft

Ein kleiner Tipp: Interessante Klettermöglichkeiten in der Nachbarschaftschaft bietet die ca. 30 Minuten entfernte Region Hall-Wattens http://www.hall-wattens.at - mehr Informationen unter http://www.hall-wattens.at/de/klettern.html

wie gefahrvoll ist klettern?

... da berichtete die Presse:

"Klettersteige mit Nazi-Namen in Österreich" ...

http://diepresse.com/home/pano... esterreich

... ist doch komisch, bergsteiger und die braunen ...

offtopic oder?

hier gehts um ein kettergebiet in tirol und die gute organisation von selbigem. was haben komische namen von kletterrouten irgendwo in nö damit zu tun?

a bisserl schräg sein sie scho', herr frosch...

... da geht iaz nit um die 30er jahr vom letztschten joarhundert vom vorigen joartausend und a nit um olte und neie nazis (jo, es gibt bei die kletterer und alpinisten alte und a neie nazis, will i goar nit abstreiten, aber es gibt a mittige und linke, so wias deppen und gscheite gibt) und nochand den gabl mike und ondere bei ins die wos dazu beitragen ham, dass mir im sportklettern ziemlich guat sein ins nazieck stellen zu wolln, isch oafach daneben. pfiat di.

bitte nicht böse sein, aber ...

es geht hier nicht um die 30iger oder 40iger jahre, auch nicht um anpatzen, nein. sondern um die sportkletterrouten mit dofen nazinamen, ist doch eine rießen sauerrei - so was an den fels zu bringen

genau das gab es vor kurzem zu bedauern, und dazu haben viele die unmissverständliche absage vom großen berg- und sportkletterverein nicht aufgefunden, warum gab es keinen sichtbaren protest? sogar gegen windräder wird öffentlich protestiert, und hier ... ?

übrigens, der antisemitismus wurde in gewissen sektionen bereits in den 20igern ganz offen ausgelebt, damals hat auch niemand sich daran gestoßen - so wie heute an den kletterrouten mit dofen nazinamen?

... lernen wir aus der geschichte

Was is mit Bergsteigern und den Braunen?
Lass hören.

und wenn die Nazi tausend mal einen Schweisbraten essen,

tue ich es trotzdem

Es gibt in der Tat viele Gründe vor allem die Rolle des Alpenvereins in der Nazizeit mehr als kritisch zu hinterleuchten.

Wenn es sie wirklich interessiert empfehle ich die Biografie von Norman Dyhrenfurth und dessen Vaters Günther Oskar Dyhrenfurth.
Worum es geht:
http://www.historisches-alpenarchiv.org/data/doku... 0392_m.pdf

Die Artikel die sie hier bringen sagen im Prinzip aus das es in den 30ern viele Nazis gab.

Die Geschichte der "deutschen" Versuche am Nanga Parbat, insbesondere die Rolle des Herrn Herrligkoffer ist in der Tat hochinteressant und hervorragend dokumentiert.
H.Harrer als Altnazi zu verkaufen bedeutet sich in keinster Weise mit seiner Lebensgeschichte auseinandergesetzt zu haben.
Der Versuch Buddismus und den Dalai Lama in die Nähe des Nazionalsozialismus zu rücken ist schlicht abartig verblödet.

Sorry, die NS Ideologie bei den funktionären nicht im 45-Jahr geendet, oder - Rainer Amstädters Buch "Der ALpinismus" ist ein hoch prisantes Werk, oder wissen sie warum hat die Aufarbeitung im AV so lange gedauert, und auch der Herr Harrer hatte seine Rolle und sein lages Stillschweigen - war wohl auch nicht ideal ...

http://www.servus.at/hillinger... nurde.html

Überhaupt nichts hat hier im 45er Jahr geendet. Im vollständig arisierten AV schon gar nicht, wie sollte es auch?
Wird wohl niemand ernsthaft behaupten.
Die Aufarbeitung dieser Zeit ist zumindest bis vor kurzem natürlich vollkommen unzureichend.
Die Nazis haben zwar nicht nur den Alpinismus als Kaderschmiede missbraucht aber das die Ideologie in Bergsteigerkreisen auf äußerst fruchtbaren Boden fiel ist unbestritten.
Ich weiß das auch aufgrund meiner eigenen Familiegeschichte.

