Kranebitter will möglichst wenig Staatshilfen

20. Juli 2012, 11:03
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Der Hypo-Alpe-Adria-Chef weist Gerüchte über weitere Staatshilfen zurück, obwohl das Umfeld schlechter ist

Wien - Hypo-Alpe-Adria-Chef Gottwald Kranebitter reagiert verärgert über Berichte, wonach in der Hypo größere Milliardenlöcher mit Staatsgeld zu stopfen wären. "Crash-Szenarien sind nicht unser Weg. Wir wollen mit möglichst wenig Geld auskommen", sagte Kranebitter Donnerstagabend. Wieviel die notverstaatlichte Bank mit ihren besonderen Risiken im Zuge der jetzt laufenden Kapitalbedarfsermittlung tatsächlich braucht, rechnet die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) über den Sommer durch. Laut Kranebitter hat sich das Umfeld freilich verschlechtert.

Unter Berufung auf vertrauliche Papiere der Kärntner Hypo Alpe Adria für das Finanzministerium hat das Magazin "Format" geschrieben, dass die Bank noch einmal zwei Mrd. Euro vom Staat braucht, in Stress-Szenarien vielleicht auch fünf Milliarden. Für den Fall eines beschleunigten Abverkaufs werde, so das Magazin, ein Verlust von mindestens zwei Mrd. Euro prognostiziert. Eine sofortige Liquidation, die eine Insolvenz der Holding samt Notverstaatlichung der Balkan-Tochterbanken zur Folge hätte, würde einen Verlust von mindestens fünf Mrd. Euro bedeuten, zitierte das Magazin aus einem Papier zur Umstrukturierung. In einem Worst Case, bei einem Schuldenschnitt von 50 Prozent, würde die Gesamtbelastung für die Republik bei rund zehn Mrd. Euro liegen, so "Format".

Die EU-Kommission verlange von jeder Bank in einem Beihilfeverfahren, verschiedene Szenarien durchzurechnen, sagte Kranebitter. Also optimistische, pessimistischere, Stress- und schließlich Abwicklungsszenarien und absolute Worst-Case-Rechnungen, die am teuersten wären.

Keine Szenariorechnungen

"Szenariorechnungen, die die EU verlangt, sind nicht der Plan der Bank", sagte Kranebitter.

Plan der Bank sein, mit möglichst wenig Kapitalbedarf auszukommen. Er wolle die Aufsicht nicht präjudizieren. In die neue Notenbank-Bewertung seit der letzten (die auf Basis der Bankdaten von Ende 2010 einen zusätzlichen Kapitalbedarf von 1,5 Mrd. Euro ergab) würden laut Kranebitter die positiven Fortschritte der Bank beim Risikoabbau einfließen, anderseits aber auch das aktuelle schwierige Umfeld. Im übrigen habe man zu jedem Zeitpunkt das regulatorische Kapitalerfordernis erfüllt.

Man müsse realistisch sein, die konjunkturellen Einschätzungen von vor zwei Jahren seien nicht eingetreten. Laut Kranebitter ging damals niemand davon aus, dass in der Eurozone Italien und Spanien in solche Krisen gerieten und die Region Südosteuropa - wo die Hypo mit Banken in fünf Ländern aktiv ist - derart in der Rezession sei.

"Ich dachte, wir kommen vom wirtschaftlichen Nieselregen in die Sonne, sind aber noch in die Traufe gekommen", sagte Kranebitter. Er ist jedoch überzeugt vom Potenzial in Südosteuropa und von seinen dortigen Banken. Und sollte die Krise in der Eurozone anhalten, wären alle anderen Banken Europas davon ebenfalls massiv betroffen. (APA, 20.7.2012)

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    Hypo-Alpe-Adria-Chef Gottwald Kranebitter streitet die Vorwürfe ab, dass Staatsgelder für Löcher des Instituts benötigt werden.

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