Australischer Dollar zum Euro auf Rekordhoch

Der australische Dollar ist gegenüber dem Euro so stark wie nie zuvor, was schlecht für Reisende ist

Frankfurt - Schlechte Nachrichten für Reisende nach Down Under: Der australische Dollar ist gegenüber dem Euro so stark wie nie zuvor. Aktuell bekommt man für 1 Euro weniger als 1,18 australische Dollar. Vor einem Jahr waren es noch 1,32, Ende 2008 sogar mehr als zwei "Aussie-Dollar". Angesichts der Euro-Schuldenkrise ist es eigentlich nicht überraschend, dass die Gemeinschaftswährung gegenüber anderen Devisen unter Druck steht. Der Höhenflug des australischen Dollar lässt aber aufhorchen, denn lange Zeit galt der "Aussie" als Rohstoff- und damit als Risikowährung. Doch die Schuldenkrise bringt die bisherigen Gesetze am Devisenmarkt durcheinander, so dass nun als solide Anlage gelten kann, was früher als Zockerpapier gehandelt wurde. Selbst der auf Sicherheit bedachten Deutschen Bundesbank wird am Markt nachgesagt, dass sie einen Teil ihrer Währungsreserven in australische Dollar umschichtet. Die Bundesbank wollte sich dazu nicht äußern.

Experten führen verschiedene Gründe für den Höhenflug der Devise vom Fünften Kontinent an. "In Australien erhält man eine bessere Verzinsung, außerdem sind die Staatsschulden geringer als in der Euro-Zone und die Wirtschaft befindet sich in einer expansiven Wachstumsphase", fasst Commerzbank-Analystin Antje Praefcke die wichtigsten Fundamentaldaten zusammen. Auch die Analysten vom Bankhaus Metzler begründen die Stärke des Aussie-Dollar unter anderem mit "außenwirtschaftlich und fiskalisch gesunden Bilanzen", politischer Stabilität und dem Zinsvorteil. "Der Aussie vereint viele der genannten Merkmale auf sich und dürfte per saldo gesucht bleiben." Investoren müssen sich aber überlegen, ob sie auf dem aktuell hohen Kursniveau noch zum Aussie greifen wollen. "Anleger hätten im Mai oder besser noch früher einsteigen sollen, denn man kann davon ausgehen, dass die Währung erst einmal fest bleibt", sagt Praefcke.

Zinsen als Grund

Daran hat die Reserve Bank of Australia (RBA) ihren Anteil, die auf ihrer jüngsten Sitzung am 3. Juli beschloss, die Zinsen bei 3,5 Prozent zu belassen. Daran wird sich in diesem Jahr wohl auch nicht viel ändern: Analysten rechnen damit, dass die RBA nur ein oder zwei Zinsschritte vornimmt und den Satz auf 3,25 bis drei Prozent absenkt. Dagegen hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins in der Euro-Zone zuletzt auf ein historisches Tief von 0,75 Prozent gekappt.

Zugleich rechnet die RBA damit, dass das Wachstum der australischen Wirtschaft auch im zweiten Quartal anhalten wird, nachdem sie zu Jahresanfang um 1,3 Prozent und damit doppelt so stark wie erwartet zugelegt hat. Auf Jahressicht stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 4,3 Prozent - ein Wert, von dem andere Industrienationen nur träumen können. Analysten rechnen damit, dass das australische BIP 2012 um 3,3 Prozent und im kommenden Jahr um 3,2 Prozent wachsen wird. Damit läge die letzte Rezession in Australien 22 Jahre zurück.

China sucht Rohstoffe

Der Wohlstand des Landes basiert vor allem auf seinem Rohstoffreichtum. Wichtigster Abnehmer für Kohle, Kupfer oder Eisenerz ist China. Darin sieht Commerzbank-Analystin Praefcke nicht nur Chancen, sondern auch Risiken für die Stärke des australischen Dollar: "Man muss darauf achten, wie sich die Lage in China entwickelt." Das Wachstum in der Volksrepublik hat sich zuletzt verlangsamt. Die Regierung in Peking versucht, den Abwärtstrend abzufedern. Gelinge das nicht, geriete auch der Aussie-Dollar unter Druck, so Praefcke. Zudem sei die Währung immer im Zusammenhang mit der Weltwirtschaft und der Euro-Schuldenkrise zu sehen. "Die Euro-Problematik ist nach wie vor das entscheidende Thema. Wenn sich die Krise ausdehnt, bleibt davon auch nicht Australien verschont". (APA/Reuters, 20.7.2012)

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