Bericht über Identität des Attentäters von Burgas dementiert

Meldungen zufolge soll der Täter ein ehemaliger Guantanamo-Gefangener aus Schweden sein - Geheimdienst: Informationen eindeutig falsch

Sofia/Stockholm - Die Behörden in Bulgarien und Schweden haben Medienberichte dementiert, wonach es sich bei dem Attentäter von Burgas um einen ehemaligen Guantanamo-Häftling aus Schweden handeln soll. Diese Berichte seien unwahr, teilte das Innenministerium in Sofia am Donnerstagabend mit. Der schwedische Geheimdienst Säpo bezeichnete die von bulgarischen Medien im Internet verbreiteten Meldungen als eindeutig falsch.

Laut den Berichten, die auch von israelischen Online-Medien übernommen worden waren, sollte es sich bei dem Selbstmordattentäter um einen 33-jährigen schwedischen Staatsbürger mit algerischen Wurzeln gehandelt haben. Er sei nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan gefangen genommen und ins US-Lager Guantanamo auf Kuba gebracht worden. 2004 sei er an die schwedische Behörden übergeben worden, hieß es weiter.

Gefälschter US-Führerschein

Unterdessen gab der bulgarische Innenminister Zwetanow in Burgas bekannt, dass die DNA-Tests des Selbstmordattentäters und seine Fingerabdrücke den internationalen Datenbanken vorliegen. "Damit arbeiten die Ermittler vor Ort", sagte Zwetanow vor der Presse am Flughafen Burgas. Weiter Angaben zur Identität des Attentäters machte er vorerst nicht. Noch sei unklar, wie der Mann in Bulgarien und in die EU eingereist sei. In einer Seitentasche seiner Kurzhose fand die Polizei einen gefälschten Führerschein, ausgestellt in den USA. Laut Angaben der bulgarischen Grenzpolizei ist keine Person unter dem Namen auf dem Führerschein in Bulgarien eingereist. "Offensichtlich reiste er unter falscher Identität und mit gefälschten Papieren ein", kommentierte Ministerpräsident Bojko Borissow.

Nach Angaben der Behörden gehörte der Attentäter nicht zur Reisegruppe der israelischen Urlauber. Er stieß erst am Parkplatz vor dem Flughafenterminal zu ihnen, als die meisten der rund 45 Touristen bereits im Bus saßen, und zündete die Bombe in seinem Rucksack neben dem Bus. Wie Innenminister Zwetanow erläuterte, sei der Attentäter auf den Überwachungskameras in der Ankunftshalle des Flughafens deutlich zu erkennen. "Ein junger Mann in kurzen Hosen und mit einem Rucksack auf dem Rücken - so sehen die meisten Touristen dort aus und deshalb fiel er niemandem auf", kommentierte Zwetanow im Staatsfernsehen.

"Rechnung begleichen"

Die israelische Regierung ließ unterdessen wissen, dass man mit den Verantwortlichen "die Rechnung begleichen" und ihnen einen "hohen Preis" abverlangen werde. Israel will auch offiziell Beschwerde gegen Teheran beim UNO-Sicherheitsrat einlegen. Dieser bestritt jegliche Beteiligung an dem Attentat. Man verurteile alle Anschläge auf unschuldige Zivilisten als unmenschlich, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Ramin Mehmanparast, dem Nachrichtenportal Al-Alam. Auch die Hisbollah im Libanon nannte die Vorwürfe aus Jerusalem in einer offiziellen Reaktion lächerlich.

Bei dem Anschlag auf einen mit einer israelischen Reisegruppe besetzten Bus waren am Mittwoch in der bulgarischen Schwarzmeerstadt Burgas sieben Menschen getötet worden. (APA)

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