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Für Peter Hagen ist das Ostpotenzial noch nicht ausgeschöpft.
Wien - Die Vienna Insurance Group (VIG) sieht weiterhin gute Wachstumschancen in Mittel- und Osteuropa und will in der Region auch durch Zukäufe expandieren. In einigen Ländern werde man heuer zweistellig wachsen, der Aufholprozess in der Region setze sich fort, sagte VIG-Chef Peter Hagen.
Die VIG sei generell an Zukäufen interessiert, wenngleich man in einigen Ländern aufgrund der starken Marktposition wohl bereits kartellrechtliche Probleme bekommen würde. Es gebe Länder, in denen die VIG noch nicht ihre angestrebte Marktposition habe, so der seit 1. Juni amtierende VIG-Chef. Ungarn sei ein Beispiel. Allerdings stelle sich dort die Frage, ob es einen Verkäufer gebe. Die VIG führe immer wieder Gespräche, "unmittelbar spruchreif" sei derzeit aber nichts. Die VIG wachse aber auch ohne Zukäufe in Ungarn. Von aktuellen politischen Themen lässt man sich nicht beeinflussen: Die VIG verstehe sich als mittelosteuropäischer Versicherer mit einem Führungsanspruch und sei kein schneller "Dealmaker". "Es geht nicht um die Position der nächsten zwei, drei, vier Jahre, sondern um die Position der nächsten 20, 30, 40 Jahre."
Kapitalerhöhung kein Thema
Eine Kapitalerhöhung ist für Hagen kein Thema: "Von den Objekten, die am Markt sind, oder die vielleicht einmal auf den Markt kommen, wüsste ich keines, wofür ich eine Kapitalerhöhung brauchen würde." Dafür müssten die bestehenden Mittel reichen. Die stillen Reserven lägen zwischen 1 und 1,5 Mrd. Euro. Diese hätten auch eine gewisse Pufferfunktion in Hinblick auf die geplanten neuen Eigenkapitalregeln für die Versicherungswirtschaft (Solvency II). Zudem könne man bei dem aktuellen Aktienkurs von etwas über 30 Euro Aktionären, "die seit langem bei uns investiert sind, eine Kapitalerhöhung nicht zumuten".
Enormes Wachstumspotenzial in Osteuropa ortet Hagen allein in der Autohaftpflicht: Es gebe Schätzungen wonach es bei einer ähnlichen Durchdringung wie in Österreich in den Ländern, in denen die VIG tätig ist, einen zusätzlichen Bedarf von 80 Millionen neuen Autos geben werde. Ausgehend vom VIG-Marktanteil von 17 bis 18 Prozent entspräche das dann 12 bis 13 Mio. Verträgen für den Konzern, illustrierte Hagen die Möglichkeiten. Allerdings werde der Aufholprozess Jahrzehnte dauern. In der Lebensversicherung sei der Aufholprozess grundsätzlich noch viel größer als in den Nicht-Leben-Sparten.
Autoversicherung wächst schwächer
Die schwächere Wirtschaftsentwicklung auch in einigen CEE-Staaten mache sich am ehesten im Bereich der Autoversicherung mit geringeren Zuwächsen bemerkbar. Anders als in anderen Wirtschaftszweigen sinke die Nachfrage in der Kfz-Haftpflicht sehr selten. Die Leute fahren in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten ihr Auto länger. Die Kfz-Haftpflicht, die in Osteuropa noch akzentuierter als in Österreich eine dominierende Sparte innerhalb der Sachversicherung ist, habe für das gesamte Versicherungsgeschäft "ein extrem pufferende Wirkung".
Durch die Diversifizierung in der Region - die VIG ist in 25 Ländern tätig - könne ein Ausgleich geschaffen werden. Wenn es in einem Land einmal schwächere Wachstumsraten gebe, dann komme aus einem anderen Land mehr.
Alle diese Faktoren milderten für die VIG die Auswirkungen einer Krise, man sei allerdings nicht völlig davor gefeit, die Zuwachsraten seien nicht mehr über die ganze Region zweistellig, sondern in manchen Ländern einstellig oder stagnierten auch. Zweistellige Zuwächse gebe es vor allem in der Lebensversicherung und innerhalb der Länder etwa in Polen oder in der Ukraine. Die Versicherungswirtschaft komme generell mit einem Time-Lag in die Krise und komme auch wieder mit einem Time-Lag aus der Krise.
Gewisser Preisdruck in Tschechien
In Tschechien, dem größten Auslandsmarkt der VIG, gebe es zwei Themen, die aber nicht unmittelbar mit der Konjunktur oder Sparprogrammen zu tun hätten. In der Kfz-Haftpflicht gebe es aufgrund des verstärkten Wettbewerbs einen gewissen Preisdruck. In der Lebensversicherung führe momentan eine Reform der Pensionsfonds zu Unsicherheiten. Insgesamt rechnet Hagen aber mit Zuwächsen.
In Kroatien sei die wirtschaftliche Situation schwierig. Im Nicht-Leben-Bereich wären Stabilität oder ein leichtes Wachstum für die VIG daher ein Erfolg. Das Ergebnis werde aber heuer deutlich besser ausfallen als im Vorjahr, alle Gesellschaften würden voraussichtlich positiv abschließen. Weitere Zuschüsse seien nicht notwendig. Im Vorjahr wurden insgesamt 35 Mio. Euro zugeschossen, auch aus Solvabilitätsgründen. Bei der zur Privatisierung anstehenden Croatia Osiguranje will Hagen erst Angebotsdetails abwarten. (APA, 20.7.2012)
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