Das Reisen ist des Golfers Lust

Den Anstrich des elitären Sports hat Golf verloren. Mit 105.000 Aktiven ist die Sportart zur Nummer fünf in Österreich aufgestiegen

Wien - Mit Meeresrauschen kann Österreich nicht dienen. Die Palmen muss man sich visualisieren. Und das Wetter für Outdoor-Aktivitäten ist - verglichen mit südlicheren Gefilden - eher unberechenbar. Davon lassen sich Golfer hierzulande aber nicht verschrecken. 105.000 Spieler, so viele wie noch nie, sind in den 156 Golf-Clubs eingeschrieben. Insgesamt stehen den Golfern 164 Plätze zur Verfügung.

Während sich die boomende Outdoor-Branche gerade beklagt, dass die Umsatzzuwächse nicht mehr zwanzig Prozent und mehr betragen, sind die Golfer mit der Entwicklung ihres Sports durchaus zufrieden. "Es hat nie einen Golf-Boom bei uns gegeben", sagt Robert Fiegl, der Generalsekretär des Österreichischen Golf-Verbandes (ÖGV). "Das heißt aber auch, dass wir unsere Zuwachsraten noch immer schätzen." Diese sind lange nicht so beeindruckend wie in den vergangenen Jahren, sie haben sich aber auf einem hohen Niveau stabilisiert. "Es werden derzeit im Durchschnitt auch nur mehr zwei Plätze pro Jahr gebaut", sagt Fiegl.

Kein Vergleich zu den 1990er-Jahren, als bis zu 20 neue Plätze pro Jahr errichtet wurden. Seit 2000 hat sich die Mitgliederzahl in den Clubs um rund 90 Prozent gesteigert. Auch wirtschaftlich gesehen ist der Golfer ein interessanter Faktor: Laut einer Studie für das Wifi-Unternehmerservice setzen die Spieler pro Jahr inklusive Nächtigung mehr als 830 Millionen Euro um.

Die meisten Golfplätze finden sich in Niederösterreich (41), gefolgt von Oberösterreich (28), der Steiermark (24) und Tirol (17). Sie liegen in malerischen Bergtälern, in der Nähe von Thermen und Weinbergen oder sind in der Nähe anderer touristischer Sehenswürdigkeiten oder sportlicher Angebote zu finden. Wirkliche Problemfälle habe es nicht gegeben, sagt Fiegl. "Aber man hat schon auch Golfplätze gebaut, bei denen man die Wichtigkeit des Standortes überschätzt hat."

Rang fünf im Sport-Ranking

1,2 Prozent der Bevölkerung spielen Golf. "In Deutschland sind es nur halb so viele", sagt Fiegl. In der Mitgliederstatistik der Bundes-Sportorganisation (BSO) ist der Sport damit hinter Fußball, Tennis, Ski und Eisstockschießen immerhin auf Rang fünf zu finden. Die Mär des elitären und exklusiven Sports in der Natur lässt sich nicht halten, auch wenn der Golfer natürlich kein Armer ist: Eine Jahresgebühr in einem Golfclub kostet rund 1000 Euro, beim Equipment muss man mit mehreren Hundert Euro rechnen - Trainingsstunden und Golf-Bekleidung exklusive. Zum Vergleich: Eine Saisonkarte für 2012/13 in der Skiwelt Amadé kostet regulär 502 Euro, Sportmaterial und Bekleidung kosten ähnlich viel. Fiegl: "Die Golfsaison dauert aber einige Monate länger."

Touristisch gesehen werden die Golfspieler mit Samthandschuhen angepackt: Sie geben fast doppelt so viel aus wie ein durchschnittlicher Urlauber. Laut einer aktuellen Gästebefragung golfen bereits drei Prozent aller Sommerurlauber in Österreich. Wichtigste Zielgruppe sind Deutsche, Italiener und Schweizer.

Winters Ski, sommers Golf

"Aber auch immer mehr tschechische und slowakische Gäste kommen zu uns", sagt Fiegl. Der private Verein "Golf in Austria" hat 80 Hotels und 40 Golfklubs im Portfolio.

Wintersport-Tourismus ist weiterhin Zugpferd. Immer mehr Gegenden setzen aber bewusst auf die Golfer. Mit den Hobbysportlern verdienen sich Hotels und Gastronomie längst mehr als ein Zubrot: In Kitzbühel etwa kommt jede sechste Nächtigung und jeder dritte Euro von einem Golfer.

Auch die österreichischen Golfer sind mobil. Lieblingsdestination ist die Türkei, die Region um Antalya hat sich hervorgetan. "Da sind in den letzten zehn Jahren 17 Golfplätze entstanden", sagt Fiegl. Spanien ist im Winter als "Fly in - fly out"-Ziel bei betuchteren Sportlern beliebt. "Da fliegt man nur hin, um abzuschlagen. In Österreich kann man auf den Berg gehen, einen Tag schwimmen, dann vielleicht zwei Tage golfen." Als Verlierer im Kampf um Golfgäste gilt Griechenland. Fiegl: "Die haben es verabsäumt, eine Infrastruktur zu schaffen." (David Krutzler, Printausgabe, DER STANDARD, 20.7.2012)

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5 Postings
typische Nichtgolfer Aussagen

Geht doch einmal auf 18 Bahnen mit! Zwischen 6,5 und 8 km gehen, die Ausrüstung dabei, dann machst noch zwischen 80 und 100 Schläge, das dann 3-5mal die Woche. Ist aber kein Sport!!!! Vielleicht als Alternative zum nächsten Heurigen wandern.
Zwischen einem geplegten Golfplatz und die die International anerkannt sind, ist ein Riesen Unterschied! Und a gmahte Wiesn mit Fahnen habe ich in Österreich noch nie gesehen, kenne nur ca. 50 Plätze............

Die Definition von Sport ist ohnehin nicht dass er anstrengend sein muss. Sonst wär Schach auch kein Sport. Golf ist eben ein Geschicklichkeitssport.

Griechenland?

Naja, sollen Golfplätze den Griechen auf den Inseln auch noch den letzten Rest des wenigen Wassers wegnehmen?
Das ist ja in Spanien schon teilweise eine Umweltsünde, dass einem das Grausen kommt...

Sport ist das ja keiner, aber ein Schicki-Micki Spiel.

Insgesamt stehen den Golfern 164 Plätze zur Verfügung.

nach internationalen maßstäben kann man maximal 30 golfplätze als sehr gute bezeichnen. der rest sind niedergemähte wiesen mit ein paar fahnen.

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