Prozess: Der Heroinschatz auf der Donauinsel

19. Juli 2012, 19:59
18 Postings

Entführung und Erpressung in der Drogendealer-Szene - 13 Jahre Haft für Haupttäter

Wien - Auf der Donauinsel liegt offensichtlich ziemlich viel Geld im Boden - zumindest in Form von vergrabenem Heroin. Das stellte sich am Donnerstag bei einem Prozess um erpresserische Entführung gegen drei Männer und eine Frau am Wiener Landesgericht heraus.

Hristo P. begann im Februar 2012 in der Bundeshauptstadt Suchtgift zu verkaufen. Ein Kilogramm davon besorgte er sich vom Erstangeklagten Koljo V., 25.000 Euro hätte er dafür zahlen sollen. Machte er aber nicht.

Koljo V. war mit diesem Verlauf der Transaktion nachvollziehbarerweise nicht glücklich. Er bezog Tanja K. ein, die immer bei P. ihre Dosis gekauft hatte. Die erreichte den Schuldner und lockte ihn zurück von Bulgarien nach Wien. "War ihnen klar, dass die Gläubiger auch zu rustikaleren Mitteln greifen würden?", will Andreas Böhm, Vorsitzender des Geschworenengerichtes, wissen. "Ja, das war mir klar."

Polizei befreite Opfer

Rustikal waren die Methoden tatsächlich. V. und der Zweitangeklagte Goran M. verlangten das Geld oder die Retournierung der Drogen. P. grub auf der Donauinsel, scheint aber sein Versteck nicht mehr gefunden zu haben. Die Folge: Schläge und die Fahrt in eine Wohnung in Wien-Favoriten, wo er fünf Tage eingesperrt und weiter bedroht wurde. Die Polizei, die die Bande schon überwachte, befreite ihn schließlich.

Ziel war es, von Verwandten des Opfers 7000 Euro zu erpressen. Goran M. schildert das anders: P. war freiwillig in der Wohnung, der Anruf fingiert, um das Geld zu bekommen. Aussagen, die Vorsitzendem Böhm auf die Nerven gehen. Protokolle der Telefonüberwachung lesen sich nämlich ganz anders. "Wie soll ich mit dem auf die Straße gehen, der ist voller Blut?", beispielsweise.

Koljo V., von dem das Verbrechen ausgegangen war, wurde zu 13 Jahren Haft verurteilt. Ein 33-jähriger Komplize, der den Mann tatkräftig unterstützt hatte, erhielt zehn Jahre. Eine 35 Jahre alte Frau, die in dem Fall den Lockvogel gespielt hatte, bekam ein Jahr, während ein weiterer Helfer, der lediglich Aufpasserdienste geleistet hatte, mit neun Monaten teilbedingt davonkam. Die Urteile sind nicht rechtskräftig. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 19.7.2012)

Share if you care.