Banken der Libor-Affäre wollen gemeinsame Strafe

20. Juli 2012, 11:25
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Keines der Institute will für sich genommen bestraft werden. Barclays einigte sich als einziges Geldhaus auf eine Geldbuße von 453 Mio. Dollar

Zürich/Washington - Im Skandal um Zinsmanipulationen bemühen sich mehrere ins Visier der Ermittler geratene Großbanken um einen Gruppen-Vergleich mit den Regulierungsbehörden. Mit den Überlegungen vertraute Personen sagten der Nachrichtenagentur Reuters, keines der beteiligten Institute wolle wie die britische Barclays-Bank für sich genommen bestraft werden. Als bisher einziges Geldhaus einigte sich Barclays mit den Aufsichtsbehörden der USA und Großbritanniens auf eine Geldstrafe von 453 Mio. Dollar (369 Mio. Euro). Bankchef Bob Diamond trat als Konsequenz aus der Affäre um den Interbankensatz Libor zurück.

Die an den Beratungen beteiligten Banken wollten vermeiden, wie Barclays von Politikern und Öffentlichkeit angefeindet zu werden, hieß es in den Kreisen. Die Diskussionen steckten noch in der Anfangsphase, und es sei unklar, ob sich die Regulierungsbehörden auf eine derartige Übereinkunft einlassen würden. Die Debatte unter den Banken habe bereits vor der Einigung Barclays mit den Behörden begonnen.

Nicht bekannt wurde, welche Banken an den Überlegungen für eine Gruppenlösung beteiligt sind. Die weltweiten Ermittlungen richten sich gegen mehr als ein Dutzend Geldhäuser wie die Citigroup, HSBC, JPMorgan Chase und die Deutsche Bank. Sie alle lehnten Stellungnahmen ab.

Ermittlungen in Italien

Inzwischen wurde klar, dass die Staatsanwaltschaft der süditalienischen Stadt Trani ebenfalls eine Untersuchung wegen möglicher Libor- und Euribor-Manipulationen in die Wege geleitet hat. Die Untersuchung wurde aufgrund von Anzeigen italienischer Konsumentenschutzverbände in die Wege geleitet. Wegen Marktmanipulationen drohten in Italien zwölf Jahre Haft, berichteten italienische Medien am Freitag.

Die Staatsanwälte von Trani führen bereits Ermittlungen gegen die US-Ratingagenturen Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch. Fünf Managern von S&P droht in Italien ein Prozess. Der bis vergangenem August amtierenden S&P-Chef Deven Sharma, sowie vier Analysten der Ratingagentur in den Londoner und Frankfurter Filialen droht ein Gerichtsverfahren, weil sie mit ihren Berichten über die Lage im Land versucht haben sollen, "Italiens Ansehen, Prestige und Kreditwürdigkeit auf den Finanzmärkten zu destabilisieren", lauteten die Vorwürfe der Staatsanwälte von Trani, welche die Untersuchung abgeschlossen haben. Die Ermittler vermuten, dass dahinter ein Plan steckte, um Italiens Politik und Wirtschaft zu beeinflussen.

Abschaffung des Libor-Zinsatzes

Als Folge des Skandals um Zinsmanipulationen bringen die ersten Regulierer eine Abschaffung des Referenz-Satzes Libor ins Spiel. Der Zinssatz wird einmal täglich in London ermittelt und basiert auf den Angaben der Institute zu ihren Refinanzierungskosten. Er dient als Basis für Finanztransaktionen im Volumen von mehr als 500 Billionen Dollar - von Hypotheken über Kreditkarten bis hin zu Derivaten. Mit falschen Angaben konnten die Banken ihre wahren Refinanzierungskosten verschleiern und Handelsgewinne einstreichen. (APA, 20.7.2012)

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    Die Banken wollen vermeiden, dass sie das Barclays-Schicksal erleiden.

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