Massiver Stellenabbau bei Banken weltweit

19. Juli 2012, 19:24
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Besonders Beschäftigte bei Investmentbanken betroffen

Frankfurt - Weltweit fürchten Banker um ihre Jobs. Auf besonders heißen Kohlen sitzen die Investmentbanker. Aufgrund der Flaute an den internationalen Kapitalmärkten verordneten viele Großbanken dem hochriskanten Bereich strikte Sparprogramme. Auch die strengeren Regulierungsvorschriften der Aufseher zwingen die Institute zu neuer Bescheidenheit. Während die Kürzungswelle zunächst in den USA durch alle großen Banken rollte, macht sie mittlerweile auch vor Europas Instituten nicht halt. Was auf die Branche zukommt:

- Deutsche Bank: Wie am Donnerstag bekanntwurde, will sich Deutschlands größte Bank von rund 1.000 Investmentbankern trennen. Die Stellen sollen vor allem im Ausland wegfallen. Zuvor hatte das Institut bereits den Abbau von 500 Investmentbanking-Jobs angekündigt.

- Credit Suisse: Auch die zweitgrößte Schweizer Bank tritt hart auf die Kostenbremse. Erst am Mittwoch kündigten die Züricher an, eine zusätzliche Milliarde an Kosten einsparen zu müssen. Wie viele Mitarbeiter von den Sparplänen betroffen sind, ist noch nicht bekannt. Die Bank hat bereits zwei Milliarden eingespart und insgesamt in dem Zuge seit Mitte letzten Jahres 2.500 Mitarbeiter entlassen. Es sollen bis zu 3500 werden. Ende Juni hieß es, dass die Credit Suisse laut Bankenkreisen bis zu 30 Prozent der leitenden Stellen im Investmentbanking streichen wolle. 60 Führungskräfte sollen betroffen sein.

- UBS: Der Schweizer Konkurrent kündigte bereits Ende vergangenen Jahres an, seine Belegschaft im Investmentbanking bis Ende 2016 um rund elf Prozent auf 16.000 Mitarbeiter reduzieren zu wollen. Insgesamt will die Bank bis zu 3500 Stellen abbauen.

- Royal Bank of Scotland: Die britische Bank hat seit ihrer Rettung durch Staatshilfe 2008 insgesamt ihr Personal um rund 36.000 Stellen gekürzt. Immerhin 5.500 Arbeitsplätze sollten seit Beginn 2011 gestrichen werden, erst im Juni verloren erneut 600 Angestellte ihren Job.

- Goldman Sachs: Die weltweit führende Investmentbank kündigte bei der Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen am Dienstag an, weitere 500 Millionen US-Dollar einsparen zu müssen. Bereits im zweiten Quartal dieses Jahres wurde der Personalaufwand um neun Prozent gesenkt, die Bank baute 100 Stellen ab. Insbesondere hochbezahlte Banker sollen durch billigere Nachfolger ersetzt werden.

- Barclays: Auch bei der krisengebeutelten US-Bank laufen weiterhin Sparbemühungen. Insgesamt müssen bis zu 3.500 Jobs geopfert werden.

- Morgan Stanley: Seit Beginn der Sparrunden Anfang 2011 gab die US-Bank Streichungen von 1.600 Stellen bekannt. Am Donnerstag sagte Bank-Chef James Gorman, die Zahl der Arbeitsplätze werde bis Ende 2012 um sieben Prozent sinken.

- Bank of America: Auch die zweitgrößte US-Bank will bei ihrer Investmentbank Merrill Lynch den Rotstift ansetzen. Anfang Mai hieß es, es sollten etwa 300 Stellen wegfallen. Offenbar will sich die Bank von ihrer Vermögensverwaltung im Ausland trennen. Bereits im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass in allen Bereichen der Bank bis zu 30.000 Arbeitsplätze den Sparplänen zum Opfer fallen könnten.

- Citigroup: Der Chef der US-Großbank Vikram Pandit präsentierte am Montag nicht nur die Quartalszahlen der Bank, sondern erklärte auch, dass der seit einem Dreivierteljahr andauernde Stellenabbau im Investmentbanking fortgesetzt wird. Schon im vergangenen Jahr kündigte die Bank an, insgesamt 4.500 Mitarbeiter entlassen zu müssen.

- UniCredit: Auch bei den Italienern wird gespart. Zwischen September 2011 und dem Jahr 2015 sollen rund 6.150 Banker den Mutterkonzern der Bank Austria verlassen.

- Lloyds: Mitte letzten Jahres erklärte die britische Großbank, bis zu 15.000 Jobs streichen zu wollen. Die jährlich anfallenden Kosten sollen innerhalb von drei Jahren um 1,5 Milliarden britische Pfund eingestampft werden.

- HSBC: Ende April kündigte die britische Investmentbank an, mehr als 2.200 Stellen in Großbritannien abbauen zu wollen. Vor allem im mittleren und gehobenen Management soll es Einschnitte geben. Insgesamt sollen weltweit bis Ende nächsten Jahres 30.000 Arbeitsplätze wegfallen, fast 7.000 wurden bereits 2011 gestrichen.

- Societe Generale: Im Vergleich zur amerikanischen Konkurrenz fallen die Kürzungen bei den Franzosen gering aus. Im vergangenen Jahr teilte die Bank mit, rund 1.500 Stellen streichen zu wollen.

- Credit Agricole: Frankreichs zweitgrößte Bank muss nach den Verlusten des Vorjahres 2.350 Stellen im Investmentbanking und Privatkundengeschäft streichen.

- BNP Paribas: Ende des letzten Jahres kündigte die Pariser Bank an, sich von 1.396 Mitarbeitern der Geschäftskunden- und Investmentabteilung trennen zu müssen. Insgesamt fallen bei den Franzosen rund 1.700 Arbeitsplätze weg.

- Macquarie: Auch Down-Under ist die Luft für Investmentbanken dünner geworden. Bereits im vergangenen Geschäftsjahr hat die australische Investmentbank fast jeden zehnten Job gestrichen, sie beschäftigt jetzt nur noch rund 14.000 Mitarbeiter. (APA, 19.7.2012)

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