Kleines, einsames Minimundus

20. Juli 2012, 11:29
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Regenbogenfamilien ein Familienticket zu verwehren ist nicht Usus, wie ein Rundruf zeigt - Minimundus scheint die Ausnahme zu sein

Was ist eine Familie? Und wer bekommt ein Familienticket? In "Minimundus - Die kleine Welt am Wörthersee" gilt, wie dieStandard.at an dieser Stelle berichtete, das Vater-Mutter-Kind-Modell, um die in Miniatur nachgestellte Welt solcherart ermäßigt betrachten zu können. Einem lesbischen Paar, das in eingetragener Partnerschaft mit seinen zwei Kindern lebt, wurde der Eintritt via Familienticket verwehrt. Der Sprecher der Kärntner Grünen Andersrum, Markus Einicher, kritisierte daraufhin, dass den Frauen in aller Öffentlichkeit "die Geltung ihrer eingetragenen Partnerschaft aberkannt wurde und sie ihren Kindern erklären mussten, warum sie keine Familie sind".

Hannes Guggenberger, Geschäftsführer des beliebten Museums am Wörthersee, rechtfertigt sich damit, dass es "in Österreich eingetragenen Partnern nicht erlaubt ist, Kinder zu adoptieren. Deshalb kann ich Familien wie diese nicht als solche akzeptieren." Guggenberger ist, wie ein Rundruf von dieStandard.at zeigt, mit seiner Auffassung jedoch relativ allein auf weiter Flur. Regenbogenfamilien, also homosexuelle Paare mit Kindern, bekommen - sofern es ein Familienticket gibt - in anderen Einrichtungen ohne Probleme eine solche Eintrittskarte.

Eltern und Großeltern und ...

Karten für 100 Ausflugsziele können mit der sogenannten "Kärnten Card" gekauft werden. Familientickets im klassischen Sinne gibt es keine, jedoch eine Ermäßigung ab dem dritten Kind. Diese Ermäßigung, erklärt die Sprecherin der Kärnten Card, Ute Primik, gelte, wenn Eltern oder Großeltern mit ihren Kindern bzw. Enkelkindern die Karte kaufen. Auf Nachfrage, ob auch homosexuelle Paare Eltern sind, erklärt Primik, dass "das nicht separat ausgewiesen ist". Schlussendlich würden die vielen VerkäuferInnen an den Verkaufsstellen entscheiden, an wen Karten verkauft werden. "Ein Fall wie in Minimundus ist uns noch nicht untergekommen", meint Primik schließlich.

Überhaupt keine Rolle spielt das in den Bundesmuseen wie beispielsweise dem Naturhistorischen, dem Kunsthistorischen und dem Technischen Museum in Wien. In diesen Einrichtungen gibt es nämlich keinen vergünstigten Eintritt für Familien und auch keine Familientickets, zumal seit 2010 Kinder und Jugendliche bis zum 19. Lebensjahr freien Eintritt haben.

"Völlig egal"

Anders geregelt ist dies im Wiener Tiergarten Schönbrunn. Der "Familienvorteilsblock" ermöglicht vier Erwachsenen und sechs Kindern vergünstigten Zutritt zum Zoo. Gegenüber dieStandard.at heißt es vom Tiergarten, dass es "völlig egal ist, wer auch immer diese Karte verwendet. Es müssen lediglich Erwachsene mit Kindern sein." Es spiele keine Rolle, wer mit wem zusammen, verpartnert, verheiratet oder auch nicht sei.

Im steirischen Tierpark Herberstein gilt eine ähnliche Devise. Das sogenannte Familienticket wird hier bereits einer erwachsenen Person mit einem Kind ausgestellt. Auf Nachfrage, wie beim Eintritt mit Regenbogenfamilien umgegangen werde, heißt es: "Ja, natürlich können lesbische oder schwule Paare mit ihren Kindern in den Tierpark. Ob Großeltern, Tanten oder Onkel - das ist uns egal."

Auch im steirischen Freilichtmuseum Stübing gilt das Familienticket für zwei Erwachsene und mindestens ein Kind. Mindestens ein Kind ist jedoch die einzige zu erfüllende Vorgabe: In Stübing, so die Sprecherin des Freilichtmuseums, spielt die sexuelle Orientierung der Begleitpersonen von Kindern keine Rolle. (eks, dieStandard.at, 20.7.2012)

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    "Minimundus - Die kleine Welt am Wörthersee": Hier zu sehen die Kirche Santa Croce, deren Original in Florenz steht.

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