Trotzdem haben "die Bergsteiger" heutzutage per se nichts mit brauner Ideologie zu tun.

Amstädter hab ich bei der diskussion auf servusTV gesehen (wo N.Dyhrenfurth auch war), er hat mich nicht sehr beeindruckt. Werd's trotzdem noch lesen, weil wichtig..

Ist Tirol doch anders?

Etwas seltsam, aber ich finde es angemessen gut.

Diese Bergmenschen in Imst leben doch inmitten der hohen Alpen, ständig mit Gefahren der nackten Fels-, Eis- und Schneewelt konfrontiert, könnte man hier schon sagen, besonders der Ort Imst liegt doch schon recht hoch oben, gemessen am restlichen Österr. - ja dort, dort im westlichsten Hochgebirge, hoch umkränzt von kargen Felslandschaften und vereisten Gipfeln

Dieser Herr Gabel ist eh am richtigen Einstieg, es ist durchaus logisch - wenn bereits die kleinen Schulkinder lernen wie sie mit den vielen hohen Gefahren in Tirols Bergwelt umgehen müssen um gesund durchs Leben zu klettern ...

Natürlich, die etwas gewagte Schul-Sportinitiative passt schon irgendwie in diese Region :)

EILMELDUNG

...im Bayrischen Fernsehen ist JETZT "Zum 3. Pol", die Doku über die Dyhrenfurths zu sehen. :-)

Dringende Empfehlung!!

Klettersteige...

Das hat sicher damit zu tun, dass es in Österreich so viele Klettersteige gibt, wo die Kletterer sogar an senkrechten Passagen trainieren können!

;-) hab ich vergessen

Gute Kletterer wird man kaum auf einem Klettersteig finden! ;-)

zur Entspannung ist ein Klettersteig sehr nett...außerdem kann man den auch allein machen.

>>Gute Kletterer wird man kaum auf einem Klettersteig finden<<

Aber wo - "Ex Tempore!@", etwa in den "Ewigen Jagdgründen", hat das auch eine lange Tradition?

Na in den Kletterrouten natürlich!

mich wundert ja nur...

...dass im standard (und allgemein in den österreichischen medien) so wenig über die erfolge unserer (sport)kletterer/innen berichtet wird! da sind wir endlich mal in einer sportart erfolgreich, und dann interessiert es niemanden... ^^

Liegt ja auf der Hand

da beim KLettern der finanzielle Anreiz (sogar die Weltbesten haben finanzielle Probleme) fehlt und es als Individualsport (noch) kein massengeplagter Breitensport ist interessiert sich die APA und der ORF wenig dafür, ergo müssen wir uns selbst eine Meinung dazu bilden weil es uns das Massenmedium O ER EF nicht 24/7 reindrückt

... warum wohl?

was könnte langweiliger als klettern sein, natürlich zuschaun ;)

spaß beiseite, aber es ist schon so, dass der klettersport über sehr komplizierte regeln verfügt, die aktuellen gibt es in englisch bzw. alte in deutsch ...

ein kleiner vergleich mit dem schneesport, und wie würde es im fis weltcup ankommen: wenn dort nur der beste torläufer "vielleicht" ins ziel gelangt, oder wenn die springer irgendwo im anlauf steckenbleiben, ähnlich bei den langläufern, und weitere mehr ...

oder haben die kletterspezialisten es schon geschafft objektiv erkennbare schwierigkeitsbewertungen für kletterrouten zu formulieren?

nur publikumswirksam ist was anderes, aber als erholsame freizeitbeschäftigung ist klettern doch ein netter sport :)

also ich schau gern zu manchmal...Schwierigkeitsgrade sind natürlich nicht 100% objektiv, es kommt drauf an, welcher Stil einem mehr oder weniger liegt (Platte, Überhang...), aber im großen und ganzen ist eine 8er eben doch eine 8er und merklich was anderes als eine 6er).

also ich halte Speedklettern, Vorstiegs- und Boulderfinale (Quali nicht) sehr wohl TV geeignet.

... was kann daran überhaupt interessant sein?

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