Dutzende Patienten sollen bei Organverpflanzungen bevorzugt worden sein

20. Juli 2012, 10:56
41 Postings

Lebertransplantationen: Oberarzt im deutschen Göttingen im Verdacht, ausgewählte Personen auf Warteliste nach oben gehievt zu haben

Göttingen - Es soll sich um den größten Betrugsfall in der Geschichte der Transplantationsmedizin in Deutschland handeln: Laut "Süddeutscher Zeitung" wurden in der Göttinger Universitätsklinik bei Leber-Transplantationen in zahlreichen Fällen ausgewählte Patienten bevorzugt. Nach einer Untersuchung der Bundesärztekammer soll dafür ein bereits vor Wochen ins Zwielicht geratener ehemaliger Oberarzt Protokolle gefälscht haben, sagte ein Sprecher der Uniklinik am Freitag.

Hans Lilie, Strafrechtsprofessor an der Universität Halle und Vorsitzender der Ständigen Kommission Organtransplantation sei fassungslos ob der Ausmaße dieser Causa. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete über bisher 25 Fälle mit Manipulationsverdacht, wobei noch nicht alle Akten ausgewertet seien. Bei jährlich rund 50 Leberverpflanzungen in Göttingen "scheint die Verschiebung von Organen an der Universitätsklinik beinahe üblich gewesen zu sein", so die Zeitung.

Patienten kranker gemacht

Um schneller an Organe zu kommen, sollen verantwortliche Ärzte Patienten auf dem Papier kranker gemacht haben, als sie in Wirklichkeit waren. So rutschten sie auf der Empfängerliste nach oben und bekamen schneller eine Leber von der Vermittlungsstelle Eurotransplant zugeteilt.

Ob deswegen nachgereihte Patienten Nachteile erlitten haben oder gar gestorben seien, ist nun Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Untersuchungen. Gegen den Oberarzt wird wegen Bestechlichkeit ermittelt. Es sei laut Lilie allerdings unwahrscheinlich, dass bei diesem Umfang nur ein Arzt beteiligt gewesen sei.

In Deutschland stehen laut Eurotransplant derzeit 11.500 Namen auf der Gesamtwarteliste für Transplantationen, 3.850 Organe wurden im Jahr 2011 verpflanzt. In Österreich warten rund 1.000 Menschen auf ein Spenderorgan, 2011 erhielten 640 Personen ein solches. (APA/red, derStandard.at, 20.7.2012)

Share if you care.