Pragmatische Irrfahrer

  • Geht's der Wirtschaft schlecht, kommt zuerst der Umweltschutz unter die Räder.
    vergrößern 500x350
    foto: apa/barbara gindl

    Geht's der Wirtschaft schlecht, kommt zuerst der Umweltschutz unter die Räder.

In ökonomisch rauen Zeiten kommt als Erstes der Umweltschutz unter die Räder, auf Lebensqualität und Gesundheit wird gepfiffen

Von chinesischen Verhältnissen träumen vermutlich nicht nur europäische Politiker, sondern vor allem die Autofahrer. Kaum sackt das Wirtschaftswachstum von mehr als zehn auf - für europäische Verhältnisse immer noch traumhafte - sieben Prozent ab, greift die rote Garde in Peking tief in die Subventionskiste. So atemberaubend der Smog, so gesundheitsgefährdend der tägliche Verkehrsinfarkt - egal! Jetzt wird der Spritpreis gesenkt, auf dass sich die Menschen den täglichen Stau auch weiterhin leisten können.

Der wider die ökologische Vernunft praktizierte Pragmatismus à la USA zeigt vor allem eines: In Herz und Hirn ist die Tatsache, dass fossile Brennstoffe nicht in unendlicher Menge und bis in alle Ewigkeit ausreichend (billig) verfügbar sein werden, mitnichten angekommen. Im Gegenteil. In ökonomisch rauen Zeiten kommt als Erstes der Umweltschutz unter die Räder, auf Lebensqualität und Gesundheit wird gepfiffen.

Ähnlich kurzsichtig und feig agieren die vorgeblich bürgernahen Volksbefrager in Graz. Sie lassen sich ihre Pläne für eine Umweltzone in der Feinstaub-Hochburg Österreichs gleich per Volksvotum abdrehen. Sie bekommen dafür vom Umweltminister auch noch Applaus, weil der Mann mit dem großen Herzen für Agrarförderungen und Elektroautos Bürgernähe mit Klientel- und Parteipolitik verwechselt.

Von solch ausgeprägter Narrenfreiheit kann der Wirtschaftsminister nur träumen. Er muss sich im Namen des Freihandels von den Mineralölfirmen auf der Nase herumtanzen lassen.

Getrost gestrichen werden können bei so viel Rückgrat und Weitblick freilich die Millionen zur Förderung von Elektroautos. Die Kisten werden so nie ein Erfolg. (Luise Ungerböck, AutoMobil, DER STANDARD, 20.7.2012)

Share if you care